Blumen auf den Fens terbänken und dem Schreibtisch, mehr Bilder an der Wand - es ist unübersehbar, dass im Chefbüro des Baureferates jetzt eine Frau sitzt. Das sind aber nur Äußerlichkeiten. Ansonsten arbeite sie auch nicht anders als ein männliches Pendant an dieser Stelle, sagt Birgit Weber, seit dem 5. Mai Zweite Bürgermeisterin (CSU). "Ich bin hier die Leiterin und fertige selbst keine Bauzeichnungen an oder messe den Wasserdurchfluss bei den Kanälen. Dafür habe ich Experten", ergänzt sie. Theoretische Kenntnisse hat sie zudem bei einem Seminar zur bayerischen Gemeinde-Bau-Ordnung erworben. Freilich, schwierige Bauanträge etwa müssten besprochen werden.
"Da verlasse ich mich aber auch auf die Amtsleiter und Fachleute."

Bereits in ihrer ersten Woche im Ämtergebäude hat Birgit Weber alle Referate der Stadtverwaltung besucht, war Gast beim "Tag der offenen Tür" im Grünflächenamt, hat sich beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) vorgestellt, sich die Bauschuttdeponie, den Wertstoffhof und das Klärwerk angesehen. Sie hat mit dem Geschäftsführer des Tourismus Coburg, Michael Amthor, und der Chefin des Kongresshauses, Karin Schlecht, geredet.

Mit Oberbürgermeister Norbert Tessmer und dem Dritten Bürgermeister Thomas Nowak (beide SPD) gebe es eine gute Zusammenarbeit. "Momentan fehlt es uns aber etwas die Zeit, uns regelmäßig auszutauschen", gesteht Birgit Weber ein. Alle drei Amtsinhaber müssten sich neuen Aufgaben stellen - das brauche Zeit. "Wir nutzen aber gern gemeinsame Termine zu kurzen Gesprächen."


Am Anfang stand der Bausenat

Wenn die Bürgermeisterin an ihren ersten Tag im Amt zurückdenkt, muss sie lächeln. Als sie um 8 Uhr ankam, habe ihr Hans-Heinrich Ulmann (CSB), ihr Vorgänger im Amt, die Sekretärin vorgestellt. "Sie bleibt auch meine Sekretärin. Das ist gut, da kann ich auf Bewährtes zurückgreifen." Zu den ersten Aufgaben gehörte die Vorbereitung einer Sitzung des Bau- und Umweltsenats. Hilfreich, dass sie einen guten Draht zu Hans-Heinrich Ulmann habe, sagt Birgit Weber. "Er kommt ab und an vorbei und wir sprechen uns auch ab. Außerdem sitzt er ja noch im Bau- und Umweltsenat und hat mir zwölf Jahre Wissen voraus."

Als sie nach ihrem ersten Arbeitstag im Amt nach Hause ge kommen sei, habe sie gedacht: "Jetzt haste mal den ganzen Tag gewirbelt." Aber sie arbeite gern, stellt Birgit Weber fest. Und was sie jetzt tue, unterscheide sich nicht wesentlich von ihrer früheren Tätigkeit als Ärztin. Auch da habe ihr Arbeitstag oft mehr als acht Stunden gehabt und sei in ihren vier Wänden noch nicht beendet gewesen. Ihr eigenes Zimmer nutze sie noch immer am Abend. "Dort arbeite ich an Konzepten und Reden, wozu ich im Büro nicht so die Ruhe habe."

Und was war in den ersten 100 Tagen als Zweite Bürgermeisterin das Erfreulichste? "Dass wir ein Büro für die Planung des Güterbahnhofsgeländes gefunden haben", sagt Birgit Weber ohne zu zögern. Denn was sich um Schlachthof und ehemaligen Güterbahnhof in den nächsten Jahren entwickeln soll, gehöre zu ihren Kernaufgaben.

Im Rahmen der Neuorganisation der Stadtverwaltung ist die Zweite Bürgermeisterin auch für den Tourismus zuständig. In diesem Zusammenhang liege ihr die Neugestaltung des Freiherr-von-Stockmar-Platzes in der Webergasse am Herzen. Als Anwohner und Eigentümer des Stockmar-Hauses hatte Wolfram la Dous angeregt, sich mit diesem wenig attraktiven Platz zu beschäftigen.

Darüber hinaus unterstütze sie die Bewerbung Coburgs um den Titel "Unesco-Weltkulturerbe". Damit könne man auch Besucher in die Stadt locken.

Im Wahlkampf waren sie immer wieder Thema: Parkmöglichkeiten am Hauptbahnhof. Immerhin sei die Bahn nun bereit, das entsprechende Gelände zu verkaufen. "Das geht jetzt durch die Senate. Wenn die zustimmen, können die Parkplätze dort kommen." Und weil Birgit Weber Interesse am Sozialen hat und sich das mit ihrem Amt gut verbinden lässt, steht auf ihrer Agenda auch der bauliche Zustand der Kindertagesstätten - erst vorige Woche war sie im Kinderhaus der Stadt.

Für die Coburger Tafel sucht sie nach einer neuen Bleibe. "Da sind wir auf einem guten Weg."


Vier Bilder vom Ehemann

Die private Birgit Weber versucht, ihre Familie - Ehemann und drei Kinder - nicht außen vor zu lassen. "Sie haben mich alle schon hier besucht." Ein Geschenk ihres Mannes, vier Stiche mit Coburger Ansichten, schmücken die Fensterfront ihres Büros. Das Wochenende nehme sie sich Zeit für die Familie und mit ihrer jüngsten, 2003 geborenen Tochter gehe sie in der Mittagspause auch gern mal ein Eis essen. "In den Ferien legen wir außerdem jeden Tag eine Patience."


Ehrenamtliches Engagement

Was sie etwas zurückfahren müsse, sei ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Coburger Tafel, beim Förderverein der Coburger Landesstiftung, beim Fördererverein Lutherschule, beim Kunstverein Coburg, Mentor Lesespaß, in der Schützengesellschaft Coburg und beim Theaterkreis Coburg. "Ich bleibe überall Mitglied, kann mich aber nicht so stark engagieren", sagt Birgit Weber.

Und dann hat sie auch schon den nächsten Termin. Vor ihrem Sekretariat sitzen ihre Amtsleiter und Fachleute aus dem Baureferat - alles Männer. Aber damit hat die Bürgermeisterin kein Problem.