Victoria Klose will nicht jammern. "Bringt ja eh nichts", sagt die junge Wirtin des "Münchner Hofbräu" ganz tapfer und muss dann doch seufzen. Denn: "Mir fehlen meine Gäste!" Trotz aller Probleme, die sich durch die Corona-Einschränkungen ergeben haben, hat die 30-Jährige den Mut aber noch nicht verloren. "Das liegt vor allem an meinem Team - da lässt niemand den Kopf hängen. Der Zusammenhalt ist bei uns XXL!" Volle Rückendeckung erhalte sie auch von den Gesellschaftern der traditionsreichen Gaststätte in der Kleinen Johannisgasse.

Zur Erinnerung: Um das "Münchner" zu retten, hatten sich vor etwa einem Jahr mehrere Stammgäste zu einer Gastronomie GmbH zusammengeschlossen. Diese GmbH fungiert als Pächter und hat als Wirtin Victoria Klose eingesetzt. Startschuss war der 1. März 2020 - doch alle ehrgeizigen Pläne wurden bereits zwei Wochen später durch die ersten Lockdown-Maßnahmen ausgebremst.

Besonders bitter: Das "Münchner" ist ja nicht nur ein beliebter Treffpunkt für Menschen, die eine gut-bürgerliche Küche sowie Bierspezialitäten aus der bayerischen Landeshauptstadt mögen. Aufgrund seiner zentralen Lage und der diversen Säle und Nebenräume finden in der Gaststätte auch viele Feiern und Veranstaltungen von Familien und Vereinen statt. Doch plötzlich fielen nicht nur Konfirmationen oder Hauptversammlungen aus, auch Publikumsmagnete wie der CC-Pfingstkongress und das Samba-Festival brachen weg. Die letzte große Sause, die es im "Münchner" gab, war 2020 (noch vor der offiziellen Wiedereröffnung!) der Rosenmontagsfasching der Narrhalla - mit 400 Besuchern! "Da war nichts mit 1,50 Meter Abstand", erinnert sich Victoria Klose und muss schmunzeln - obwohl es so bitter ist, dass es dieses Jahr am Rosenmontag still sein wird.

Victoria Klose denkt an die vielen Stammgäste und sagt: "Aus der Großfamilie, die wir hier im ,Münchner‘ sind, ist eine Kleinfamilie geworden." Sie freut sich zwar, wenn der eine oder andere Gast das sonntägliche Angebot vom "Münchner" nutzt und sich ein Essen abholt - doch was selbst beim leckersten Braten oder Schäufele auf der Strecke bleibt, ist die gemütliche Atmosphäre eines Wirtshausbesuchs. Viele fiebern deshalb dem "Tag x" entgegen.

Besondere Tischreservierung

Victoria Klose erzählt von einem Stammgast, der sich neulich per Telefon meldete: "Er hat gesagt, dass er - ab dem Tag, an dem wir wieder offen haben - gerne für eine komplette Woche einen Tisch für sich und seine Frau reservieren möchte." Kaum, dass Victoria Klose diese schöne Anekdote zum Besten gegeben hat, berichtet sie aber auch das: "Nachdem sich ein älterer Stammgast mehrmals bei uns Essen geholt hat, kam plötzlich sein Sohn. Als ich nach seinem Vater fragte, erzählte er mir, dass sein Vater an Corona gestorben ist." Victoria Klose muss kurz schlucken: "Das macht mich sehr traurig."

Doch nicht nur Todesfälle werden dafür sorgen, dass einige "Münchner"-Stammtische nach überstandener Pandemie anders aussehen werden. Victoria Klose befürchtet, dass vor allem ältere Gäste zunächst ängstlich sein und Wirtshäusern fern bleiben werden - und das, obwohl im "Münchner" so viel Platz vorhanden ist, was beim Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln sehr nützlich ist. Die Wirtin glaubt aber auch, dass einige Menschen durch den Lockdown regelrecht "wachgerüttelt" werden: "Sie merken jetzt, wie ihnen der Besuch in einem Wirtshaus fehlt."

Für Jessika Wilms ging im September 2019 ein Traum in Erfüllung: Nachdem sie 20 Jahre lang im "Ratskeller" gearbeitet hatte, übernahm sie in der Goethestraße (Ecke Zinkenwehr) die Gaststätte "Henneberger Haus", die für viele Coburger noch immer auch "der Pflaum" ist. "Die ersten Monate liefen super", erinnert sich die Wirtin - doch dann kam Corona. Aus dem Traum wurde ein Alptraum. Trotzdem gibt sich die 42-Jährige tapfer. Auf die Frage "Wie geht's?" antwortet sie: "Bescheiden!"

Kontakt zu den Gästen halten

Alles andere als bescheiden liest sich das Angebot, dass Jessika Wilms mit ihrem Team auch jetzt im zweiten Lockdown wieder stemmt: von Mittwochabend bis Sonntagmittag gibt's Essen zum Abholen, auf Wunsch wird Essen sogar nach Hause geliefert - und außer vielen klassischen Gerichten (Braten, Klöße, Schnitzel, Schäufele) steht auch regelmäßig etwas Vegetarisches auf der Karte. "Unser Nussbraten ist der Knaller", schwärmt Jessika Wilms - doch im nächsten Moment ist es auch schon wieder vorbei mit der Euphorie: "Finanziell bringt das ,to go‘-Geschäft eigentlich nichts. Es fängt die vielen laufenden Kosten kaum auf." Sie mache es aber trotzdem, weil ihr die vielen Stammgäste am Herzen liegen. "Ich möchte den Kontakt zu ihnen halten." Zumal speziell für viele ältere Gäste der mittägliche Besuch "beim Pflaum" ein fester und liebgewonnener Bestandteil im Tagesablauf ist. Doch Jessika Wilms sagt auch: "Wir sind kein typisches Abhol-Lokal wie vielleicht eine Pizzeria." Das "Henneberger Haus" stehe für urige Gemütlichkeit - und die lasse sich nun einmal nur im "Henneberger Haus" erleben. Verschärfend komme hinzu, dass der komplette Getränkeumsatz fehlt.

"Wir haben viele Stammtische", erzählt Jessika Wilms, "auch viele Kart- und Bier-Stammtische, die anderswo ja nicht immer gerne gesehen sind." Für sie hingegen gehöre auch das zur Wirtshauskultur. In diesem Zusammenhang lässt sich erklären, wie es die 42-Jährige schafft, sich trotz der schwierigen Umstände immer wieder zu motivieren: "Gastronomie - das war schon immer mein Leben, da fühle ich mich wohl! Ich brauche diesen Kontakt zu den Leuten, setze mich gerne mal mit an den Tisch."

Wann all dies wieder möglich sein wird? "Hoffentlich so schnell wie möglich", sagt Jessika Wilms. Doch so sehr sie diesen "Tag x" geradezu herbeisehnt, weil die Motivation eben doch langsam etwas nachlasse: "Realistisch ist wohl erst Ostern." Dann aber möchte Jessika Wilms am liebsten gleich richtig durchstarten. Doch sie macht sich nichts vor: "Es wird zunächst nur langsam wieder anlaufen." So gebe es zwar etliche Gäste, die "ihr" Wirtshaus zurzeit sehr vermissen und deshalb nach einer Wiedereröffnung sofort wiederkämen - doch vor allem ältere Gäste würden wohl erst einmal abwarten, weil sie noch verunsichert seien. Wenn der Betrieb allerdings nur schleppend wieder in Gang kommt, könnte Jessika Wilms schon bald vor dem nächsten Problem stehen. "Für ein gutes Geschäft in den Sommermonaten fehlt mir im Henneberger Haus ein Biergarten."

Apropos "nur schleppend in Gang kommen": Jessika Wilms ist zwar dankbar dafür, dass es für die unverschuldet in Not geratene Gastronomie staatliche Zuschüsse gibt. "Aber man muss leider ewig darauf warten, bis dieses Geld auch tatsächlich hier ankommt!" Das mache es zusätzlich schwer, "über die Runden" zu kommen.