Unsicherheit trübt Coburgs Konjunkturaussichten
Autor: Redaktion
Coburg, Mittwoch, 10. Oktober 2018
Aus der Coburger Wirtschaftsregion kommt ein erneutes Warnsignal an die Politik. Die Stimmung in den Betrieben ist verhalten, wenn sie an 2019 denken.
"Coburgs Wirtschaft zeigt sich weiter stabil. Doch die Erwartungen an künftige Geschäftsentwicklungen haben sich relativiert. Insbesondere Äußerungen des US-Präsidenten zu Zöllen für Europa sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China führen zunehmend zu Verunsicherung bei unserer traditionell sehr exportstarken Industrie. Hinzu kommt die bislang ungelöste Brexit-Frage, die Haushaltspläne der italienischen Regierung, die das Risiko einer Krise in Europa erhöhen, und nicht zuletzt der immer schwieriger zu deckende Fachkräftebedarf", kommentiert IHK-Präsident Friedrich Herdan die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg.
Die derzeitige Lage aber bewerten branchenübergreifend 90 Prozent der heimischen Betriebe als noch "gut" oder "befriedigend"; nur 10 Prozent sind unzufrieden. Das geht aus einer Pressemitteilung der IHK zu Coburg hervor. Im Vergleich zum Frühjahr ist hier der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen nur geringfügig um 3 Zähler auf 41 Punkte gefallen. Der Saldo bei den Geschäftserwartungen an die kommenden Monate hingegen ist von 19 Punkten im Frühjahr auf aktuell nur noch 3 Punkte gesunken. Mithin fällt der Konjunkturklimaindex, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch die Geschäftserwartungen abbildet, auf 121 Punkte (minus 10 Punkte im Vergleich zur Vorumfrage im Frühjahr 2018).
"Die Politik muss dieses erneute Warnsignal aus der Wirtschaft sehr ernst nehmen", so Herdan.
"Bundesregierung und ebenso Bayerische Staatsregierung sind jetzt gefordert. Es gilt wirtschaftsfreundliche Maßnahmen zu ergreifen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu erhalten."
Zu den dringendsten Handlungsfeldern zählt der IHK-Präsident für die Coburger Wirtschaftsregion: "Beschleunigung von Innovationen durch steuerliche Belohnung, Deregulierung verwaltungsrechtlicher Vorschriften und Erleichterungen im Steuer-, Arbeits- und Baurecht nicht nur für Start-ups, Ausbau der Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz sowie Stärkung und Modernisierung des dualen Ausbildungssystems in der Arbeitswelt 4.0."
Die Branchen im Einzelnen:
Industrie
Aktuelle Lage: Ungeachtet der etwas schwächeren außenwirtschaftlichen Dynamik im Jahresverlauf präsentiert sich Coburgs Industrie weiterhin robust. 44 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer guten Geschäftslage (+2 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorumfrage), ebenso viele sind zufrieden. 12 Prozent äußern sich gegenteilig. Wachstumsimpulse kommen dank unveränderter binnenwirtschaftlicher Auftriebskräfte insbesondere aus dem Inland. Der Zuwachs an Auslandsaufträgen hat sich etwas verlangsamt, befindet sich aber immer noch auf hohem Niveau.
Erwartungen: Der Blick der Coburger Industrie in die Zukunft fällt verhalten aus: Neben dem zunehmenden Wachstumshindernis Fachkräftemangel verunsichern internationale Handelsstreitigkeiten und protektionistische Tendenzen die exportorientierten Betriebe. Zudem sorgen sich die Branchenvertreter über die erneut stark gestiegenen Beschaffungspreise von Stahl und Rohöl. Folglich erwarten nur noch 13 Prozent der befragten Unternehmen (-11 Prozentpunkte zur Vorumfrage) einen günstigeren Geschäftsverlauf. Immerhin 76 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Dynamik aus und jeder zehnte Betrieb rechnet mit einer Eintrübung.