Mit einer anderen Sichtweise an die Sache herangehen, ohne "Einwohnerscheuklappen", sondern mit den "Augen von außen" dem Leerstand in der Gemeinde Steinwiesen und der Stadt Wallenfels begegnen, das war einer der Gründe, warum sich die Studierenden der Fachrichtung Architektur an der Hochschule Coburg ins Obere Rodachtal aufmachten.

Bereits im Vorfeld hatten sich die 28 Studenten mit ihrem Professor Mario Tvrtković unter anderem mit der Thematik des Leerstandes im Oberen Rodachtal befasst. Daten und Unterlagen wurden gesichtet, alles was man aus der Ferne erstellen kann, wurde gemacht und nun war man vor Ort. "Wir müssen die Stimmung im Ort spüren, die Emotionen und Gefühle, damit wir verstehen, auf was es ankommt.
Denn ein Haus ist nicht nur ein Haus, sondern viel mehr und dem soll bei den Ideen zum Leerstand auch entgegen gekommen werden", erklärte Professor Tvrtković. Das Stadtumbaumanagement mit Lars Strobel sowie die Bürgermeister Gerhard Wunder und Jens Korn hatten natürlich einige Objekte in den Ortskernen festgelegt, die für die jungen Menschen interessant sind. Objekte, deren Potential viel besser genutzt werden könnte. Objekte, die wieder mit Leben erfüllt oder als Beispiel für andere Projekte dienen können. Es ist eine komplexe Aufgabe, die die 28 Studenten sicher nicht in zwei Tagen lösen konnten, aber erste Impulse waren schon zu spüren, erste Einschätzungen und Ideen kamen auf. Genau werden die Vorschläge in der Hochschule ausgearbeitet und nach Schätzungen von Professor Tvrtković die Ideen Mitte Februar in Steinwiesen und Wallenfels vorgestellt.

"Wir haben etliche Projekte und Objekte vorgegeben, die interessant sein könnten. Hier in Steinwiesen ist es unter anderem das Gerberhaus, die Ortsmitte mit dem leerstehenden "Simon-Markt", das Alte Rathaus und der Gasthof "Grüner Baum", sagte Bürgermeister Gerhard Wunder.

Für seinen Kollegen Jens Korn aus Wallenfels waren vor allem der Marktplatz mit verschiedenen Gebäuden, das Haus am Bergschneidmühlplatz, die ehemalige Schmidtbank und auch der Wirtshannla von Bedeutung. Die beiden Bürgermeister hatten den jungen Menschen Informationen über ihre Orte, die Vorstellung der bisherigen Entwicklung, aber auch die Probleme, die in der Region, speziell im Oberen Rodachtal vorhanden sind, vermittelt. "Nur wer die Region und ihre Bewohner, die einzelnen Gemeinden und Menschen versteht, kann auch versuchen, Probleme anzupacken und Lösungen zu finden", waren sich die Kommunalpolitiker einig.

Es muss das Authentische der Orte mehr herausgehoben werden. In Wallenfels sind das die Traditionen wie die Flößerei und die Feste wie z.B. Fronleichnam. Steinwiesen war schon früher eine Fremdenverkehrsgemeinde und daran soll wieder angeknüpft werden, vor allen Dingen von Privatvermietern. Bisher dominierte das Hotel die Übernachtungszahlen. "Wir erwarten von Euch neue Impulse, ein Querdenken in Bezug auf die Leerstände und vielleicht ein Konzept, auf dem wir aufbauen können", sagte Gerhard Wunder. Die Natur, der Wald und das Wasser sind Komponenten, die es zu vermarkten gilt, sei es im Tourismus oder als attraktives Wohnumfeld.

Als Musterbeispiel im Bereich Tourismus schauten sich die Studenten das restaurierte Frankenwaldhaus in der Frankenwaldstraße in Steinwiesen an. Es bieten sich hier rund um das Anwesen etliche Flächen an, die sich mit Parks, Spielplätzen oder sonstigen Freizeitangeboten und Ferienwohnungen füllen ließen. Auch in der Ankerstraße besteht hier Potenzial.

Der Trend zu gut ausgestatteten, flexiblen Ferienwohnungen ist überall zu spüren. "Wir müssen unsere Privatvermieter so weit motivieren, dass sie sich darauf einlassen, hier zu investieren, damit es im touristischen Bereich unabhängig vom Hotel wieder aufwärts geht", meinte Bürgermeister Gerhard Wunder.

Als Beispiel für die verschiedenen Objekte gerade in Bezug auf Leerstand in Wallenfels und Steinwiesen soll hier das "Gerberhaus" in Steinwiesen dienen. Das große dreistöckige Gebäude direkt an der Ortsdurchfahrt mitten im Ortskern bietet viele Möglichkeiten.

Die Studierenden Fabian Ritter von Streitberg und Alessandro Mussoni waren begeistert von den Räumlichkeiten, die das Anwesen bietet. Das noch unausgebaute Dachgeschoss mit der begrünten Dachterrasse verleitet gerade dazu, sofort Pläne für eine eventuelle Nutzung zu machen. "Es wären hier exklusive Ferienwohnungen möglich. Die Dachterrasse mit ihrem herrlichen Ausblick ist sensationell", schwärmt Fabian.

Die Eigentümerin Elfriede Müller ist aufgeschlossen, was einen eventuellen Verkauf oder Nutzungsvorschläge für die bestehenden Räumlichkeiten anbelangt. Die beiden Studenten sehen auch das Potential, welches das ehemalige Geschäft im Erdgeschoss bietet.

Von einer Tagesbetreuung für ältere Menschen, Räume für Physiotherapie und Massage oder auch kleinen Verkaufseinheiten mit Tagescafè wäre alles möglich. "Wir könnten uns auch vorstellen, dass es einen Investor gibt, der nur das Dachgeschoss übernimmt und ausbaut. Ebenso im Erdgeschoss. So könnte Frau Müller im ersten Stock wohnen. E

inen separaten Zugang nach oben anzubauen, wäre sicher möglich", meinen Fabian und Alessandro. Auch für lokale Arbeitgeber sehen sie ein Potential, wenn sie kleine Wohneinheiten für Mitarbeiter anbieten, sodass die Wohnungssuche gerade für Ein-Personen-Haushalte entfallen kann. "Aber genau wie bei den anderen Objekten konnten wir natürlich nicht die Bausubstanz und die Bedürfnisse aller Eigentümer in Betracht ziehen. Dies müsste bei konkreten Vorschlägen und Maßnahmen geschehen", sagte Professor Mario Tvrtković beim Gespräch mit Vertretern der Gemeinde Steinwiesen, der Stadt Wallenfels und den Vertretern der Bürgerinitiativen.