Vielfältig waren die Beziehungen von Jürgen de Lemos zu Coburg. Nicht nur, dass er 1958 am Albertinum sein Abitur machte - er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des 1953 von Josef Ehrle ins Leben gerufenen Collegium musicum, wirkte schon während der Schulzeit als Aushilfe im Orchester des Landestheaters mit und konzertierte vielfach mit dem Coburger Konzertpianisten Hans-Dieter Bauer.
Diesen drei Pfeilern seiner frühen musikalischen Prägung sollte das vorgezogene Geburtstagskonzert Rechnung tragen, durch dessen abwechslungsreiches Programm der Jubilar selbst gewandt und mit Anekdoten gewürzt führte.
Zuerst lernte man den Dirigenten de Lemos kennen, der sein Handwerk an der berühmten Juilliard Scholl New York gelernt hatte. Energisch und dynamisch ausgefeilt führte er das Collgium musicum Coburg durch den 1. Satz der "Holberg-Suite" von Edvard Grieg. Sein gereiftes, bei Pablo Casals und Gregor Piatigorski geschultes Cellospiel kam in einer Reihe weiterer Beiträge zur Geltung.


Mit ausdrucksvollem Ton

Vom Collegium zart begleitet erklang zunächst mit tragendem, blühenden Ton "Gabriel's Oboe" aus dem Film "The Mission" mit der Musik von Ennio Moricone. Aus Amerika mitgebracht hatte er den seit seiner Studienzeit befreundeten Pianisten Ulrich Karla, mit dessen aufmerksamer Begleitung er expressiv und mit großem Atem er die Elegie von Gabriel Fauré sowie durchsichtig und brillant die Variationen "Bei Männern, welche Liebe fühlen" von Ludwig van Beethoven interpretierte.
Wiederum als Dirigent bewährte sich de Lemos im 2. Satz (Adagio) des Klarinettenkonzerts von Mozart, dessen vorzüglicher Solist der Soloklarinettist des Philharmonischen Orchesters Landestheater Coburg Edgar Eichstädter war, welcher den wundervollen Satz mit warmem, ausdrucksvollem Ton gestaltete.
Hier sollte an die damalige Verbindung von de Lemos mit dem Theaterorchester erinnert werden. Es gab sogar noch eine Zugabe mit Eichstädter und dem klangvoll agierenden Collegium in Gestalt des populären "Pink Panther" von Henry Mancini. Natürlich durfte sein früher Begleiter am Flügel im Programm nicht fehlen.
Hans-Dieter Bauer bekam lohnende Aufgaben mit dem fingerfertig und kapriziös gespielten Rondo ungharese von Joseph Haydn, wobei de Lemos wieder das frisch musizierende Orchester sicher leitete und der Pianist als Zugabe die anspruchsvolle Transkription der Schumannschen "Widmung" von Franz Liszt aus den Tasten zauberte. Die beiden Vollblutmusiker vereinigten sich anschließend zur farbenreichen und virtuosen Wiedergabe der Introduction und Polonaise op.3 von Fréderic Chopin.
Jürgen de Lemos als Dirigent und Cellist waren die restlichen Werke der Matinee vorbehalten. In schöner Geschlossenheit brachte er mit dem sauber musizierenden Collegium das Divertimento KV 136B von Mozart und die witzige Pizzikato-Polka von Johann Strauß zur Aufführung, bevor er als Solist den wehmütigen "Gesang der Vögel" seines Lehrers Pablo Casals zur sanft untermalenden Orchesterbegleitung anstimmte. Es gab lebhaften, anhaltenden Beifall für dieses eindrucksvolle und originelle "Heimkehrer"-Konzert.