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Störche machen sich's selber warm


Autor: Redaktion

LKR Coburg, Freitag, 07. Januar 2022

In Bayern überwintern rund 300 Weißstörche, im Coburger Land sind es zwei Paare. Selbst wenn Schnee liegt, muss man sich keine Sorgen machen.
Kontrollbesuch im Sommerquartier: Die Meschenbacher Störche sind nicht jede Nacht auf dem Schlot am "Bräustübla" zu finden. Sie ziehen auf Futtersuche durch die Gegend und schlafen manchmal auch auswärts.


So schlecht kann es im Coburger Land selbst im Winter nicht sein. Zwei Storchenpaare haben sich auch in diesem Jahr dazu entschieden, nicht in ein Sommerquartier in den Süden zu fliegen. Es sind die Störche, die im Sommer auf dem Stangenhorst der Familie Lessing in Scherneck und auf dem Meschenbacher Bräustübla-Schlot brüten. Aber, keine Bange: Wenn es wie in diesem Tagen mal ein bisschen kalt und unwirtlich draußen ist, dann geraten die großen Vögel nicht gleich in Lebensgefahr. Darauf weist jetzt der Landesbund für Vogelschutz hin, der in seinem Datenbestand rund 300 Weißstörche stehen hat, die im Winter Bayern gar nicht mehr verlassen.

Viele Anrufe besorgter Menschen

Deshalb erreichen mit dem winterlichen Wetter im Freistaat den bayerischen Naturschutzverband LBV viele Anrufe von Menschen, die sich Sorgen machen, dass Schnee und Kälte den Weißstörchen schaden. Hier kann der LBV Entwarnung geben. "Die in Bayern überwinternden Störche finden genug Nahrung wie Mäuse und kleine Fische, kommen aber auch ein bis zwei Wochen gut mit wenig oder sogar ganz ohne Nahrung aus. Außerdem sind die großen Vögel durch das Aufplustern ihres dicken Gefieders gut geschützt und haben ihre eigene Daunenjacke sozusagen immer dabei", erklärt die LBV-Weißstorch-Expertin Oda Wieding.

Rückkehrer im Neustadter Raum?

Rund 300 Winterstörche sind dem Naturschutzverband seit vielen Jahren bekannt. Zum Schutz vor der Kälte plustert sich der Weißstorch wie auch andere Vögel auf. Durch die aufgestellten Federn entstehen Luftpolster, die vor Kälte isolieren. Auch können Störche in einem Radius von bis zu 30 Kilometern umherstreifen und kennen dort alle möglichen Futterquellen. Das kennt man auch aus dem Coburger Land, wo erst jüngst in Neustadt schon die ersten Meldungen von vermeintlichen Rückkehrern aus dem Winterquartiert die Runde machen. So wird es wohl nicht gewesen sein, sagt Hans-Peter Schönecker, der im Auftrag des LBV über die Storchenpopulation im Coburger Land wacht: "Da jetzt keine Brutzeit mehr ist, fühlen sie sich auch nicht an ihre Reviergrenzen rund um ihren Horst gebunden."

Besonders bei milderem Wetter halten sich die Vögel zwischen dem Maintal bei Lichtenfels oder rund um Bad Rodach auf, sogar im Naturschutzgebiet Harrasser Leite (Thüringen) hat der Storchenbeauftragte seine teils über ihre Beringung identifizierbaren Schützlinge schon gesehen. Sie übernachten nicht unbedingt und immer im eigenen Nest, sondern auch mal woanders. Das führt dazu, dass Hans-Peter Schönecker davon ausgeht, dass derzeit sogar mehr als nur die zwei alteingesessenen Storchenpaare im Landkreis unterwegs sind. Er geht von bis zu sieben Vögeln aus.

Stundenlanges Verharren am Mäuseloch

"Ähnlich wie die überwinternden Graureiher und die seit einigen Jahren zunehmend einfliegenden Silberreiher stehen Weißstörche oft stundenlang regungslos auf Wiesen oder Feldern vor einem Mäuseloch, um ihre Nahrung zu erbeuten", sagt Oda Wieding. Wer regelmäßig die Bundesstraße 4 im südlichen Landkreis befährt, wird dieses Bild kennen: In den Itzwiesen staksen die Störche gerne herum. In offene Wassergräben finden sie dort kleine Fische und auch auf Müllkippen sowie Kompostanlagen gibt es ein gutes Mäuseangebot. "Es besteht also kein Grund zur Sorge, wenn man Weißstörche mit ihren langen Beinen durch den Schnee stapfen sieht", so die Weißstorch-Expertin.

Der Grund fürs Hierbleiben

Seit einigen Jahren fliegen nicht mehr alle Weißstörche im Herbst nach Afrika, sondern bleiben zur Überwinterung in Bayern. Hauptursache hierfür sind die bis in die 90er Jahre laufenden Wiederansiedlungsprojekte in der Schweiz, dem Elsass und in Südwestdeutschland. In diesen Gebieten wurden Störche bis zu ihrer Geschlechtsreife mit drei Jahren im Gehege gehalten, damit sie nicht auf dem Zug oder im Winterquartier umkommen und ihre Fortpflanzung gesichert ist. "Ab der Jahrtausendwende tauchten immer mehr Störche mit Ringen aus der Schweiz oder dem Elsass in Südwestbayern im Winter auf. Diese Störche, die an eine bei uns mögliche Überwinterung gewöhnt wurden, haben sich dann auch mit anderen Weißstörchen verpaart und nach und nach dieses neue Überwinterungsverhalten an ihre Brutpartner weitergegeben", erklärt Oda Wieding.

Aber auch ohne direkte Einflussnahme des Menschen gibt es Verschiebungen und Verhaltensanpassungen an geänderte Bedingungen. Ein Großteil der sogenannten "Westzieher", die auf ihrer Zugroute westlich das Mittelmeer umfliegen, überwintert seit den 80er Jahren zunehmend in Spanien oder am Rand des Mittelmeers, wie zum Beispiel im Rhône-Delta. "Um die südeuropäischen Überwinterungsgebiete zu erreichen, benötigen die Störche nur ein paar Tage. Deshalb brechen einige bayerische Störche im Spätsommer und Herbst immer später auf. So lernen manche wohl auch, sich erst bei sehr ungünstiger Witterung auf die ‚Winterflucht‘ zu machen", sagt die Weißstorchexpertin.