Virenschutz im Supermarkt
Autor: Sven Dörr
Coburg, Mittwoch, 01. April 2020
In Coburgs Lebensmittelmärkten gelten einige Regeln, um die Coronaausbreitung einzudämmen. Wie die Kunden damit umgehen, und was sie zusätzlich beachten - eine Momentaufnahme von der Lauterer Höhe.
Durch die Mundschützer sind die Stimmen der Supermarktangestellten nur gedämpft zu hören. Handschuhe tragen sie alle – nicht nur an der Fleischtheke. Obwohl dort nur ein Dutzend Kunden ansteht, bildet sich eine lange Schlange: Am Boden sind Abstandsmarkierungen angebracht. Die Menschen warten geduldig, manche wischen auf ihren Handys herum. Unterhaltungen sind auf das Nötigste beschränkt. Die meisten Wagen sind normal gefüllt. Hamsterkäufe: Fehlanzeige. Dafür sorgen auch die Schilder an den Regalen mit Hygieneartikeln: "Aus Respekt Ihren Mitmenschen gegenüber bestehen folgende Mitnahmemengen pro Einkauf: 1 Packung Toilettenpapier, 1 Packung Küchenrolle." Anscheinend hat der Appell Erfolg: Klopapier ist vorhanden – premium, recycling, klassik.
"Wir merken schon, dass die Leute vernünftiger geworden sind. Sie gehen ein Mal die Woche einkaufen. In ordentlichen Mengen, gehamstert wird nicht", beschreibt Felix Müller die Situation. Der stellvertretende Filialleiter des Edeka-Markts Wagner auf der Lauterer Höhe ist mit dem Verhalten der Kunden zufrieden: "Unsere Maßnahmen werden inzwischen gut angenommen."
Kunden zeigen Eigeninitiative
So mancher Kunde geht sogar noch darüber hinaus: "Ich tue das aus Respekt den anderen gegenüber und um meine Großeltern zu schützen", erklärt Christine Geuter und tippt auf ihren Mundschutz. Den hat sie selbst angefertigt, da im Handel keiner übrig war. Heute kauft sie für ihren Großvater Roland ein – mit dem lebt sie in einer Wohnung. Er ist mit 85 Jahren Risikoperson und muss zuhause bleiben. Der Einkaufswagen der 36-Jährigen ist kunterbunt: Tomaten, Feldsalat, Paprika, Thymian, Rotkraut und Kartoffeln. Sie ernährt sich fast ausschließlich vegetarisch: "Höchstens mal eine Coburger Bratwurst", sagt sie – die gehobenen Wangenknochen zwischen Mundschutz und Wollmütze lassen ein kurzes Lächeln erahnen. Auf Naschereien verzichtet die Coburgerin komplett. Für ihren Opa darf es aber auch mal was Besonderes sein: Ein Glas Rollmops, also Fischfilet mit Gurke.
Das Verhalten der Coburger beurteilt Christine Geuter als "sehr diszipliniert". Aus der aktuellen Situation sei indes für jeden auch etwas Positives mitzunehmen: Die Erfahrung, sich reduzieren zu müssen, könne zur Persönlichkeitsbildung beitragen, sagt sie.
Auch Rebecca Saski-Kalb glaubt, dass die Krise positive Folgen haben kann: "Vielleicht kaufen einige auch in Zukunft nur noch das, was sie wirklich brauchen." Aus ihrer Sicht kann jeder die benötigte Lebensmittelmenge durch eine bewusste Ernährung reduzieren.
Ausgewogene Ernährung