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Der seltenste Orden des Freistaats geht drei Mal nach Mittelfranken


Autor: Redaktion

Herzogenaurach, Dienstag, 04. Februar 2020

Retta Müller-Schimmel, Gerswid Herrmann und Dinah Radtke bekommen die Verfassungsmedaille.
Ihr Lebensmotto hat Retta Müller-Schimmel an ihrem Fahrradkorb befestigt.    Foto: Bernhard Panzer (Archiv)


Der Bayerische Landtag zeichnet heuer 43 Persönlichkeiten mit der Bayerischen Verfassungsmedaille aus. Vier Mal wird die hohe Würdigung in Gold verliehen und 39 Mal in Silber. Der Bayerische Landtag ehrt mit der Verfassungsmedaille Bürger, die sich aktiv für die Werte der Bayerischen Verfassung engagieren. Wie die Pressestelle des Landtags mitteilt, kommen drei der neuen Ordensträgerinnen aus Mittelfranken: Retta Müller-Schimmel aus Herzogenaurach sowie Gerswid Herrmann und Dinah Radtke aus Erlangen werden mit der Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird die Auszeichnung am Freitag, 7. Februar, um 11 Uhr im Senatssaal des Maximilianeums aushändigen. Mit den neuen Ordensträgern haben seit 1961 insgesamt 359 Personen die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold erhalten, die Verfassungsmedaille in Silber wurde dann 1198 Mal vergeben. Die Verfassungsmedaille ist damit der am seltensten vergebene Orden des Freistaats. Die Festansprache hält in diesem Jahr Kardinal Reinhard Marx - selbst Träger der Verfassungsmedaille in Gold - zum Thema "Die Bayerische Verfassung - Orientierung für die Zukunft unseres Landes".

Zur Würdigung der Medaillenträger schreibt die Pressestelle des Landtags Folgendes:

"Retta Müller-Schimmel ist Gründungsmitglied des Herzogenauracher Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen und engagiert sich seit 1987 parteipolitisch. Seit 1991 ist sie Mitglied im Kreistag Erlangen-Höchstadt. Seither hat sie sich mit zahlreichen Initiativen für das Wohl der Gemeinschaft eingebracht. Retta Müller-Schimmel initiierte einen behindertengerechten Eingang in das Landratsamt sowie die Schaffung der Position eines Gleichstellungsbeauftragten. Im Jahr 1994 gründete sie eine Ökofestinitiative. Aus dieser zunächst losen Vereinigung entstand 1997 ein Verein. Seither findet jährlich eine alternative Messe in den Weihersbachanlagen statt. Ebenfalls seit 1997 wird auf ihre Initiative hin der Internationale Frauentag auch in Herzogenaurach regelmäßig begangen. Die Einrichtung eines Seniorenbeirats geht ebenfalls auf ihren Vorschlag zurück.

Seit 2014 ist sie Mitglied im Stadtrat und war darüber hinaus auch drei Perioden lang als Schöffin am Landgericht Nürnberg tätig. Retta Müller-Schimmel gebührt für ihr jahrelanges Engagement hohe Anerkennung. Mit ihrem Einsatz für alle Bevölkerungsgruppen gestaltet sie das Leben und die Stadt Herzogenaurach bedeutend mit.

Gerswid Herrmann engagiert sich in beeindruckender Weise für das Allgemeinwohl und kümmert sich mit großem persönlichen Einsatz um kranke Kinder, die besonderer Unterstützung bedürfen. Die studierte Juristin ist seit 2001 Vorsitzende des Freundeskreises der Kinder- und Jugendklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in dem sie mit Tatkraft und innovativen Ideen zahlreiche positive Impulse setzen konnte.

Der Freundeskreis wurde 1982 gegründet und möchte unter anderem durch Spenden die Situation kranker Kinder verbessern, indem zum Beispiel sozial benachteiligten Familien der Aufenthalt in der Klinik ermöglicht wird. Zu den Zielen des Vereins zählt auch die Verbesserung der Nachsorge von Früh- und kranken Neugeborenen sowie die finanzielle Unterstützung zum Ausbau der Knochenmarktransplantation. Gerswid Herrmann ist es zu verdanken, dass ein ambulantes Kinderpalliativteam aufgebaut werden konnte. Auf ihre Initiative hin wurde auch die Förderung von Forschungsprojekten in die Satzung des Freundeskreises aufgenommen. Durch ihr unermüdliches Engagement trägt Gerswid Herrmann maßgeblich dazu bei, dass kranken Kindern die Fürsorge zuteil wird, die sie brauchen.

International aktiv

Dinah Radtke wurde in Bamberg geboren und machte eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Übersetzerin für die englische und französische Sprache. Aufgrund einer Erkrankung, die sie an den Rollstuhl bindet, begann sie sich 1976 für die Rechte und Bedürfnisse behinderter Menschen einzusetzen. Die erste studentische Behinderteninitiative gründete sie 1977, aus der 1987 das "Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter (ZSL)" entstand. 1997 übernahm sie im Verein die Bereichsleitung. Außerdem ist sie Mitbegründerin der bundesweiten Dachorganisation "Selbstbestimmt Leben". Auch den bundesweiten Dachverband der behinderten Frauen "Weibernetz" hat die Übersetzerin 1998 mitbegründet. International hat sie verschiedene Funktionen bei "Disabled Peoples International", der Weltorganisation der Menschen mit Behinderung ausgeübt. So war sie beispielsweise Initiatorin der europäischen Konferenzen behinderter Frauen. Auch beteiligte sie sich aktiv an den Verhandlungen der Uno zur Schaffung der Konvention für die Rechte und die Würde behinderter Menschen in New York. Ihr Engagement für Menschen mit Behinderung verdient höchste Anerkennung.