Leichter Regen fällt. Im Übungsraum des "A4Plus"-Kursstudios in Höchstadt sind die Fenster aber offen. Die etwa zehn Teilnehmer des Kurses liegen auf Sportmatten und folgen den Anweisungen der Trainerin. Wäre das Wetter besser, läge die Gruppe wohl draußen auf einem Holzpodest und unter einem Sonnensegel. Denn das familiengeführte Studio hat die Zeit des Lockdowns genutzt, um den Rahmen der Möglichkeiten zu erweitern.

"In solchen Phasen muss man aktiv werden", sagt Elmar Gerner, Trainer im Studio. "Das spüren auch die Kunden." 110 Quadratmeter ist die Holzbühne groß. Gebaut auf einem Fundament, ebenfalls aus Holz, erklärt Gerner. So sei ein klassischer Schwingboden entstanden, wie man ihn aus Turnhallen kenne. Das sei besser für die Übungen, die dort gemacht werden.

Seit dieser Woche dürfen auch Fitnessstudios in Bayern wieder geöffnet haben - unter Auflagen natürlich. Dabei betont der Trainer, dass es den Kunden nicht alleine auf die körperliche Ertüchtigung ankommt. "Viele, die zu uns kommen, wollen Interaktion", meint er. Da geht es dann auch um soziale Kontakte, die den Teilnehmern ebenso wichtig sind. Oder einfach gesagt: Es wird nicht nur gestrampelt, sondern auch über Tratsch geratscht.

Fitnessstudios nach Corona: Digitales Training von zu Hause aus

Statt zu jammern, solle man in solchen Situationen kreativ sein, sagt Gerner. Vor allem die Töchter hätten die Kursangebote während der Einschränkungen in das Internet verlagert, sodass sich jeder live von zu Hause per Smartphone oder Laptop zuschalten konnte. Das digitale Training werden sie weiterhin zweimal in der Woche anbieten. Etwa 1000 Aufrufe hätten die Livestreams pro Woche gehabt, so Gerner. Der Zuspruch zur Öffnung war dennoch sehr groß.

Beschwerden über die notwendigen Maßnahmen hat es im Studio noch keine gegeben. Umgezogen werden muss sich draußen vor der Tür, duschen ist im Moment nicht erlaubt. "Man muss die Regeln nicht nur als Vorschriften betrachten", sagt Gerner, dem es um die Gesundheit der Teilnehmer geht. Dementsprechend wolle man das Angebot so leicht erreichbar wie möglich halten.

Im Fitnessstudio ist ausreichend Platz für alle

Komplizierte Anmeldungen im Internet sind nicht notwendig. Wenn es das Wetter zulässt, werden die Gruppenstunden nach außen verlegt, Platz sei für alle ausreichend vorhanden. So wird in jedem Fall ein ausreichender Abstand gewährleistet. Nur einzelne Kurse werden, wegen der begrenzten Teilnehmerzahl von zehn Personen, drinnen stattfinden. Für Gerner hat die Zurückhaltung mancher aber nicht nur Schlechtes. "Es ist gut, dass wir nicht gleich überrannt werden", sagt er. So könne man noch Erfahrung sammeln. Dabei ist ihm schon jetzt das Verständnis der Teilnehmer aufgefallen.

Davon berichtet auch Eva Maag, Angestellte im Fitnessstudio "Aktiv und Vital" in Adelsdorf. "Jeder nimmt Rücksicht auf den anderen", sagt sie, bekommt aber auch eine Verunsicherung mit. "Die Leute haben angerufen und gefragt, sie sind natürlich vorsichtig." Aber es werde miteinander gesprochen, sodass es zu keinen Problemen komme.

Das ist auch möglich, weil etwa die Geräte für das Cardiotraining entfernt wurden. Auch die Trennung von Kraft- und Gesundheitsbereich helfe dabei, dass die Trainierenden ausreichend Abstand halten könnten. Die Leute seien gut verteilt, meint Maag. Geräte gesperrt wurden aber nicht. Desinfiziert werden sie hingegen natürlich regelmäßig.

Wie lief für Maag der Neustart? "Ich war ein wenig aufgeregt, aber es ging ganz gut los." Von einer guten Stimmung zum Start am Montag erzählt auch Annett Kunath-Zeh, die die Tanzschule "Project Dance" in Höchstadt betreibt. Zuerst gab es eine Aufklärung und Ansprache, bevor es dann ans Tanzen ging. Ihr ist ein offener Umgang mit der Situation wichtig.

Tanzstudio bieten mehr Platz zum Tanzen

Die Einschränkungen sind für sie ein zweischneidiges Schwert. Zwar dürfen die Kurse nur 60 Minuten dauern, weswegen manche Paare, da sie 90-minütige Einheiten gebucht haben, an zwei Terminen teilnehmen würden. Außerdem hat Kunath-Zeh die Gruppengröße auf acht Paare beschränkt. Dafür hätten diese aber mehr Platz zum Tanzen.

Insgesamt zieht sie ein positives Fazit. "Die Freude, sich wieder bewegen zu dürfen, überwiegt schon." Dafür nimmt sie auch fehlenden Sommerurlaub in Kauf. Denn um die bereits bezahlten Stunden nachzuholen, arbeite sie den Sommer durch. Schwieriger hingegen sei das Fehlen vieler Hochzeitspaare, die ihre Hochzeiten entweder ganz abgesagt oder verschoben haben. Die Tanzlehrerin schaut aber schon weiter: "Ich freue mich auf den Herbst."