Ein klein wenig an Erntedank erinnert der mit Gemüse und Obst bunt gestaltete kleine Tisch am Besiktas-Platz in Erlangen. So ganz weit hergeholt ist dieser Gedanke nicht, soll die Aktion doch Solidarität mit den Landwirten ausdrücken. Solidarität mit dem Boden, mit dem Lebensmittel. Und zur Solidarität gehören nicht nur die Würde und die Achtung, sondern auch der Dank.

Die Aktion von "Solawi - Solidarität mit den Landwirten" ist eine von vielen, die seit Mittwoch bis einen Tag vor der Landtagswahl unter dem Thema "Aktion bunt und solidarisch - die Menschenwürde wieder ERlangen" täglich von 17 bis 17.30 Uhr auf dem Besiktas-Platz durchgeführt werden.

Karin Depner vom Verein "Solawi" hat ein Tablett mit mundgerecht geschnittenen Apfelstücken oder Karottenstreifen in der Hand, bietet diese den vielen Leuten allen Alters an, die über den Platz laufen. Ein Mädchen nimmt eine Karotte, bedankt sich und beißt genüsslich von dem knackigen Gemüse ab. Die anderen schütteln ablehnend den Kopf.

"Es bleiben nur wenige stehen", sagt Susanne Großmann. Sie gehört zu den Organisatoren dieser Aktionen und würde sich mehr Interesse wünschen. Die Leute müssten gezielt angesprochen werden, und selbst dann sei es noch schwierig, sie in ein Gespräch zu verwickeln. "Wir hoffen, dass es durch den Wiederholungseffekt mehr werden", erzählt Großmann.

Warum die Menschen wenig Interesse zeigen, kann sie nur vermuten. "Sie wollen die Gefahren verdrängen", glaubt Großmann. Die Gefahren einer Krise, für die es weltweit viele Anzeichen gebe.

Deshalb gehe es um die Solidarität und um die Menschenwürde, die sich nicht nur auf Flüchtlinge bezieht, wenn auch der Koordinierungsrat der Flüchtlingshilfe in Erlangen diese Aktionen ins Leben gerufen hat. Die DFGVK (deutsche Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegner) informierten über die Fluchtursachen. Das "Cafè in Bubenreuth" hat auf dem Besiktas-Platz mit Flüchtlingen Kaffee und Kuchen angeboten. Ähnliche Aktionen wird es noch viele geben.

Tänze, Musik, Gespräche

Am 2. Oktober wird ein Vertreter der UN über Kinderrechte sprechen. Eine "Kinderwagenrevolution" ist angekündigt. "Sie kommen mit vielen Kinderwagen", verrät Großmann. Mal werden Tänze aufgeführt, manchmal Musik gespielt, manchmal nur gebetet oder geredet. Gelingt ein Gespräch, ist das Echo durchwegs positiv.

Mit zwei jungen Männern sind Karin Depner und Gabriele Dirsch ins Gespräch gekommen. Sie informieren über Solawi. Das sind 150 Menschen, die wöchentlich von teilnehmenden Landwirten mit Obst und Gemüse versorgt werden. Jeden Mittwoch beispielsweise werden von den Bauern vier verschiedene Gemüsesorten in eine ehemalige Bäckerei gebracht. Jedes der Mitglieder wiegt sich dann sein Kilo ab und bezahlt. Einen Schlüssel haben die Teilnehmer, um zu jeder Tageszeit ihre Gemüse holen zu können. Ein Ziegenzüchter bringt Käse, ein Obstbauer je nach Saison Äpfel, Kirschen oder Zwetschgen. Ein andere Landwirt hat eine alte Rindersorte und liefert Schinken oder Wurst, und auch Rotkorn, ein Urdinkelsorte, ist erhältlich.

Solidarität mit den Landwirten, mit dem Boden und mit dem Lebensmittel wird damit gezeigt. "Ein Bauer konnte seinen Halbtagsjob aufgeben und baut nun fast 40 Sorten Wintergemüse an. Gemüse wie Schwarzkohl, bunte Möhren, gelbe Beete oder schwarzen Rettich", informiert Depner über die Gemüsesorten, die kaum jemand kennt. Die Mitglieder nehmen auch krumme Gurken mit nach Hause, und eine zweibeinige Karotte schmeckt ebenso gut. "20 Prozent des Gemüses wäre sonst für die Landwirte Ausschuss", sagt Depner, wenn die Landwirte das auf normalem Wege absetzen wollten.