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"Galileo"-Fernsehteam begleitet einen Gebäudereiniger in Höchstadt


Autor: Mirjam Stumpf

Höchstadt a. d. Aisch, Dienstag, 14. Mai 2019

Für einen Beitrag in der Fernsehsendung "Galileo" begleitete das Produktionsteam den Alltag eines Gebäudereinigers in Höchstadt.
"Galileo"-Reporter Martin Dunkelmann (2. von links) schlüpfte für den Dreh selbst in die Rolle des Gebäudereinigers. Azubi Bastian Reichelsdorfer (links) unterstützt ihn. Foto: Mirjam Stumpf


Schwer seien die Stangen nicht - aber teuer. Etwa 2500 Euro koste das Arbeitsgerät aus Carbon, sagt Carsten Dippelt, technischer Betriebsleiter der Firma Kindler Gebäudereinigung aus Herzogenaurach. Solche langen Stäbe mit einem von Wasser gespeisten Bürstenaufsatz sind die Arbeitsgeräte von Gebäudereinigern. Mit diesen erreichen sie auch Flächen, die weit oben sind.

Ein interessanter Job, dessen Arbeitsabläufe wenige kennen. Das soll sich ändern. Für die Reihe "X-Days" begleitete deshalb ein vierköpfiges Team der Fernsehsendung "Galileo", die auf Pro 7 läuft, die Gebäudereiniger der Firma Kindler. "Galileo"-Reporter Martin Dunkelmann stellte sich dafür selbst den alltäglichen Herausforderungen. "Ich mache den Job des Gebäudereinigers für drei Tage mit", erläutert er.

Denn der Fachkräftemangel hält auch im Reinigungsgewerbe Einzug. Bei Kindler werden zur Zeit drei gewerbliche Auszubildende angelernt sowie drei im Büro, wie der technische Betriebsleiter Dippelt aufzählt. Einer der Auszubildenden ist Bastian Reichelsdorfer. Der 21-Jährige lernt schon seit zweieinhalb Jahren im Betrieb, er ist fast fertig. "Ich habe meine Zwischenprüfung schon gemacht und warte eigentlich nur noch auf das Ergebnis", erzählt er. Gestern schlüpfte er allerdings in die Rolle des Lehrenden und teilte mit Reporter Dunkelmann sein Fachwissen.

Abwechslungsreiche Arbeit

Die Firma Kindler besteht seit bald 20 Jahren. Die Mitarbeiter arbeiten in den fränkischen Regionen, rund um Erlangen-Höchstadt, Nürnberg oder Bamberg. Betriebsleiter Dippelt ist überzeugt von dem Beruf. "Es ist abwechslungsreich, man arbeitet jeden Tag woanders." Außerdem komme man an Orte, wo andere nie hinkommen. Doch Gebäudereiniger bringen nicht nur Glasfassaden wieder zum Glänzen. Auch in der Textil- oder der Holzbodenreinigung seien sie tätig. Besonders spannend sei die Bauendreinigung, so Dippelt. Da seien sie oft die letzten, die in einem Neubau tätig sind, bevor er bezogen werde.

Bastian Reichelsdorfer wurde auf den Beruf durch Verwandte und Bekannte aufmerksam. "Ein Freund von mir hat das auch gelernt", sagt er über seine Entscheidung für diese Tätigkeit. Auch er schätze es, an nur einem Arbeitstag an mehren Orten zu sein. "Man braucht ein Grundverständnis von Sauberkeit, sodass man nichts übersieht", hat er bereits gelernt.

Werden Glasflächen gereinigt, sei es wichtig, mit Osmosewasser zu arbeiten. "Das ist gereinigtes Wasser, das keine Mineralstoffe enthält", erklärt Dippelt. Dadurch erstrahle die gereinigte Scheibe kalk- und streifenfrei, wenn sie getrocknet ist. "Die technischen Geräte dafür haben wir vor zehn Jahren eigens für das Vogelseck angeschafft", so der technische Betriebsleiter. Das Gebäude, in dem auch die Lokalredaktion des "Fränkischen Tag" untergebracht ist, werde zweimal im Jahr gereinigt. Damit es wieder blitzt, bedeute das für die Mitarbeiter rund drei Tage Arbeit.

Die Ausbildung sei besonders ansprechend für Technikbegeisterte, denn die Tätigkeit beinhalte neben einem wichtigen Chemieteil zudem viel Umgang mit Mechanik. So biete die Firma Kindler ihren Mitarbeitern auch regelmäßig Weiterbildungen, beispielsweise in der Hebebühnentechnik, so Betriebsleiter Dippelt.

Reinigen ist nicht putzen

Für ihn ist es besonders wichtig zu betonen, dass das Reinigen nicht mit dem Putzen gleichgesetzt wird. Dippelt vergleicht das mit dem Zähneputzen. "Sich die Zähne putzen kann jeder. Aber nicht jeder kann als Zahnreiniger arbeiten", erklärt er.

Für Flächen, die weit über dem Boden liegen, kommt eine spezielle Glasreinigerleiter zum Einsatz. Der obere Teil der Trittleiter läuft spitz zu, ihr Ende bilden ein Anlegegummi und eine Rolle. Damit kann das Hilfsmittel stabil an Kanten, beispielsweise am Übergang zwischen Fenster und Hauswand, angelehnt werden. Einmal sei es ihm fast passiert, erzählt Azubi Bastian dass oben das Rädchen mitgewandert ist, während er darauf stand. Einen Sturz habe er aber glücklicherweise verhindern können.

Arbeit in der Höhe

Da die Arbeit oft hoch über dem Boden stattfindet, bleiben regelmäßig interessierte Passanten stehen. Als Azubi Bastian auf seiner Leiter auf etwa drei Metern Höhe einen letzten Fleck auf der Fensterscheibe poliert, kommt eine besorgte Mitarbeiterin aus einem angrenzenden Geschäft heraus geeilt. Sie habe durch die breite Fensterfront schon länger zugeschaut. "Ich habe mir Sorgen gemacht, dass der junge Mann gleich runterfällt" , sagt sie. Bastian Reichelsdorfer aber bleibt gelassen, er wisse, was er tue.

Betriebsleiter Carsten Dippelt ist außerdem als Sicherheitsfachkraft für den Schutz der Mitarbeiter am Arbeitsplatz zuständig, prüft vorher die Einsatzorte. "Die meisten Unfälle passieren auf zwei Metern Höhe", resümiert er, schließt dabei aber auch Haushaltsarbeiten im Alltag mit ein. Denn stehe man als Gebäudereiniger hoch oben auf der Leiter, sei man hochkonzentriert. Der Trend gehe insgesamt jedoch zunehmend hin zum Einsatz von technischen Geräten. Die Hebebühne ersetze beispielsweise die Leiter, sodass man nicht mehr selbst hoch müsse. "Aber es ist von Vorteil, schwindelfrei zu sein", sagt er.

Das Produktionsteam um Martin Dunkelmann wird in den nächsten drei Tagen für den Fernsehbeitrag auch noch andere Orte besuchen, an denen eine professionelle Reinigung erforderlich ist. "Heute geht es auch noch in die Kita."