Gibt es in Coburg bald eine "Mauritiusstraße"? Oder eine "Morizstraße"? Für Theresa Scholz wären beide Namen denkbar. Was nach Ansicht der Vorstandssprecherin der Coburger Grünen allerdings nicht mehr in die Zeit passt, ist eine "Mohrenstraße". Deshalb soll am Mittwoch (2. Dezember) bei der Hauptversammlung der Grünen ein Antrag auf Umbenennung beschlossen werden. Der Vorstand hat sich bereits "contra Mohrenstraße" positioniert.

Theresa Scholz kann sich bereits denken, mit welchen Worten jetzt der Grünen-Vorstoß von so manchen Leuten kommentiert werden wird. "Ja", sagt sie deshalb im Gespräch mit dem Tageblatt, "natürlich haben wir aktuell wichtigere Themen." Doch das sollte nicht bedeuten, dass ein Thema wie der "Coburger Mohr" komplett hinten runterfallen muss.

"Wir sind eine antirassistische Partei", stellt Theresa Scholz fest. Deshalb sehe der Grünen-Vorstand auch Handlungsbedarf in Sachen Mohrenstraße. "Es geht darum, Missverständnisse zu vermeiden", betont Theresa Scholz. Und: "Niemand soll sich von unserem Stadtheiligen ausgegrenzt fühlen." Doch diese Gefahr bestehe bei der Verwendung des Begriffs "Mohr" und der davon ausgehenden Wirkung auf Menschen, die neuerdings auch als POC bezeichnet werden (steht für "persons of color", also für Menschen, die keine weiße Hautfarbe haben).

"Eindeutig diskriminierend"

Auch das Argument der Tradition möchte die Vorstandssprecherin nicht gelten lassen. "Jede Generation bewertet Geschichte neu", sagt sie und gibt grundsätzlich zu bedenken: "Was vor 100 Jahren gepasst hat, passt heute vielleicht nicht mehr." Beim "Mohr" sei genau dies der Fall: "Diese Bezeichnung ist inzwischen unpassend." Kevin Klüglein, neben Theresa Scholz ein weiterer gleichberechtigter Vorstandssprecher der Grünen, drückt es noch deutlicher aus: "Das Wort ,Mohr‘ ist eindeutig diskriminierend." Deshalb möchten die Grünen gerne sowohl die große Mohrenstraße umbenennen als auch den kleinen Mohrenweg, der die Mohrenstraße mit der Bahnhofsstraße verbindet, sowie die Mohrenbrücke.

Und wie soll es mit dieser Initiative weitergehen, wenn der Antrag auf Umbenennung heute Abend von der Mitgliederversammlung beschlossen wird? Theresa Scholz könnte sich "politische Aktionen" dazu vorstellen, sobald es die Corona-Auflagen wieder zulassen. Also etwa Diskussionsveranstaltungen oder ähnliches. Ein konkreter Stadtratsantrag auf Umbenennung sei hingegen noch nicht geplant.

Bereits im Streit um das Coburger Stadtwappen, das ebenfalls den Heiligen Mauritius als Coburger Mohren zeigt, hatten die Grünen klar Stellung bezogen: Ihrer Meinung nach ist die Darstellung des Stadtheiligen mit Ohrring und dicker Lippe rassistisch. "Wir sollten kritisch und ergebnisoffen darüber diskutieren", wünscht sich Theresa Scholz.

Petition lief ins Leere

In der vergangenen Woche hatte sich der Innenausschuss des bayerischen Landtags mit einer Petition befasst, wonach grundsätzlich die Darstellung von Mohren in Wappen verboten werden soll. Doch das Gremium hatte erklärt, dafür gar nicht zuständig zu sein: Nur die jeweilige Kommune selbst könne über ihr Stadtwappen entscheiden. Diese Haltung des Innenausschusses war in Coburg sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern der "Mohr"-Darstellung begrüßt worden.

Übrigens: Damit bei der Mitgliederversammlung der Grünen die geltenden Abstands- und Hygiene-Vorschriften eingehalten werden können, war eine vorherige Anmeldung erforderlich. Auch wurde ein anderer Veranstaltungsort gewählt als das kleine Grünen-Büro.