Es geht schlichtweg um die Zukunft des Fußballs in Rödental. Und damit diese trotz schwieriger Prognosen rosig wird, zerbrechen sich schon lange Zeit viele Funktionäre die Köpfe. Zusammenarbeit genießt dabei oberste Priorität.
Regelmäßig treffen sich Verantwortliche der sieben Oeslauer Fußballclubs. Erst am Mittwochabend saßen sie wieder in harmonischer Runde in der SG-Hütte zusammen. Auf Einladung von Thomas Gehrlicher, dem Vorsitzenden der SG Rödental, wurde munter diskutiert. Es seien lösungsorientierte Gespräche gewesen. Gemeinsames Handeln werde angestrebt.
Selbst Bürgermeister Marco Steiner war dabei - schließlich liegt auch dem Stadtoberhaupt der Nachwuchsfußball, am Herzen.
Gerade jetzt, wo doch auf dem SG-Gelände ein schmucker Kunstrasenplatz entsteht.


Der Traum vom NLZ

Es ist sogar von einem möglichen DFB-Stützpunkt die Rede, manche träumen von einem (un)realistischen Nachwuchsleistungszentrum. Einig sind sich die Nachwuchsförderer vor allem in einem wesentlichen Punkt: "Wir wollen die vorhandenen Kräfte bündeln und von der A- bis durchgehend zur G-Jugend eine große Gemeinschaft schaffen".
Dietrich Schulz, der Ehrenvorsitzende der SG Rödental, hat klare Vorstellungen. Er und sein Mitstreiter Gehrlicher forciert und favorisieren schon seit Jahren eine große Lösung. Aber ausgerechnet jetzt, wo sie ihrem Ziel immer näher zu kommen scheinen, gibt es ein nicht zu unterschätzendes, internes Problem in der Jugend-Förder-Gemeinschaft (JFG).


"Kleine Massen-Kündigung"

Es geht um eine "kleine Massen-Kündigung der Mitgliedschaft", wie Schulz dem Tageblatt auf Anfrage bestätigt. Ein Dutzend gleich lautenden Kündigungen sind beim Vorstand der SG Rödental eingegangen und sorgen seit dem für viel Gesprächsstoff in Rödentaler Fußballkreisen. Spätestens seit dem Schulz den Fall über die vereinseigene Homepage öffentlich gemacht.
Es geht um Folgendes: "Hiermit kündige ich die Mitgliedschaft meines Sohnes fristgerecht, hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Sofern eine Einzugsermächtigung vorliegt, widerrufe ich diese hiermit. Jegliche Form der Kontaktaufnahme zum Zweck der Rückwerbung ist nicht erwünscht."
Die Textvorlage wurde nach Informationen von Dietrich Schulz durch einen Jugendtrainer, der sich ebenfalls abgemeldet habe, an die Eltern der jungen Spieler verteilt. Kurios sei, so der SG-Ehrenvorsitzende, dass der Trainer inzwischen beteuere, dass der Verlust eines gesamten Spielerjahrganges mit dem Verhalten der Fußballabteilung und der Vereinsführung der SG Rödental gar nichts zu tun hätte.


"Maximalschädigung des Rufes"

Das Vorgehen stelle nach Überzeugung von Schulz eine "Maximalschädigung des guten Rufes der SG für die Kinder- und Jugendarbeit" dar. Dass dem Trainer und den Eltern durch den Vorstand eines anderen Rödentaler Fußballvereins die Aufnahme der Aktiven und die Einleitung der Spielberechtigungen in dessen Verein zugesichert wurden, sei besonders ärgerlich.


Gründe für den Wechsel

Leidtragende sei die JFG Rödental-Coburger Land, denn dorthin hätten die jungen Aktiven in der nächsten Saison aus Altersgründen wechseln sollen. Von den Betroffenen werde befürchtet, dass der Jahrgang 2006 in der JFG zerteilt wird und unter einen bestimmten Trainer zu hoher, leistungsorientierter Fußball gefordert werde.
Deshalb sei man auf die "glorreiche Idee" gekommen, so Schulz weiter, das Unternehmen "Vereinswechsel" zu starten. Auch bereits seit drei Jahren bestehende Querelen der Eltern mit dem Nachbarverein TSV Mönchröden würden hier eine entscheidende Rolle spielen. Die Eltern und Trainer haben nach Überzeugung von Schulz den Kindern nicht nur den Eintritt in die JFG verweigert, sondern sich durch ihr Verhalten auch für eine weitere Mitwirkung an der strukturellen Gestaltung des Rödentaler Fußballs "nicht gerade qualifiziert".
Dem Ehrenvorsitzenden der SG wurmt, dass die Aktion des Trainers und eines großen Teils der E-Junioren-Eltern zur Folge hat, dass die jungen Fußballer aus dem laufenden Spielbetrieb ausscheiden mussten und bis zum Start der erst im neuen Jahr beginnenden zweiten Spielserie nur noch Freundschaftsspiele austragen können.Damit aber nicht genug: Die SG Rödental wird für diese Aktion durch den Fußballverband mit einer Strafe belegt, der Jugendfußball-Abteilungsleiter der SG ist von seinem Amt zurückgetreten und bei der DJK/TSV Rödental würde es nach Mitteilung von Schulz wegen der Eigenmächtigkeiten des Vorstands und der Art und Weise des Auftretens mittlerweile "heftig qualmen". Außerdem gebe es im Funktionärs- und Trainerteam der JFG heftige Bedenken wegen der künftigen Betreuung der D- bis A- Junioren.
Kritik übt Schulz aber auch am Verhalten der Verantwortlichen der DJK/TSV Rödental, die einer der Stammvereine der JFG ist: "Der Vorstand muss sich schon fragen lassen, wie er seine Zusagen mit seiner Mitgliedschaft als Stammverein in der JFG vereinbaren kann. Es sieht ganz so aus, als würde er "seiner JFG" durch die Meldung eines eigenen D-Juniorenteams einen Knüppel zwischen die Beine werfen wollen. Und wie möchte er denn die 2017 fällige JFG-Umlage gegenüber seinen Mitgliedern begründen?
Wolfgang Engeter, Geschäftsführer und Manager der DJK/TSV Rödental, ist sich in diesem Zusammenhang allerdings keiner Schuld bewusst "Das ist alles ohne unser Zutun passiert. Wir haben davon Kenntnis erhalten, als die Sache im Prinzip schon durch war." Engeter bringt es aus seiner Sicht so auf den Punkt: "Sollen wir jetzt sagen, wir nehmen Euch nicht...?"


Engeter: "Gute Arbeit, aber..."

Der DJK/TSV-Geschäftsführer macht niemanden einen Vorwurf. Es werde von allen Beteiligten in der JFG seit Jahren gut gearbeitet, trotzdem gebe es aber gravierende Probleme. Und diese führten dazu, dass sich sein Verein per Vorstandsbeschluss entschied, die JFG fristgerecht zum 31. Juli 2017 zu verlassen.
"Wir bekommen aus den eigenen Reihen enormen Druck und müssen uns zu Recht fragen lassen, was die JFG unseren Verein in den letzten sechs Jahren eigentlich gebracht hat. Die ersten vier Jahre mit unseren starken Jahrgängen waren akzeptabel", sagt der Manager. Nahezu 15000 Euro habe man in die JFG investiert: "Herausgekommen ist dabei für uns nichts und das obwohl man zu Beginn rund 50 Kinder eingebracht habe. Aktuell sind es immerhin noch 17 Jugendliche, die vom Stammverein DJK/TSV kommen. Allerdings würden die 18- und 19-Jährigen am Ende überall hin wechseln, nur nicht zur DJK: "Die gehen nach Mitwitz, Meeder oder Fürth am Berg. Aber nicht nach Waldsachsen", macht Engeter seinem Ärger Luft.


15 000 Euro für was?

Die Tatsache, dass im letzten Saisonspiel der A-Junioren zwischen Rödental und Coburg rund 320 Zuschauer die Partie verfolgt hätten und darunter 25 Trainer mit ihren Notizblöcken am Spielfeld gestanden haben, um anschließend die Rödentaler Talente abzuwerben, regt den Funktionär besonders auf.
Er und seine Vereinskollegen hätten seit vielen Jahren große Hoffnungen in die Arbeit der JFG gehabt, doch diese seien eben nicht erfüllt worden. Deshalb kommt es im nächsten Jahr aus Sicht Engeter zur Trennung.


Kommt es zur Trennung 2017?

Unklar ist derzeit, ob tatsächlich alle DJKler so denken. Wie das Tageblatt nämlich erfuhr, soll es inzwischen Überlegungen geben, dass dieser nicht ganz unumstrittene Vorstandsbeschluss noch einmal überdacht und im Sinne der weiteren, gemeinsamen Zusammenarbeit eventuell gekippt wird. Anzeichen dafür soll es bereits in der jüngsten Sitzung am Mittwoch in der SG-Hütte gegeben haben.