Druckartikel: Viel Dreck, wenig Lob - und trotzdem ihr Traumjob

Viel Dreck, wenig Lob - und trotzdem ihr Traumjob


Autor: Sandra Hackenberg

Coburg, Montag, 14. Februar 2022

Straßenreiniger räumen an sieben Tagen die Woche unseren Müll weg. Das weiß aber längst nicht jeder zu schätzen.
An sieben Tagen pro Woche, bei Wind und Wetter rücken Elke Willodt und ihre Kollegen aus, um Coburg sauber zu halten.


Wer sich an diesem Februarmorgen vor die Tür traut, dem peitscht der Wind eisige Regentropfen ins Gesicht. Für Elke Willodt sind das ideale Arbeitsbedingungen. "Wenn die Leute daheim bleiben, gibt es auch weniger Dreck. Und ich kann meine Arbeit in Ruhe machen."

Mit stoischer Ruhe sammelt die 54-Jährige jeden der Zigarettenstummel einzeln auf dem Marktplatz auf, die - von ihren Besitzern achtlos weggeworfen - nur zu gerne in den Rillen zwischen dem Kopfsteinpflaster landen. Dabei ist der nächste Papierkorb samt Aschenbecher nur wenige Meter entfernt. Manchmal ertappt die Straßenreinigerin die Müllsünder auf frischer Tat, wenn sie ihre Kippen mit den Schuhen austreten und den Tabak auf dem Bürgersteig verteilen. "Sei so gut und mach das weg", bittet Elke Willodt dann höflich, obwohl sie die Antwort in 90 Prozent der Fälle bereits kennt: "Wieso? Ist doch dein Job."

Seit zwölf Jahren sorgt die Frau in Orange gemeinsam mit 24 Kollegen von der Stadtreinigung dafür, dass Coburg sauber bleibt - und das an sieben Tagen die Woche. Ob Exkremente auf der Bank, Kinder, die so lange auf ihre Trinkpäckchen treten, bis sie aufplatzen, alte Pornofilme im öffentlichen Mülleimer oder das Ergebnis eines Flaschenweitwurf-Wettkampfes auf dem Schlossplatz: Elke Willodt kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Ihr Arbeitstag beginnt früh um 6 Uhr, wenn die meisten Bürger noch schlafen und die Fußgängerzone menschenleer ist. "Die Spitalgasse muss sauber sein, wenn die Geschäfte öffnen." Papierkörbe leeren, Unrat aufsammeln oder Erbrochenes vom Boden wischen: Womit andere ein Problem haben, ist für Elke Willodt ein echter Traumjob. "Im Büro würde ich eingehen wie eine Primel. Ich mag es, den ganzen Tag draußen zu sein und am Ende zu sehen, was ich geschafft habe." Wobei sie weiß, dass das Ergebnis nicht von Dauer ist. "Ich könnte jede halbe Stunde durch die Fußgängerzone gehen und wieder würde etwas herumliegen. Wir leben nun mal in einer Wegwerfgesellschaft."

Wenn sie in ihren Kleintransporter steigt, weiß sie nie, was der Tag bringt. "Einmal hat ein Papierkorb gebrannt", erinnert sie sich. Durch den Fahrtwind habe die Glut auf der Ladefläche immer wieder Feuer gefangen - und weit und breit war kein Löschwasser in Sicht. Ein wenig Detektivarbeit gehört auch zum Job, denn nicht jeder Frevler wirft seinen Kaffeebecher einfach auf den Gehweg. Die schmalen Spalte zwischen Stromkästen und Hauswand sind beliebte Verstecke, doch Elke Willodt entdeckt sie alle. "Wir sind wie Chamäleons, wir haben unsere Augen überall."

Nicht zu übersehen ist dagegen der Müll, den Schüler fast täglich an der Anna-Bernhardine-Eckstein-Anlage hinterlassen - obwohl die Mülleimer direkt neben den Bänken stehen. Alleine 117 Papierkörbe gibt es in Coburgs Fußgängerzone, 700 sind es in der ganzen Stadt samt Ortsteilen - für manche offensichtlich noch immer nicht genug.

Ob so ein Verhalten Elke Willodt noch ärgert? "Mich juckt das inzwischen nicht mehr. Ich bin bestrebt, den Job bis zur Rente zu machen. Da bringt es nichts, sich aufzuregen." Bevor es wieder in Richtung Markt geht, fischt die 54-Jährige noch rasch ein paar Flaschen und Verpackungen aus dem Gebüsch. Eigentlich wäre dafür das Grünflächenamt zuständig, aber unter Kollegen greift man sich gegenseitig unter die Arme. "Was die rechte Hand nicht schafft, lässt die linke liegen, so funktioniert das bei uns nicht."

Und wenn sie von einem Lieferanten nach dem Weg gefragt wird oder ein Tourist wissen möchte, wo das nächste Parkhaus oder ein Motorradstellplatz ist, hilft die Straßenreinigerin gerne. Immerhin, betont sie, repräsentieren sie und ihre Kollegen auch ihre Stadt. Auch in solchen Momenten kommen manchmal Passanten vorbei, sehen die Szene und sagen dann: "Ihr steht ja nur rum und redet anstatt zu arbeiten." Nein, allen kann man es nicht recht machen. Umso schöner sei es, wenn gelegentlich eine ältere Dame vorbeikommt und sagt: "Danke, dass Sie unsere Stadt sauberhalten." Das passiere nur sehr selten. "In unserem Beruf ist keine Beschwerde Lob genug."