Erlangen: Junge Frau besiegt dank Ärzten seltene Autoimmunerkrankung Lupus
Autor: Redaktion
Erlangen, Sonntag, 14. Januar 2024
Lange Zeit hatte eine junge Frau an der seltenen Autoimmunerkrankung Lupus gelitten, ehe Erlanger Ärzte sie heilen konnten. Die Mediziner sprechen von einem "Meilenstein in der Therapie", der nun noch einmal an Bedeutung gewonnen habe. Denn: Die Patientin ist nach wie vor gesund.
Jahrelang hatte eine junge Frau an der lebensgefährlichen Autoimmunkrankheit SLE gelitten. Die Mediziner standen vor einer Mammutaufgabe. Dann gelang es den Erlanger Ärzten schließlich, die Patientin zu heilen - unter Einsatz einer bis dato unbekannten Methode.
Nun gibt es eine weitere gute Nachricht: Die Lupus-Patientin ist laut Angaben der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 1000 Tage nach der weltweit ersten CAR-T-Zell-Therapie immer noch gesund.
Autoimmunerkrankung Lupus: Erlanger Forschern gelang "Meilenstein in der Therapie"
Im März 2021 erhielt die damals 20-jährige Thu-Thao V. als weltweit erste Patientin CAR-T-Zellen gegen die seltene, bisweilen lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung Systemischer Lupus erythematodes (SLE). Das berichtet die FAU in ihrer aktuellen Pressemitteilung. Bereits wenige Wochen später ging es der jungen Frau demnach wieder gut: Die Gelenkschmerzen und die gerötete Haut verschwanden, Herz und Nieren erholten sich, Atmung und Schlaf wurden wieder normal, das starke Herzklopfen und der Haarausfall gingen zurück. "Thu-Thao V. konnte sogar wieder Sport treiben", heißt es in der Mitteilung der Uni.
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Auch heute, 1000 Tage nach der Behandlung mit CAR-T-Zellen, ist die inzwischen 23-Jährige beschwerdefrei. "Sie studiert, geht zum Zumba, führt ein ganz normales Leben", schildert die FAU. Statt einer Perücke wie noch 2021 hat sie heute wieder eigene lange Haare. "Ich nehme nur noch Blutverdünner ein und etwas, um meinen Blutdruck zu regulieren – das entlastet meine Nieren", wird V. in der Pressemitteilung der Universität zitiert. Noch vor zweieinhalb Jahren hatte Thu-Thao V. täglich etwa 20 Tabletten schlucken müssen. "Der Lupus ist in meinem Blut nicht mehr nachweisbar", berichtet sie nach Angaben der Uni strahlend.
"Wir sind so glücklich und freuen uns so für Sie", begrüßten Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie, und Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uniklinikums Erlangen, Thu-Thao V. anlässlich ihres besonderen Jubiläums in Erlangen.
Immunsystem von junger Frau spielte verrückt - gentechnisch veränderte Zellen "letzte Hoffnung"
Beide Klinikdirektoren betreuen die Patientin der FAU zufolge gemeinsam. Rückblick: Der SLE hatte bei der jungen Frau dazu geführt, dass ihr Immunsystem verrücktspielte und Autoantikörper gegen die eigene Erbsubstanz bildete. Das löste schwere Entzündungsreaktionen in den Organen aus. Weil verschiedene immununterdrückende Therapien bei Thu-Thao V. fehlschlugen, waren gentechnisch veränderte Immunzellen – sogenannte CAR-T-Zellen – nach Angaben der Universität "ihre letzte Hoffnung". Sie sollten diejenigen Immunzellen (B-Zellen) zerstören, die für die Bildung der schädlichen Autoantikörper verantwortlich waren – und genau das taten die per Infusion verabreichten CAR-T-Zellen dann auch.
Um die Patientin zu dem anhaltenden Therapieerfolg zu beglückwünschen, übergaben Prof. Schett und Prof. Mackensen Thu-Thao V. jetzt einen eigens für sie angefertigten Preis. Auf diesem prangen die Silhouette eines Wolfskopfes und der Text "Die, die den Wolf besiegte" (Lupus = lat. Wolf), zusammen mit dem Datum der wegweisenden Behandlung: 22. März 2021. Den Namen Lupus bekam die Erkrankung, weil die typischen Gesichtsrötungen und -entzündungen die Menschen früher an Wolfsbisse erinnerten.