Wir wollen ein bisschen weiter ausholen: Auch die Leute in Kriminalromanen müssen essen, weshalb sich eine literarische Sparte im Spannungsfeld von Grusel und Gaumenkitzel entwickelt hat. Dann gibt es Autorinnen wie die aus Coburg stammenden Friederike Schmöe und vielmehr noch Ella Danz, die sich durch die Verortung ihrer Geschichten im ganz Normalen auszeichnen; wir blicken meist auf Menschen sozusagen wie du und ich, was zu umso größerem Haarsträuben führt, wenn da plötzlich das Mörderische hineinschlägt.
Zu dieser Jahreszeit bricht das Mörderische gerne ins Weihnachtliche. Friederike Schmöe reagiert alljährlich ihre diebische Weihnachtsskepsis in einem entsprechenden, in unserer Region spielenden Roman ab. Der wird dann in der Stadtbücherei vorgestellt, mit Glühwein-Stärkung selbstverständlich. Am Donnerstag war es wieder soweit.
Heuer ging es Schmöe speziell um das große Essensgetue zur Weihnachtszeit. Nun isst sie selbst zwar selbstverständlich gerne, hat's aber nicht so mit dem Kochen. Womit wir bei Ella Danz wären. Die in Berlin lebende Coburgerin lässt ihren in die norddeutsche Diaspora verschlagenen Kommissar Schorsch Angermüller (mit ihm soll es erst 2018 weitergehen) immer tief in die Kochtöpfe blicken und hat ihren Anteil daran, dass nun viele (Regional-)Romane mit Rezeptanhang veröffentlicht werden.
Wobei mal daran erinnert werden muss, dass schon Johannes Mario Simmel 1960 die tolldreisten Abendteuer seines Geheimagenten wider Willen Thomas Lieven mit auserlesenen Kochrezepten lieferte, in "Es muss nicht immer Kaviar sein", ein Roman, der zu den hundert literarischen Zeitzeugnissen des 20. Jahrhunderts gehört, die man laut namhafter Jury gelesen haben sollte. (Das sei den beim Stichwort Simmel automatisierten Bäh-Rufern entgegnet; die literarischen Naserümpfer gehören ja aber sowieso nicht hierher.)
In Kooperation mit Ella Danz kam es also zu "Zimtsternen und Zimtzicken", worin in vier Geschichten mit vier Autorinnen vier Teile eines Weihnachtsmenüs erstellt werden. Mit dabei sind die namhaften Autorinnen Isabel Morf aus Wien und Jennifer B. Wind aus Zürich.


Ektoplasmen im Gebüsch

Herausgeberin Friederike Schmöe liefert mit "Koks und Garnelen" die Antipasti: Die schon allzu lange doktorierende Romy Westphal soll über Weihnachten im Itzgrund ein komfortables Haus hüten, gerät dort nicht nur in internationale Intrigen um das große Fernseh-Showgeschäft, sondern auch in fahl leuchtende Ektoplasmen, von Geistwesen abgesonderte Substanzen, wie die handfeste 73-jährige Nachbarin Helena ihr erklärt.
Die Weihnachtsstimmung ist selbstverständlich futsch im nebligen Itzgrund. Aus irgendeinem Grunde gibt es Garnelen im Speckmantel, Chicken-Alarm und Sinnesfreuden aus Parma. Friederike Schmöe las vergnüglich in der Coburger Stadtbücherei. Und kündigte für Februar einen neuen Katinka Palfy-Roman an. Die Bamberger Detektivin wird wieder einmal in Coburg ermitteln.
Und die aus Berlin in ihre Heimat angereiste Ella Danz, die ließ dann in der Stadtbücherei eine mit unkonventioneller Robustheit gegen das Leben gewappnete Weihnachtshasserin auf eine schon im Juni mit den Vorbereitungen beginnende Weihnachtsfanatikerin treffen, dazwischen ein ehemaliger Geliebter, ein spießiger Wilhelm, und ein verlorenes Intellektuellenmännlein, der Enno. Endet tödlich. War klar. Das ist der Nachtisch, die Cassata natale.
Eines sei betont: Literarisches Fastfood sind die vier Kriminalgeschichten dieses Bandes nicht, eher gehaltvolle Mini-Romane. In bester Kurzgeschichten-Manier führen sie schnell, konzentriert und atmosphärisch dicht in die psychologischen Hinter- und Abgründe. - So. Das war jetzt aber genug Hirn-Kost. Ich muss einkaufen gehen. Weihnachten drängt machtvoll heran.

Friederike Schmöe (Hrsg.) Von Zimtsternen und Zimtzicken. Ein kriminelles Weihnachtsmenüe. Gmeiner Verlag Meßkirch, 279 Seiten, 9,99 Euro.