Wolfgang Heyder (60) steht für klare Worte. Der Bamberger Basketball-Freak, der als Manager maßgeblichen Anteil am Aufstieg des HSC 2000 Coburg in die 1. Handball-Bundesliga hatte, und jetzt wieder auf gewohntem Terrain für einen Höhenflug der Gothaer Korbjäger sorgt, stand dem Tageblatt Rede und Antwort.

Dabei wurde schnell deutlich, dass sein Herz vor allem für den Basketball "prallt", aber er fiebert auch weiter mit den Coburger Handballern mit und drückt Jan Gorr fest die Daumen, dass der sofortige Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga gelingt. Den Fußballern in der Region macht der Tausendsassa dagegen wenig Hoffnung, dass sie in absehbarer Zeit aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden.

Abschließend verriet uns Wolfgang Heyder auch noch, dass Marius Müller-Westernhagen sein großer Held während seiner aufregenden Studentenzeit war. Klar, dass er sich den Live-Auftritt beim HUK-Open-Air auf dem Schlossplatz in Coburg genauso wenig entgehen lässt wie die Söhne Mannheims oder Andreas Bourani. oph

Hallo Herr Heyder, Handball, Fußball, Basketball! Fangen wir mal mit Ihrer Lieblingssportart an: Innerhalb von zwei Jahren gelang dem BBC Coburg der Sprung von der 2. Regionalliga in die ProB: Was trauen Sie dem Klub langfristig zu?
Wolfgang Heyder: Aus meiner Sicht macht der BBC Coburg einen wirklich professionellen Job und hat innerhalb von kurzer Zeit sehr gute Strukturen entwickelt. Sie können ebenfalls ein tragfähiges Sponsorenkonzept aufweisen und haben aus meiner Sicht gute Chancen, mit der positiven Situation ein schlagfertiger ProA-Standort zu werden. Ich wünsche mir natürlich, dass der BBC ein entsprechend positiver Nachwuchsstandort in Oberfranken/Nordbayern wird.

Ähnlich wie die Coburger in der ProB, verfolgen auch Sie mit Gotha in der Basketball-Bundesliga den "deutschen" Weg und wollen Ihr Ausländerkontingent als einziger Verein nicht komplett ausnutzen. Warum gehen Sie diesen Weg?
Es ist ja kein Geheimnis, dass mir die Förderung von jungen deutschen Talenten sehr am Herzen liegt. Ich schaue auch, dass wir durch die Jugendstandorte in Deutschland immer talentiertere Nachwuchsspieler entwickeln. Aber jetzt kommt es für mich darauf an, dass die Jungs auch wirklich Spielzeit in der BBL bekommen, um sich entsprechend weiterentwickeln zu können.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Andi Obst, Niklas Wimberg und Johannes Richter und die anderen Spieler realistische Chancen haben, zu BBL-tauglichen Spielern zu reifen. Genau diesen Weg möchte ich mit dem Konzept in Erfurt unterstützen.

Zum ersten Mal findet heute um 18 Uhr mit der Partie Deutschland gegen Belgien ein Basketball-Länderspiel in Thüringen (Erfurt) statt. Die Heimspiele Ihres Teams waren größtenteils gut besucht. Nächste Saison spielen mit Gotha, dem MBC und Jena erstmals drei Klubs aus Ostdeutschland in der BBL. Erlebt der Basketball im Osten einen kleinen Boom?
In der Tat hat sich im Osten der Republik einiges getan. Standorte wie Jena, Chemnitz sowie Weißenfels und Erfurt/Gotha haben sich gut weiterentwickelt. Es ist erfreulich, dass gleich drei Ost-Klubs künftig in der BBL sind. Aber: Es muss sich in der Breite dennoch viel tun. Die Basketball-Landschaft ist in der Fläche von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bei weitem zu dünn besiedelt.

Eigentlich hätte man heute in Erfurt noch mit einigen Stars mehr gerechnet - doch viele Nationalspieler sagten ab. Was läuft in dem Punkt in Deutschland schief?
Für mich ist dies ein Thema, dass sich über viele Jahre fortsetzt. Wir brauchen ohne Wenn und Aber eine starke, schlagkräftige Nationalmannschaft für die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Aber auch um Spieler mit Vorbildcharakter in die Öffentlichkeit zu bringen. Dass am Ende zum Auftakt in Erfurt zwölf hochkarätige Nationalspieler nicht dabei sein werden, ist mehr als ärgerlich.
In den individuellen Entscheidungsvorgängen ist das unter Umständen nachvollziehbar, aber nicht gut für die Entwicklung des Sports. Mir fehlt eine Community im deutschen Basketball aus Vereinen, Verband und Trainern, also allen Basketball-Enthusiasten, die mit großer Vehemenz das Thema Nationalmannschaft nach vorne treibt.
So bleiben einfach nur Lippenbekenntnisse. Schaut man nach Litauen, Spanien oder in andere Länder, dort gibt es solche Absagen nicht. Auch für diesen Sommer gilt wieder: Wir schaffen es nicht, unser inzwischen hervorragendes Potenzial und Talent gemeinsam zu bündeln. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben.

Zu Brose Bamberg: In den letzten Tagen sorgte eine mögliche Umbenennung in Brose Metros für viel Aufregung in Bamberg. Sie sind mit dem Thema als ehemaliger Bamberger Geschäftsführer sehr vertraut. Ist eine solche Namensänderung aus Ihrer Sicht notwendig, um die Metropolregion Nürnberg stärker einzubeziehen?
Ohne Wenn und Aber ist der Ansatz von Michael Stoschek absolut richtig, die Anstrengungen des Bamberger Basketballs und das gesamte Produkt auf die Metropolregion auszudehnen. Wir haben schon zwischen 2005 und 2007 mehr als 20 Euroleague-Spiele in Nürnberg ausgetragen. Durchaus mit positiven Ansätzen am Sponsorenmarkt.
Dass das Ganze jetzt in Richtung Zielsetzung Euroleague verstärkt werden muss, ist ohne Frage richtig. Ich glaube nicht unbedingt, dass der Erfolg dabei am Namen hängt. Hier geht es eher um strategische Fragen im Netzwerk und am Ende auch um politische Unterstützung.

Für wie realistisch halten Sie es, in Bamberg eine Halle mit 10 000 Plätzen, die ja mittelfristig geplant ist, zu füllen?
Eine Halle mit 10 000 Zuschauern zu füllen, ist kein Thema, das auf Knopfdruck passieren kann. Vielmehr hat man am Thema Ticketing und strategischen Themen zu arbeiten, um die Menschen aus der gesamten Region dafür zu gewinnen. Es ist natürlich kein Selbstläufer.

Zum Handball: Hätte der HSC Coburg mit Ihnen als Manager bessere Chancen gehabt, den Klassenerhalt zu schaffen?
Wie arrogant müsste ich sein, so eine Meinung zu vertreten.

Vielmehr haben die Verantwortlichen, vor allem Jan Gorr, alles versucht, die Klasse zu halten. Am Ende hat des trotz relativ deutlichen Abstands sehr knapp nicht gereicht. Ich habe immer auf die Jungs gesetzt und auch eine Wette verloren. Ich bin überzeugt, dass man alles getan hat, um das Ziel zu erreichen.

Was trauen Sie Ihrem Ex-Team zu? Den sofortigen Wiederaufstieg?
Ich traue dem Team von Jan Gorr auf jeden Fall den direkten Wiederaufstieg zu, da die Qualität der Mannschaft gut genug ist. Und was für mich sehr wichtig war: Dass man immer erhobenen Hauptes mit viel Engagement in jedem Spiel bis zum Schluss gekämpft hat. Das ist eine sehr gute Voraussetzung für den Start der Saison.

Die Basket- und Handballer können sich abstrampeln wie sie wollen, die Mehrheit der sportbegeisterten Zuschauer in Deutschland will Fußball sehen!
Fußball ist Fußball, das ist die Sportart Nummer eins. Da brauchen sich die anderen Sportarten nicht zu vergleichen. Ich denke, dass Handball ein gutes Stück weiter ist als Basketball, mit erheblich größerer TV-Reichweite und dreimal so vielen Mitgliedern im Verband.
Für beide Sportarten gilt es, eine starke Nationalmannschaft zu stellen. Eine erhebliche Steigerung der Mitgliederzahlen könnte hier sehr hilfreich sein und ist notwendig, um aus der Sparte herauszukommen. In dem Zusammenhang spielt es auch eine Rolle, Figuren und Persönlichkeiten für eine breite Öffentlichkeit zu entwickeln.

Und weshalb kommt der Fußball in der Region nicht auf die Beine? Der FC Coburg und Eintracht Bamberg sind in die Bezirksliga abgestiegen.
Hier fällt mir eine Beurteilung sehr schwer, in Bamberg wie in Coburg steht der Fußball im


Schatten der Publikumsmagneten Basketball und Handball, die natürlich auch stark im Sponsorenmarkt verwurzelt sind und Kapazitäten abziehen.

Letzte Frage: Söhne Mannheims, Bourani oder Westernhagen? Wann sehen wir uns in Coburg?
Ich gehe davon aus, dass wir uns in Coburg bei allen drei Protagonisten sehen werden: Bourani und Söhne Mannheims - weil es mich einfach interessiert und Marius Müller Westernhagen ist für mich der große Held aus der Studentenzeit.