Druckartikel: Standesamt Sonnefeld wird von Coburg mitverwaltet

Standesamt Sonnefeld wird von Coburg mitverwaltet


Autor: Niklas Schmitt

Sonnefeld, Montag, 25. November 2019

Ab dem neuen Jahr werden die Standesämter Sonnefeld und Coburg zusammenarbeiten. Für die Bürger ändert sich wenig. Die Kompetenzen der Standesämter werden dadurch gestärkt.
Standesamtsleiter Michael Rodenburger freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Sonnefelder Standesbeamten.  Foto: Simone Bastian/Archiv


"Hier finden Zusammenkünfte statt", sagte der Coburger Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), "im wahrsten Sinne des Wortes." Der Trausaal im Coburger Bürglaßschlößchen war nicht ohne Symbolkraft, um dem etwas sperrigen Begriff der interkommunalen Zusammenarbeit Glanz und Bedeutung zu verleihen.

Denn ab dem 1. Januar des kommenden Jahres werden die Standesämter Sonnefeld und Coburg in der Verwaltung zusammengelegt. Ziel dabei ist es, die Kompetenzen zu stärken, ohne jedoch Eigenständigkeiten, sondern den Bürgern den bisherigen Service weiterhin zu bieten.

Die Zuständigkeiten bleiben

Das heißt, für die Sonnefelder ändert sich nichts. Die Veränderungen finden im Hintergrund statt. "Hier wird niemandem etwas von seiner Zuständigkeit genommen", erklärt Tessmer. Er kann die Bürger aus dem Landkreis beruhigen, Trauungen etwa müssen nicht in Coburg vollzogen werden, sondern bleiben den Städten vorbehalten.

Wichtig ist Tessmer, dass die Gemeinden in der Verwaltung zwar zusammenwachsen, aber Sonnefeld nichts von seiner Eigenständigkeit verliert.

Die Stadt ist damit die dritte Gemeinde nach Großheirath (seit 2015) und Lautertal (seit 2016), die an das Standesamt in Coburg angegliedert wird. "Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht", sagt Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD): "Auf Augenhöhe können wir zusammenarbeiten." Im Coburger Stadtrat wurde die Reform einstimmig angenommen.

Hinzugewinn an Kompetenzen

Michael Keilich (CSU), Bürgermeister von Sonnefeld, erklärt, dass nach Personalwechseln im Standesamt Sonnefeld die Frage aufkam, wie es weitergehe. Zwar sei das Amt mit seinen Öffnungszeiten durchaus bürgerfreundlich.

Jedoch schilderte er den Fall, dass Beamte zum Teil mit komplizierten Fällen, etwa Verheiratungen mit Personen, die nicht aus dem EU-Gebiet kommen, einfach Personal binden würden. Solch ein Fall dauere schon einmal Stunden. Wäre es noch bürgerfreundlich, wenn Bürger deswegen warten müssten, fragt er rhetorisch.

Die Bedenken wurden ausgeräumt, denn letztlich, so Keilich, würde man in Sonnefeld nicht viel aufgeben, sondern Kompetenz hinzugewinnen. Mit Blick auf die geschilderte verwaltungstechnischen Herausforderung sagt er: "In der modernen Welt wird es nicht weniger werden."

Die Herausforderungen der modernen Welt sieht Michael Rodenburger, Standesamtsleiter in Coburg, vor allem in der Digitalisierung. Er fasst die zukünftige Aufteilung der Kompetenzen zusammen: Nicht nur die Daten müssten laufen, nicht der Bürger. Aber wenn der laufe, müsse auch jemand da sein. Er betonte das wichtige Wechselspiel zwischen digitalen Medien und der persönlichen Vorsprache.

Eine echte Bereicherung

Dem Bürger geht also nicht die Nähe zu seinem Amt verloren, nur das Dienstleistungsspektrum des Standesamtes in Sonnefeld würde erweitert. "Das ist eine echte Bereicherung", sagt Rodenburger. Auch wegen der Änderung des Personenstandsgesetzes aus dem Jahr 2009 wurde die standesamtliche Praxis für kreisangehörige Städte zunehmend unwirtschaftlicher.

Durch die zentrale Erledidung der Verwaltung in Coburg jedoch bleibt die Bürgernähe erhalten, während trotzdem Platz für Einsparmöglichkeiten geboten sind. Das Standesamt in Coburg habe die fachliche und personelle Grundstruktur, von der in diesem Fall Sonnefeld durch die interkommunale Zusammenarbeit profitieren könne.

Oberbürgermeister Tessmer betonte noch, bevor im Trausaal des Bürglaßschlößchens die standesamtliche Zusammenkunft von Dauer besiegelt wurde: "Wer sich der Digitalisierung nicht stellt, wird von ihr überrollt."