Die Nachricht schlug vor wenigen Wochen hohe Wellen. Mitten in der laufenden Saison in der 2. Handball-Liga, präsentiert der HSC 2000 Coburg mit dem 58-Jährigen Wolfgang Heyder einen neuen Geschäftsführer - also einen absoluten Basketball-Experten.

"Ohne Frage, es ist eine andere Sportart. Aber ich möchte für den Handball genauso viele Emotionen entwickeln wie für den Basketball. All meine Kraft werde ich dafür einsetzen, dass es mit dem Handball in Coburg noch weiter nach oben geht", versprach Heyder bei seinem Amtsantritt. Wir unterhielten uns mit dem neuen starken Mann der "Gelb-Schwarzen".

Wolfgang Heyder, vor wenigen Wochen wurden Sie in Coburg als neuer Geschäftsführer der HSC Coburg GmbH vorgestellt. Die Arbeit läuft bereits auf Hochtouren. Wie haben Sie sich in Coburg eingelebt?
Wolfgang Heyder: Ich habe mich sehr gut eingelebt, werde von allen Seiten sehr positiv aufgenommen und bin jetzt erst einmal dabei, mir in allen Bereichen einen Überblick zu verschaffen. Am vergangenen Wochenende hatten wir mit allen Beteiligten - mir ist dabei wichtig, dass wirklich alle im Boot bleiben - einen Zwei-Tages-Workshop, in dem wir die Ziele und Aufgabenstellungen der kommenden sechs Monate definiert und festgelegt haben.

Ihre Entscheidung, beim HSC einzusteigen, musste lange reifen. Vorstandssprecher Stefan Apfel sprach von einem harten Kampf mit mindestens 15 Treffen seit Herbst letzten Jahres. Was würden Sie sagen, wenn ich Sie in diesem Zusammenhang als ´Not-Lügner` bezeichne?
Warum?

Sie haben in einem Telefonat Anfang Februar bestritten, dass Sie mit den Coburger handballer in Kontakt stehen. Basketball sei ihr Leben und Sie würden niemals beim Handball einsteigen...
Das ist richtig und mit ´Not-Lügner` kann ich auch leben. Aber Sie müssen wissen, dass wir damals mitten in wichtigen Entscheidungsprozessen waren. Es wäre absolut kontraproduktiv gewesen, wenn es damals eine öffentliche Diskussion gegeben hätte. Im Übrigen bin ich sehr stolz darauf, dass wir dies alles in Ruhe und mit sehr viel Sorgfalt vorbereiten konnte. Hier gilt allen Beteiligten ein großes Lob.

Nahezu tagtäglich arbeiten Sie sich ein - zahlreiche Besprechungen hat es schon gegeben - was nehmen Sie aus den ersten Tagen in Coburg mit?
Wie bereits vor einigen Wochen gesagt, es gibt hier viele positive Grundlagen, eine herrliche Halle, eine tolle Fan Community, eine breite Sponsorenlandschaft mit einen Hauptsponsor, der voll und ganz hinter dem Projekt steht. Natürlich wird aber auch deutlich, dass vieles bisher ehrenamtlich abgewickelt wurde und es jetzt gilt, in vielen Bereichen Strukturen aufzubauen oder neu zu entwickeln.

Was wir dringend brauchen, ist sehr schnell eine Entwicklung und Erweiterung der Personalstruktur im hauptamtlichen Bereich. Bisher war Florian Dotterweich viel auf sich allein gestellt, hat einen tollen Job gemacht, aber die Aufgabenfelder werden jetzt erheblich umfangreicher.

Die Coburger Handballer haben in der Vestestadt einen hohen Stellenwert. Doch wo gibt es noch Verbesserungsbedarf - vor allem auch auf der organisatorischen Seite?
Das Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren den Sprung in die erste Liga, also in die beste Liga der Welt, zu schaffen. Und dafür gilt es sich aufzustellen. Ehrenamtlichkeit wird weiterhin benötigt, aber wir brauchen auch neue personelle Ressourcen in vielen Bereichen. Das Thema "Vermarktung und Marketing" ist ein zentrales Aufgabengebiet, genauso wie Ticketing und Sponsorenbindung, aber auch das Thema Jugendleistungsarbeit sowie Schul- und Vereinskooperationen. Das sind für mich so die ersten Punkte, wo wir richtig Gas geben müssen.

Sie sind ein großer Verfechter der Jugendförderung und haben bereits bei Ihrem Amtsantritt gefordert, dass die bestehenden Strukturen noch verbessert werden müssen. Was meinen Sie damit genau, nennen Sie doch mal ein Beispiel?
Ich werde nach Ostern Gespräche mit den Coburger Gymnasien suchen, weil ich im Regelsport gerne zwei Sportklassen Handball integrieren würde.

Mit Ex-Profi und Sportstudenten Johan Andersson sowie dem jetzigen Bayernligaspieler und Sportlehrer Jan Kästner hat der HSC zwei Spieler in seinen Reihen, die aufgrund ihrer Voraussetzungen geradezu prädestiniert wären, im Jugendkonzept Verantwortung zu übernehmen. Planen Sie auch in diese Richtung?
Ja natürlich. Es wäre wichtig, wenn ehemalige oder aktuelle Spieler unsere Botschafter für das Ganze werden. Schließlich wollen wir die Jugendlichen ja nicht nur fundiert ausbilden, sondern auch begeistern. Johann soll nächstes Jahr auch in unserer 2. Mannschaft spielen und kann darüber hinaus eine Aufgabe in der Jugendarbeit übernehmen.

Wie viele wissen, sind Sie ein ausgesprochener Basketball-Experte. Können Sie beim Handball, wenn es ans Eingemachte geht eigentlich schon mitreden? Sie tauschen sich ja, wie selbst sagten, regelmäßig auch mit Trainer Jan Gorr aus.
Ich habe 42 Jahre Basketball gemacht. Um im Handball durchzublicken, brauche ich natürlich Zeit. Momentan gibt es einfach wichtigere Themen für mich. Ich will zum Beispiel alle Sponsoren kennenlernen und diese weiter motivierten.

Deshalb fehlt mir leider ein wenig die Zeit, um mehr Handball zu sehen. Ich will auch beim Training öfters dabei sehen, will sehen wie im Jugendbereich gearbeitet wird. Das geht natürlich nicht alles auf einmal.

Das Ziel von Wolfgang Heyder ist klar vorgegeben - in zwei Jahren in die 1. Bundesliga aufsteigen. Schaut man sich die Tabelle aktuell an, ist noch alles möglich. Wäre ein Aufstieg am Ende dieser Saison schon das große Ziel?
Man muss und sollte schon die Kirche im Dorf lassen - ich finde nach dem Aufstieg aus der 3. Liga hat Jan Gorr mit seinem Team einen wirklich guten Job gemacht, aber man muss auch wissen, wo man her kommt.

Vieles ist natürlicherweise noch semiprofessionell, aus nachvollziehbaren Gründen sind bei weitem noch nicht alle Spieler Vollprofis. Insofern ist gesundes Wachstum notwendig. Ein Aufstieg konnte und kann nicht das große Ziel sein, aber ohne Frage will jeder Beteiligte die Chance nutzen, wenn sie sich ergeben sollte.

Und was wenn es dann also doch noch klappt?

... dann werden wir sicher nicht Nein sagen, aber dann muss alles viel viel schneller, als einem lieb sein kann, passieren. Ich bin aber sehr davon überzeugt, dass dann alle Beteiligten, Partner, Sponsoren die Ärmel hochkrempeln würden, um die Basis zu schaffen.

Haben Sie es nach Ihrer Zeit als Berater des FC Bayern München bereut, bei diesem Weltklub nicht hauptberuflich eingestiegen zu sein. Eine solche Offerte lag doch vor?
Da gibt es nichts zu bereuen. Ich habe die Basketball-Abteilung der Bayern erfolgreich mit aufgebaut und auch Trainer Dirk Bauermann dorthin gebracht. Aber Michael Stoschek hat mich damals überredet in Bamberg zu bleiben und das war auch richtig, schließlich sind wir danach noch zweimal Deutscher Meister geworden und haben auch international sehr erfolgreich gespielt. Da gibt's nichts Nachzutrauern.


Die Fragen stellten Christoph Böger und Sebastian Straubel