Alarm! Bei der Notrufzentrale geht eine Meldung über einen Brand in einem Wohnhaus ein. Sekunden später legen zig Feuerwehrleute die Arbeit hin, eilen zum Gerätehaus und rücken Minuten später aus, um Leben zu retten und Feuer zu bekämpfen. Dass sie das können, erfordert Mut. Es erfordert aber vor allem auch eine intensive Ausbildung und regelmäßiges Üben. Ein Lockdown über Monate - und plötzlich der Gedanke: "Mist, den Knoten konnte ich doch im Schlaf! Warum klappt das denn jetzt nicht?" Um Ausbildungslücken möglichst zu vermeiden, fand die Feuerwehr in Neustadt einen Weg, der vielleicht auch anderen Einsatzkräften nützlich sein könnte.

"Wir stehen doch vor dem selben Problem wie die Schulen", sagt Stadtbrandinspektor Florian Höfner. Präsenzunterricht ist nicht möglich, aber Wissen soll doch weiter vermittelt werden. Es lag also nahe, ähnliche Wege zu gehen, wie die Schulen auch. Digital.

"Das gute an so einer Feuerwehr ist, dass du aus allen möglichen Bereichen Leute da hast", sagt Florian Höfner. Und natürlich sind auch ein paar Computer-Cracks dabei. "Wir fanden auch Unterstützung seitens der Stadt", lobt er. Aber ohne Eigeninitiative und viel ehrenamtliches Engagement wäre es nicht gegangen. Jetzt stehen die Ausbilder wieder vor ihren Kameradinnen und Kameraden. Die sitzen aber nicht im Schulungsraum, sondern haben sich von zu Hause aus zugeschaltet über Teams.

So lassen sich alle Theorieinhalte recht gut vermitteln. Aber auch praktische Schulung geht. "Wir haben ein paar ältere Leinen zerschnitten, damit jeder zu Hause auch seine Knoten und Stiche üben kann", sagt Florian Höfner. Ob er es gekonnt hat, kann der Ausbilder überprüfen, indem alle schön ihren Knoten vor die Kamera halten.

"Das ist für uns der große Vorteil gegenüber reinen Lehrvideos", erklärt der Stadtbrandinspektor. Die Schulung über Teams bietet auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Und der Ausbilder sieht seine Kameraden. "Da kommt auch mal ein fragender Blick rüber", sagt Sabrina Kupke. Sie ist für die Arbeit mit der Jugendwehr verantwortlich. Sechs Jugendliche bereiten sich gerade auf den späteren Übergang in die Hauptwehr vor. Und gerade bei der Jugendgruppe bietet die digitale Ausbildung Möglichkeiten über die Wissensvermittlung hinaus. "Es geht ja auch darum, die jungen Leute bei der Stange zu halten", erklärt Florian Höfner.

Körperliche Fitness ist wichtig

Sabrina Kupke lässt sich dazu immer wieder etwas einfallen. Einmal die Woche treffen sich die Sechs mit der Ausbilderin virtuell. Arbeitsblätter fährt sie noch ganz physisch aus und wirft sie in den Briefkasten.

Oder auch Spielmaterialien, denn auch das gehört zum "bei der Stange halten", dass die Ausbildung möglichst Spaß machen soll. "Jetzt bereiten wir gerade ein Stadt-Land-Feuerwehr Spiel vor", sagt Sabrina Kupke und grinst. "Wie Stadt-Land-Fluss nur mit Feuerwehr halt", erklärt sie. Für die 54 Leute der Hauptwehr werden in der Ausbildung Schwerpunkte gesetzt, etwa für Maschinisten oder Atemschutzträger. Doch es ist schon etwas mehr nötig, um fit für den Einsatz zu sein. Gerade die Atemschutzträger brauchen eine gute körperliche Verfassung und viel Ausdauer. Etwas dafür zu tun ist virtuell nicht möglich. Sich fit zu halten, daran muss jeder irgendwie selbst arbeiten.

Und noch etwas fehlt. Es sind Veranstaltungen, die den Menschen in der Stadt zeigen, dass ihre Feuerwehr da ist, dass sie etwas kann und dass der Dienst in der wehr interessant ist, eine Menge Spaß machen kann und bedeutet in einer guten Gemeinschaft eingebunden zu sein. Die Werbung neuer Mitglieder eben. Die braucht eine Feuerwehr schließlich ständig. Der Weg zum einsatzfähigen Mitglied der wehr beginnt in Neustadt schon mit der Kinderfeuerwehr.

"Da sind wir froh, dass wir 15 Kinder haben", sagt Florian Höfner. Gerade sind zwei Kinder altersbedingt aufgerückt in die Jugendwehr. Das war gut so, denn von dort waren kurz zuvor vier in die Hauptwehr eingetreten.

Doch wie sollen Kinder und Jugendliche erreicht und ihr Interesse für die Feuerwehr geweckt werden - mitten im Lockdown? Auch da soll die moderne Technik ein weg sein. "Wir wollen einen virtuellen Tag anbieten, eine Art Tag der offenen Tür aber eben digital", sagt Florian Höfner. Mitte März soll das Projekt starten. Es wird dann rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht und erklärt, wie sich Interessierte zuschalten können. Einen ganzen Nachmittag lang werden dann ganz verschiedene Bereiche vorgestellt von der Schlauchwäsche über den Atemschutz bis zum Inhalt eines Feuerwehrautos können sich die Teilnehmer alles von zu Hause aus anschauen und erklären lassen.

Virtuelle Begegnungen ersetzen am Ende nicht den persönlichen Kontakt. "Gerade bei Einsätzen ist es wichtig, dass sich die Leute gut kennen. Du vertraust den anderen blind", betont Sabrina Kupke. Doch für Florian Höfner sendet die digitale Ersatzlösung ein wesentliches Signal: "Das Leben in der Feuerwehr geht weiter, man sieht sich, auch wenn es nur virtuell ist."

Und bis jetzt zeigt sich bei den Einsätzen, dass die Wehr ihrer Aufgabe gewachsen ist. Wenn im Sommer dann wieder ein gemeinsames praktisches Üben möglich ist, wird fleißig aufgefrischt.