Zertifikate nach vermeintlichem Johnson-Booster falsch: Das rät der Experte
Autor: Sandra Hackenberg
Coburg, Mittwoch, 12. Januar 2022
Wer sich zuerst mit Johnson & Johnson und anschließend mit einem mRNA-Vakazin hat impfen lassen, bei dem zeigt das Zertifikat möglicherweise einen nicht vorhandenen Schutz an.
Bettina H. (Name geändert) hat sich Mitte Dezember 2021 ihren Impf-Booster geholt. Dachte sie zumindest. Die Coburgerin hatte sich beim ersten Impftermin für Johnson & Johnson entschieden. Einmal gepikst, ist die Impfung erledigt, dachte sie damals. Doch so war es nicht.
Nachdem sie sich zum zweiten Termin im Dezember ihre Dosis Moderna abgeholt hat, ging Bettina H. davon aus, geboostert zu sein. Dann die Überraschung: "Mein Sohn wurde ein paar Tage später geimpft, auch er hatte zuerst Johnson & Johnson." Doch bei ihm zeigt das Impfzertifikat in der Handy-App 2 von 2 an, was bedeutet: Der Heranwachsende ist nicht geboostert. Seine Mutter laut App allerdings schon: Dort zeigt das Impfzertifikat 3 von 3 an.
Zweimal das gleiche Vakazin, fast zeitgleiche Impftermine, aber ein unterschiedlicher Impfstatus. Wie kann das sein? Bettina H. hat nachgefragt: "Ich habe inzwischen vom Impfzentrum erfahren, dass dies wohl ein Fehler war." Inzwischen ist klar: Wer sich im vergangenen Jahr mit Johnson & Johnson hat impfen lassen und inzwischen ein weiteres Mal geimpft wurde, gilt nicht als geboostert.
Obwohl diese Regel in Bayern bereits seit mehreren Wochen gilt - sie in der 15.
Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 14. Dezember -, wussten viele Geimpfte nichts davon - auch nicht alle Ärzte, die gegen das Corona-Virus impfen? "Das war zum Zeitpunkt meiner Impfung dann wohl in Coburg noch nicht bekannt", meint Bettina H.. Geändert wurde das fehlerhafte Zertifikat in ihrem Fall nicht. Allerdings hat das Landratsamt Coburg in der vergangenen Woche, nachdem wir über den Booster-Sonderfall mit Janssen berichtet haben, seine Homepage um einem entsprechenden Hinweis ergänzt.
Doch was bedeuten die irreführenden Impfzertifikate für die Betroffenen? Alleine im Kreis Coburg könnten derzeit hunderte Bürger betroffen sein. Hätte Bayern in diesen Tagen, wie andere Bundesländer, die 2-G-Plus-Regel in der Gastronomie eingeführt, wäre es spätestens dann an den Eingängen der Restaurants zu verdutzten Fragen wie "Wir haben das Gleiche geimpft bekommen. Warum brauche ich einen Test und du nicht?" gekommen.
"Es herrscht ein vollkommenes Durcheinander", bestätigt der Coburger Pressesprecher des Bayerischen Apothekerverbandes, Hans-Joachim Schreeck. Das liege zum Einen an den sich ändernden Empfehlungen der Stiko. Prinzipiell rät der Experte allen Geimpften: "Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich dreimal impfen lassen."