Auf dem Platz der SpVgg Etzelskirchen liegt der Duft von frisch gemähtem Rasen in der Luft. Seit Juli letzten Jahres trainieren hier immer freitags behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam auf dem Fußballplatz in einer Inklusionsmannschaft.

Auf die Beine gestellt haben die bunte Truppe Andi und Maria Alt aus Weppersdorf. Sie haben selbst zwei Kinder mit Einschränkungen. Die Möglichkeit, dass sich die beiden irgendwo sportlich austoben können, war nicht gegeben.

Selbst eine Fußballmannschaft zu gründen, war da naheliegend, weil "Fußball war schon immer mein Ding", so Andi Alt. Kein Wunder also, dass sein Sohn Julius (12) auch den Hang zum Runden hat, das in das Eckige muss. "Doch in der alten Mannschaft wurde Julius nicht anerkannt", so Alt. "Es gibt nicht viele Mannschaften mit Inklusion", erklärt Alt und bemängelt, dass die Gemeinde dies auch nicht ausreichend fördere.

Per Annonce auf Spielersuche

Schließlich kam der Kontakt mit Edgar Litz, dem Zweiten Vorstand der SpVgg, zustande. Dieser hat selbst Kinder mit Einschränkungen. "Er hat einen Trainer gesucht und ich eine Mannschaft", sagt Alt, "So ist das entstanden." Per Annonce im Amtsblatt und Plakat bei der SpVgg machte man sich auf die Suche nach Spielern zwischen zehn und 17 Jahren mit oder ohne Handicap, aber mit viel Spaß am Fußball .

Alt absolvierte bei der Lebenshilfe Erlangen unter Schirmherrschaft des Bayerischen Fußballverbands eine Schulung, deren Ziel es war, Trainingseinheiten für Kinder mit Einschränkungen abzukürzen, erklärt Alt. Gelehrt wurden aber auch Trainingsmethoden, damit Klein und Groß zusammenspielen können.

Jeder starke Mann braucht eine starke Frau, die ihm den Rücken freihält. "Ich mache das obligatorische, operative Training", sagt Alt, "meine Frau das Administrative." Dieses Administrative besteht unter anderem darin, dass die Mannschaft händeringend nach Sponsoren sucht, denn die "Etzel-Tigers" brauchen noch Trikots.

"Den Namen haben sie sich selbst gegeben", sagt Maria Alt, "Die Special Kids nennen wir bei uns die ,Athleten', die Nichtbehinderten sind die ,Unified Partners'." Die zweijährige Greta auf ihrem Arm wird während des Gesprächs zappelig. "Es wäre schön, ein Netzwerk aufzubauen", fährt Alt fort, ihre Tochter absetzend, "für Kids mit geistiger Behinderung ist das Angebot gegen null."

Special-Olmpics sind das Ziel

Eines ihrer Ziele sind die Special-Olympics. "Vor Corona hatten wir vor, an den Landesspielen in Regensburg nächstes Jahr teilzunehmen, doch das wird jetzt zu knapp. Wir haben noch kein Freundschaftsspiel hinter uns", sagt sie. Momentan spielen in der Mannschaft 14 aktive Spieler, davon 60 Prozent mit Einschränkungen.

Zwei davon sind Alexander (17) und Felix (9) Walther. "Sie haben eine allgemeine Entwicklungsverzögerung", sagt ihre Mutter Sabine Walther. "Durch das Fußballspielen hat sich ihr Körperbewusstsein verbessert."

Schon heizen die Jungen und Mädchen über den Rasen, wild entschlossen, den Ball im Tor zu versenken, oder wie Julius es ausdrückt: "Ein Tor zu hauen." Aufmerksam auf die Mannschaft geworden sind die Walthers durch Mundpropaganda. Alex geht in die gleiche Klasse wie Johanna Litz, die bereits im Team spielt. "Sie hat den Alex gefragt, ob er nicht auch mal kommen will. Beim Probetraining war Felix dabei und wollte auch gleich mitmachen." Auch Karsten Weiß kann nur Positives berichten, "Es tut Tim gut", sagt er, "er ist agiler geworden."

"Du musst dir Mühe geben", ruft Anke Fischer ihrer Lena (10) zu, "die Mannschaft braucht dich." Lena gibt sich Mühe und schnappt sich den Ball. "Sie hat Freude an der Bewegung und es tut ihr einfach gut, mit so vielen verschiedenen Kindern zu spielen", erzählt Fischer. "Jeder wird so genommen, wie er ist, und das ist was ganz Tolles."

In diesem Moment geht Julius zu Boden, "Nix passiert", ruft Andi Alt. "Aufstehen, Hand geben, weiter geht's!" Er weiß mit den Befindlichkeiten seiner Schützlinge umzugehen und hält sie auf Kurs. Berührungsängste gibt es weder auf der Seite der "Athleten" noch bei den "Unified Partners". Der Ball knallt ins Tor und bleibt hängen.

Begeisterte Fußballer gesucht

"Ich finde das Schießen toll", erklärt Sontje (9). Sie hat das Downsyndrom und ist seit letztem Jahr dabei. "Wer mitmachen will, kann sich bei der SpVgg Etzelskirchen melden", sagt Maria Alt, "Wir nehmen noch alle Kinder auf.