Wer gern seine Weihnachtsgeschenke auf den letzten Drücker, an Heiligabend vormittags, kauft, der wird heuer ein Problem bekommen: Der 24. Dezember fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Nach dem bayerischen Ladenschlussgesetz dürften zwar bestimmte Läden öffnen, in Coburg wird ein Großteil dieser Geschäfte die Möglichkeit voraussichtlich aber gar nicht nutzen. Sie folgen stattdessen dem Appell der Gewerkschaften, Handelsverbände und der Kirchen, auf den Last-Minute-Einkauf zu verzichten und den Beschäftigten im Einzelhandel einen ruhigen Heiligabend zu gönnen.
Maßgeblich für den Sonderfall, wenn Heiligabend ein Sonntag ist, seien die Paragrafen 12 und 15 des Ladenschlussgesetzes, erläutert Kai Holland, Leiter des Coburger Ordnungsamtes, auf Tageblatt-Nachfrage. An "normalen" Sonn- und Feiertagen dürfen Geschäfte öffnen, die Bäcker- und Konditorwaren, frische Früchte, frische Milch und Milcherzeugnisse, Blumen und Zeitungen verkaufen. Am 24. Dezember, das regelt Paragraf 15, dürfen zusätzlich Lebensmittelläden öffnen und Weihnachtsbäume verkauft werden. Allerdings nicht den ganzen Vormittag über, sondern maximal drei Stunden bis spätestens 14 Uhr - aus Rücksicht auf die Gottesdienste.
Kai Holland schätzt, dass in Coburg vielleicht einige Supermärkte öffnen werden. Was dagegen nicht verkauft werden dürfe, sei Kleidung. Auch für Geschenkeläden und Parfümerien gelte die Sondererlaubnis nicht.
Holland persönlich findet, dass bis zum Heiligabend auch ohne den halben Sonntag genug Zeit bleibt, um alle Geschenke zu besorgen. "Ich versuche immer, das möglichst schon im November zu erledigen. Aber das klappt natürlich nie, es wird immer später als geplant", verrät der Amtsleiter. Der Einkauf an Heiligabend sei für ihn aber ohnehin keine Option.
Citymanager Jörg Hormann denkt, dass vielleicht einige Bäckereien die Möglichkeit nutzen, an Heiligabend zu öffnen. Nahrstedt, die Bäckerei in der Markthalle am Albertsplatz, habe aber zum Beispiel signalisiert, dass an Heiligabend geschlossen bleibe, sagt Hormann. "Das ist deren freie unternehmerische Entscheidung." Wer im Einzelnen sein Geschäft öffnen werde, könne er deshalb nicht sagen. "Die Betreffenden werden das sicher vorher gut sichtbar für die Kunden aushängen."


Lieber am Samstag länger öffnen

Aus Gesprächen habe er allerdings herausgehört, dass ein großer Teil der Einzelhändler lieber den 23. Dezember nutzen wolle, um ein oder zwei Stunden länger zu öffnen als an einem "normalen" Samstag. "Die Geschäfte werden da sicher nicht schon um 14 Uhr schließen", schätzt der Citymanager. Generell finde er es gut, dass man in Coburg "eher liberal mit diesem Thema" umgehe - "von den Kunden, über die Menschen, die es entscheiden, bis zu denen, die es kontrollieren".
In den sozialen Medien wird das Thema Ladenöffnung an Heiligabend leidenschaftlich diskutiert, viele User solidarisieren sich mit den Angestellten im Einzelhandel und fordern dazu auf, auf den Last-Minute-Kaufrausch zu verzichten.
Auch die Gewerkschaft Verdi hat dazu aufgerufen: "Die Einzelhandelsbeschäftigten wollen sich wie jeder andere auf das Weihnachtsfest vorbereiten und gemeinsam mit ihren Familien feiern", sagte etwa Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der dpa. "Wenn Heiligabend dieses Jahr ein Sonntag ist, ist die Überlegung, gerade an diesem Tag die Sonntagöffnungszeiten anwenden zu wollen, unglaublich zynisch."
Die großen Supermarkt-Ketten haben unterschiedliche Regelungen getroffen: Während Aldi Süd und Nord keinesfalls öffnen werden, bleiben bei Rewe und Penny die sogenannten Filialmärkte komplett geschlossen. Die rund 1200 selbstständigen Kaufleute im Rewe-Netz könnten dagegen selbst entscheiden.
Ähnlich sieht es bei Edeka aus, wo die Märkte überwiegend von selbstständigen Kaufleuten geführt werden, die ihre Öffnungszeiten eigenständig festlegen. Der Edeka-Markt Brehm in Ketschendorf wird zum Beispiel an Heiligabend nicht öffnen, wie Gabriele Schneider stellvertretend für Marktleiter Günther Brehm auf Tageblatt-Nachfrage mitteilt.
Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt die Öffnung der Geschäfte an Heiligabend übrigens ab. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Tageszeitung "Die Welt". Demnach sind gut 87 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Geschäfte heuer an Heiligabend geschlossen bleiben sollen. Nur etwa jeder zehnte Deutsche ist für die Ladenöffnung (Männer: 13,3 Prozent, Frauen: sieben Prozent). Bei der Umfrage wurden die Antworten von 5001 Teilnehmern berücksichtigt.