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Schaeffler baut Stellen in Ingolstadt ab - "Einschnitte sind hart"


Autor: Ralf Welz

Herzogenaurach, Mittwoch, 28. Januar 2026

Der fränkische Zulieferer Schaeffler plant an einem bayerischen Standort einen umfassenden Stellenabbau. Der Betriebsrat sieht trotz der einschneidenden Maßnahme Potenzial für eine Neuausrichtung.
Firmensitz der Schaeffler AG in Herzogenaurach (Archivbild). Dem Standort Ingolstadt steht eine Neuausrichtung bevor.


Die Schaeffler Technologies AG & Co. KG hat auf der ersten Betriebsversammlung des Jahres in Ingolstadt weitreichende strukturelle Veränderungen für den oberbayerischen Standort angekündigt. Dies geht aus einer am Dienstag (27. Januar 2026) veröffentlichten Pressemitteilung der örtlichen IG Metall hervor. Als Grund für die Maßnahmen des Automobilzulieferes mit Hauptsitz im mittelfränkischen Herzogenaurach nennt die Gewerkschaft anhaltende wirtschaftliche Herausforderungen. Hinzu kommt demnach der Wegfall eines Produkts, das künftig nicht mehr wirtschaftlich in Ingolstadt gefertigt werden kann.

"Der Standort fertigt derzeit ausschließlich Komponenten für Verbrennungsmotoren und ist damit besonders vom technologischen Wandel betroffen", heißt es in der Mitteilung. Laut Schilderung der IG Metall verständigten sich Arbeitgeber und Betriebsrat nach wochenlangen Verhandlungen auf ein gemeinsames Standortkonzept. Die getroffenen Beschlüsse beinhalten zugleich einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen am Standort. Konzernweit forciert Schaeffler derweil die Nutzung humanoider Roboter.

Schaeffler-Standort Ingolstadt wird bis 2027 weiter verschlankt - mehr als 70 Stellen fallen weg

Das neue Konzept sieht vor, den Schaeffler-Standort Ingolstadt kurzfristig zu stabilisieren und langfristig Perspektiven für eine Weiterentwicklung aufzuzeigen. Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist ein entsprechendes Programm zur Personaleinsparung. "Bis Ende des ersten Quartals 2027 sollen 74 Stellen über ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungsregelungen sowie Altersteilzeit sozialverträglich abgebaut werden", berichtet die Gewerkschaft.

Die bestehende Betriebsvereinbarung "Standortkonzept" sei derweil bis zum 31. Dezember 2029 verlängert worden. Damit soll für die verbleibenden Beschäftigten zusätzliche Sicherheit geschaffen werden. Nach Abschluss der Maßnahmen wird die Belegschaft am Standort Ingolstadt laut Mitteilung noch rund 250 Beschäftigte zählen. Dies entspreche einer Verringerung der Mitarbeiterzahl um etwa 50 Prozent seit dem Jahr 2020.

Der Betriebsrat betonte, dass trotz des folgenschweren Schritts auch Potenzial für die Zukunft bestehe. "Die Einschnitte sind hart und tun weh", wird der Betriebsratsvorsitzende Robert Lauffer zitiert. "Gleichzeitig ergeben sich aus der Neuaufstellung auch mittelfristig neue Perspektiven für den Standort. Diese wollen wir jetzt gemeinsam mit dem Arbeitgeber ausloten und aktiv gestalten."

"Kämpfen seit mehr als zehn Jahren für die Arbeitsplätze": IG Metall nimmt Schaeffler in die Pflicht

Zusammen mit der Gewerkschaft will der Betriebsrat die Entwicklung eng begleiten und sich für zukunftsfähige Lösungen in Ingolstadt einsetzen. IG-Metall-Vertreter Gerhard Stelzer stellte klar, dass die Stellensicherung weiterhin oberste Priorität habe. "Wir kämpfen seit mehr als zehn Jahren für die Arbeitsplätze in Ingolstadt - und daran wird sich auch nichts ändern." 

Der Gewerkschaftsfunktionär sieht die Verantwortung beim Unternehmen, den Standort mit wettbewerbsfähigen Produkten auszulasten. "Die Beschäftigten haben über viele Jahre Sicherungsbeiträge geleistet. Jetzt muss der Arbeitgeber liefern", erklärt Stelzer mit Blick auf die Verantwortlichen des fränkischen Automobilzulieferes Schaeffler. 

Der Automobilzulieferer Valeo plant in Franken indessen weitreichende Einsparungen: Mehr als 600 Arbeitsplätze sollen entfallen - ein Standort wird geschlossen.

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