Der Güterbahnhof als "Band der Wissenschaft, Technik und Design" mit dem ehemaligen Schlachthof als dem nördlichen Brückenkopf: So sieht es die Rahmenplanung der Stadt vor, und nun hat das ip.co-Institut für integriertes Produktdesign der Hochschule Coburg einen Vorschlag vorgelegt, was denn in diesem "Brückenkopf" passieren könnte.

Der Ort war passend gewählt: die ehemalige Pakethalle des Güterbahnhofs, die als Relikt erhalten bleiben und künftig eine Art zentralen Platz prägen soll, wo es gastronomische Angebote und Veranstaltungen gibt. Der Zeitpunkt hingegen war unglücklich - wenn die Schützen zum "Abend der Vereine" aufs Vogelschießen laden und der HSC den THW Kiel zu Gast hat, braucht niemand damit zu rechnen, dass an einem lauen Sommerabend auch noch die Pakethalle voll wird. Außerdem fehlte dem Abend buchstäblich die Strahlkraft der "Designtage" an gleicher Stelle - außer ein paar flackernden LED-Lichtern auf Stelen und dem Dämmerlicht, das durch die Oberlichter fiel, lieferte nur der Beamer Erhellung, der die Präsentationen an die Wand projizierte. Und selbst der machte irgendwann schlapp.

Die "Macher-Bewegung"

Die Idee für die Zukunft des Schlachthofs muss also für sich alleine sprechen: "Making Culture" lautet der Titel, das "Maker" (Macher) steht für eine Bewegung, die weltweit vernetzt an Boden gewinnt. Gemeint ist das Selber-Machen, Selber-Entwickeln von Dingen, nicht als Bastelei, sondern mit Hilfe moderner Technik wie 3-D-Druckern und Lasercuttern. Auch wenn diese Bewegung weltweit vernetzt aktiv sei, brauche sie doch Orte, wo aus den Ideen Dinge werden, sagte Diplom-Designerin Pelin Celik, eine der zwei Personen hinter ip.co.

Experimentierkultur

Das ip.co erforscht, wie sich Methoden des Designens auf Aufgabenstellungen übertragen lassen, die erst mal mit Produktdesign wenig zu tun haben. Da geht es um soziale Fragestellungen, zum Beispiel, wie eine Stadt gestaltet sein muss, damit sich Senioren dort wohl und nicht ausgegrenzt fühlen. Eine Frage, die sich angesichts des demografischen Wandels viele Stadtplaner und Kommunalpolitiker stellen. Die - für die Studenten überraschende - Antwort: Auch Senioren wünschen sich, dass was los ist in der Stadt, dass sie abends belebt ist. Barrierefreiheit wird zumindest nicht an vorderster Stelle genannt.

Ein weiteres Projekt des ip.co war die Frage, wie sich alte Handwerkstechniken, die in Oberfranken Tradition haben, für die Moderne bewahren lassen. Damit hatte Pelin Celik zwei mögliche Eckpfeiler für die künftige Kulturwerkstatt genannt. Nummer Drei wäre der Bedarf und der Nutzen der einheimischen Industrie: Gerade weil in einem solchen Kreativlabor alles ausprobiert werden kann, ohne dass ein Scheitern als Misserfolg betrachtet wird, könne dort Neues entwickelt werden, betonte Unternehmensberater Hans Günter Boldt, einer der Redner des Abends.

Stadtmuseum als Anker

Pfeiler Nummer Vier wurde am Montagabend nur am Rande erwähnt: Ein Stadtmuseum, das die Brücke in die Coburger Vergangenheit schlägt, Traditionen und Entwicklungslinien sichtbar macht. Dieser Pfeiler ist in einer Broschüre zu finden, die das ip.co zusammen mit der Initiative Stadtmuseum aufgelegt hat.

"Vielleicht ist der Funke übergesprungen, und wir können gemeinsam was machen", warb Pelin Celik am Ende ihres Vortrags, den freilich hauptsächlich Studierende und Vertreter der Hochschule gehört hatten. Außerdem waren Dozenten und Professoren von Partnerhochschulen in Aarhus (Dänemark) und Graz (Österreich) zu Gast, die sich mit ähnlichen Projekten befassen wie das ip.co. Der Abend - deshalb auch der Termin - diente als Auftakt für ein zweitägiges Symposium.

Um in Coburg für einen Ort namens "Making Culture" zu werben, braucht es etwas mehr. Das Projekt sei im Vorfeld schon einigen Firmen vorgestellt worden, sagte Pelin Celik. Die Resonanz sei gut. "Die Chance, dass es verwirklicht wird, liegt für mich bei 70 Prozent." Unklar blieb, welchen Anteil die Stadt dazu leisten soll. Ihr gehört das Güterbahnhofsgelände und der Schlachthof, sie setzt aber bei der Entwicklung des Areals auf private Investoren.