Wo am nötigsten - WC am Goldbergsee in Coburg
Autor: Christoph Winter
Coburg, Mittwoch, 05. Dezember 2018
Am Goldbergsee sind nun mobile Toiletten im Gespräch. Denn Kosten für etwas Massives von bis zu 160 000 Euro sind den Coburger Räten zu hoch.
Am Goldbergsee könnte es eine öffentliche Toilette geben. Anstelle einer massiv gebauten Bedürfnisanstalt jedoch sollen nun auch flexible WCs in Erwägung gezogen werden. Wann durch den einstimmigen Beschluss des Bau- und Umweltsenats am Mittwoch Besucher des Goldbergsees nicht mehr den Zwang haben, sich in die Büsche schlagen zu müssen, hängt von den kommenden Haushaltsberatungen der Stadt ab. In der Vergangenheit ging man von einer öffentlichen Toilette in einem Seecafé aus. Aber Gastronomie dort lässt auf sich warten.
Im Mai hatte die Fraktion der Grünen beantragt, beim Parkplatz des Goldbergsees ein öffentliches WC zu bauen. Der Hochwasser-Rückhaltestausee habe sich zu einem beliebten Freizeit- und Naherholungsgebiet entwickelt, daher sei eine Toilette unabdingbar. Besonders im Sommer sei dieser Mangel in den ufernahen Gebüschen sicht- und riechbar. Dass grundsätzlich eine öffentliche Toilette dort durchaus abendländischen Standards entsprechen sollte, war unstrittig, auch schon in einer vorangegangenen Sitzung des Bau- und Umweltsenats. Baukosten zwischen 140 000 und 160 000 Euro sowie weitere rund 11 000 Euro jedes Jahr für Reinigung und Wartung waren für die Mehrheit zu hoch. Zuschüsse konnte die Bauverwaltung für das Vorhaben nicht verwirklichen.
"Augenblicklich geht das aus finanziellen Gründen nicht", begründete Peter Kammerscheid (Pro Coburg) seine Ablehnung. Die großen finanziellen Herausforderungen für die Stadt angesichts der Theatersanierung und des Globe-Theaters ließen das nicht zu, so die Meinung von CSU-Stadtrat Max Beyersdorf. "Aber am Goldbergsee sind viele Menschen und ohne eine Toilette ist es mittelalterlich." Um eine vielleicht jahrelange Diskussion zu vermeiden, sprach er sich für eine kostengünstige Lösung aus. Partei- und Fraktionskollege Jürgen Oehm votierte ebenfalls für eine "gediegene funktionale Lösung", der jetzige Zustand sei "unverantwortlich".
Diskussion um Standort
Stadträtin Barbara Kammerscheid (SBC) wiederum hielt den Standort am Parkplatz für verfehlt. Die meisten Besucher hielten sich erfahrungsgemäß am Ufer gegenüber auf. Dort müsse man kostengünstig müssen können. An den gültigen Bebauungsplan mit einem Standort für Gastronomie und damit WC erinnerte Hans-Heinrich Ulmann (CSB). "Das sind doch Luxusprobleme! Dann stellen wir im Sommer eben ein Dixie hin", echauffierte er sich. Genauso pragmatisch und engagiert warf sich SPD-Stadtrat Andreas Gehring in die Diskussion: "Was für jeden Bauarbeiter möglich und auf jeder Baustelle bewährt ist, geht auch für jeden Jogger." So sei günstig ein Häuschen für "Männlein und Weiblein" aufzustellen. Partei-solidarisch zeigte sich Stadtrat Dominik Sauerteig, ein WC sei nötig, am besten auf der Uferseite gegenüber der Straße nach Bad Rodach und kostengünstig.
Neben einer massiven Lösung werde die Verwaltung nun den Aufwand für flexible Toiletten ermitteln, damit darüber bei den Haushaltsplanberatungen entschieden werden könne, sagte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). Damit zeigte sich Grünen-Stadtrat Wolf-Rüdiger Benzel als Antragsteller einverstanden.
Die Optik der blauen Plastikhäuschen könne mit geringem Aufwand aufgehübscht werden, brach Weber eine Lanze für eine ästhetisch einwandfreie Sanitärhygiene.
Sanierung: Melanchthonstraße wird robuster gebaut
54 Jahre nach ihrem Bau wird die holprige und löcherige Melanchthonstraße nun saniert. Im März oder April nächsten Jahres beginnen die Bauarbeiten. Der Bau- und Umweltsenat sprach sich am Mittwoch einstimmig dafür aus, die 1964 gebaute Straße zwischen dem Kanonenweg und der Lutherstraße auf einer Länge von etwa 175 Metern auf Vordermann zu bringen. Die Kosten für den Vollausbau hat der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) mit 455 000 Euro berechnet.