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Erlangen-Höchstadt: Geschützter Fischadler nistet auf Strommast


Autor: Nele Nitschky

LKR Erlangen-Höchstadt, Freitag, 17. Juli 2026

Vor wenigen Wochen wurde ein Nest gesichtet. Für ein besonderes Vorhaben hat sich dann ein Mitarbeiter des Bayernwerks in schwindelerregende Höhe begeben.
In rund 35 Metern Höhe hat es sich im Landkreis Erlangen-Höchstadt ein Fischadler-Paar mit Nachwuchs auf einer Hochspannungsleitung bequem gemacht.


Auf einem Strommast des Energieversorgers Bayernwerk im Raum Erlangen-Höchstadt haben es sich ganz besondere Gäste gemütlich gemacht: Drei Fischadler-Küken wurden dort in einem Nest in luftigen 35 Metern Höhe entdeckt. Der Brutvogel wird in der Roten Liste gefährdeter Brutvögel Bayerns als "vom Aussterben bedroht" bewertet. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) ist er in Bayern nur  "sehr lokal an wenigen Brutplätzen verbreitet".

Der Energieversorger zeigt sich begeistert über das Vorkommen der Tiere. "Das ist eine ökologische Sensation", äußert sich Pressesprecherin Johanna Härtl im Gespräch mit inFranken.de. "Es freut uns, dass er bei uns auf dem Strommast vorkommt und wir einen Teil dazu beitragen können."

Beringung für weitere Beobachtung – Wissenschaftler wollen bestimmte Sache herausfinden

Die Untere Naturschutzbehörde Erlangen-Höchstadt und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung Oberfranken haben das Unternehmen auf das Fischadlernest aufmerksam gemacht. Auch im Raum Forchheim hat ein bemerkenswerter Fund einer vom Aussterben bedrohten Tierart Wissenschaftler überrascht.

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Ein Team des Bayernwerks, bestehend aus Umweltexperten und Biologen, habe eine Beringungsaktion organisiert, um die Vögel weiter beobachten zu können. In einer Pressemitteilung veröffentlicht das Unternehmen auf seiner Website dazu Details. Für das Vorhaben ist Servicetechniker Alexander Dürst gesichert auf den Mast gestiegen und hat die zu diesem Zeitpunkt vier bis fünf Wochen alten Küken in einen Seesack gesetzt, um sie zu den ehrenamtlichen Beringern Roland und Theresa Geyer am Boden zu transportieren. "Ich muss sagen, ich war zunächst aufgeregt. Die Tiere waren aber ganz ruhig. Ich hatte befürchtet, dass die Altvögel ihr Nest verteidigen würden, doch sie hielten sich währenddessen in einiger Entfernung auf", zitiert Bayernwerk Dürst in der Pressemitteilung.

Am Boden angekommen wurden die Vögel gewogen, vermessen und mit einem Ring der Vogelwarte sowie einem individuellen Kennring ausgestattet. Letzteren befestigen die Experten routinemäßig jeweils an einem unterschiedlichen Bein – je nachdem, ob der Vogel auf einem Baum oder auf einem Strommast geschlüpft ist. Die Wissenschaftler erhoffen sich damit Kenntnisse davon, ob die Tiere später einen ähnlichen Brutplatz bevorzugen.

Warum der genaue Ort des Nestes geheim bleibt

"Wir beringen die Vögel, damit sie später anhand der Ringnummer mit Fernglas oder Kamera eindeutig identifiziert werden können. So können wir nachvollziehen, wie sich die Tiere ausbreiten und wo sie später selbst brüten", erklärt Roland Geyer. Im Zuge eines Artenhilfsprojekts für Fisch- und Seeadler wird das Brutpaar nun von Ehrenamtlichen beobachtet und das Verhalten dokumentiert. Die Fischadler dürfen dafür auf dem Hochspannungsmast wohnen bleiben. "Wir haben häufig Vögel, die auf den Masten brüten", sagt Johanna Härtl. "Das ist für die Stromversorgung kein Problem."

Den genauen Ort des Nests gibt die Bayernwerk Netz GmbH auf Nachfrage nicht bekannt. "Das könnte Leute anlocken, die die Vögel stören", erklärt die Pressesprecherin. Neben menschlichen Freizeitaktivitäten können laut LfU auch Belastungen durch Biozide und Schwermetalle sowie Kahlschlag und das Fällen von Bäumen die Tiere stören.

Fischadler kamen in Bayern natürlicherweise vor, bis ihre Population in der Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere durch menschliche Verfolgung, ausgelöscht wurde. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz) konnte laut LfU im Jahr 1992 wieder die erste Brut sicher nachgewiesen werden. Seitdem etabliert sich die Vogelart in Bayern wieder. Bisher haben die meisten Bruten dabei auf künstlichen Nisthilfen stattgefunden.