Wie barrierefrei ist Coburg?
Autor: Christoph Winter
Coburg, Mittwoch, 05. Oktober 2016
Wie Coburger Geschäftsleute versuchen, auch mobilitätseingeschränken Kunden entgegenzukommen.
Wie barrierefrei ist die Coburger Innenstadt? Die Theorie darüber im Unterricht haben die Schüler von zwei Jahrgängen der Fachschule für Heilerziehungspflege der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste praktisch im Coburger Handel angewandt. Lehrerin Stephanie Kohrhammer hatte zusammen mit den Schülern Fragebögen zur Barrierefreiheit entwickelt. "Aber Barrierefreiheit beginnt im Kopf und ist nicht nur eine Rollstuhlrampe neben den Treppenstufen zum Eingang", erläutert die diplomierte Sozialwissenschaftlerin. "Es müssen die Menschen mit einbezogen werden, um zu helfen." Schließlich sind es nicht nur Stufen und Kanten, fehlende Aufzüge oder enge und steile Treppenhäuser, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen im täglichen Leben behindern, sondern auch Lernschwächen, Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen oder auch Schwächen in der Kreativität und Planung können
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schier unüberwindbare Hindernisse sein.
Die Offene Behindertenarbeit Oberfranken (OBO) der Diakonie Coburg vermittelte den Schülern Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen als "Experten in eigener Sache", berichtete Thomas Calmonte von der OBO. Citymanager Jörg Hormann öffnete Türen beim Einzelhandel. "Zehn Firmen und Geschäfte haben sich sehr schnell bereit erklärt, bei dem dem Projekt mitzumachen."
Nach den Worten des Citymanagers ist die Sensibilisierung für die Belange von behinderten Menschen ein Thema. "Oft haben die Händler oder das Personal Angst, etwas falsch zu machen." Dabei sind es mitunter Kleinigkeiten, die Menschen mit Beeinträchtigungen den Alltag erleichtern, ohne dass ein Betreuer zur Stelle sein muss.
Rollstuhlfahrer Richard Franz weiß, wie wichtig ein aufmerksames Verkaufspersonal ist: "Der Kontakt ist wichtig, dass die Tür aufgehalten wird oder auch nur ein Glas Wasser." Besonders in einer historischen Stadt wie Coburg könne nicht alles nach der entsprechenden Baunorm gestaltet sein. "Aber es ist auch schon vieles getan worden, das Bewusstsein hat sich schon geändert."
Eines der guten Beispiele ist die Handarbeitsstube von Sabine Keller im Unteren Bürglaß. In die "Lichtstube" führt keine breite automatische Eingangstür, sondern eine Schwingtür von normaler Breite. Gerade so passt der Elektro-Rollstuhl von Richard Franz hindurch, trotzdem gelangt er ohne Probleme an die Regale mit den Garnen und der Wolle. Sabine Keller öffnet Menschen im Rollstuhl oder mit Rollatoren die Türe. Ebenso kommt sie für Mütter mit Kinderwagen hinter dem Ladentisch hervor. Barrieren verschwinden auch mit kleinen Gesten und Handreichungen. Ergebnisse des Innenstadttests sowie der ausgewerteten Fragebögen will Citymanager Jörg Hormann in der nächsten Zeit vorstellen.