Prof. Dr. Christof Lamberti ist nicht nur für seine Sensibilität im Umgang mit Krebs-Patienten bekannt. Auch wenn es darum geht, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das von ihm geleitete Onkologische Zentrum am Regiomed-Klinikum Coburg zu beschreiben, wählt er Worte mit Bedacht. Nein, er schlägt nicht laut Alarm, sondern er sagt mit leiser Stimme bei einem virtuellen Pressegespräch am Mittwoch: "Aufgrund von Corona können wir zurzeit leider nicht alles so schnell durchführen wie wir möchten." Aber: Beim "täglichen Abwägen", wer stationär aufgenommen und wer wie behandelt werden kann, würden onkologische Patienten "immer ganz oben auf der Liste" stehen.

Ein Problem sei, dass Patienten nach einer Krebs-OP oft noch eine intensivmedizinische Versorgung benötigen. Doch ein Großteil der Kapazitäten der Intensivstation am Klinikum Coburg würde zurzeit von Corona-Patienten beansprucht.

Viele Tumorerkrankungen noch unentdeckt

Auf einer andere Folge von Corona wies Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke hin: Es wird geschätzt, dass seit Beginn der Pandemie bundesweit rund eine Million Tumorerkrankungen nicht erkannt worden sind. Warum? "Weil viele Menschen sich nicht getraut haben, für eine Vorsorgeuntersuchung zu ihrem Arzt zu gehen."

Anstieg der Tumorerkrankungen befürchtet

Besorgnis erregende Zahlen nannte auch Robert Wieland, der Geschäftsführer der bayerischen Regiomed-Einrichtungen: Für die kommenden Jahre werde ein starker Anstieg der Tumorerkrankungen vorhergesagt; bei Prostata-, Lungen- und Darmkrebs sogar um jeweils bis zu 17 Prozent. Um so wichtiger sei es - Corona hin oder her - regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

HINTERGRUND: Onkologisches Zentrum am Klinikum Coburg erhält erneut Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft

Das Onkologische Zentrum am Regiomed-Klinikum in Coburg war 2010 erst das vierte seiner Art in der gesamten Bundesrepublik, das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert wurde. Mit dem Zertifizierungssystem möchte die DKG, wie sie auf ihrer Internetseite erklärt, "die Betreuung onkologischer Patienten verbessern und ihnen in jeder Phase ihrer Erkrankung eine Behandlung ermöglichen, die sich an hohen Qualitätsmaßstäben orientiert." Deshalb müssen Onkologische Zentren jährlich nachweisen, dass sie die fachlichen Anforderungen für die Behandlung einer Tumorerkrankung erfüllen. Das Onkologische Zentrum in Coburg hat das jetzt erneut geschafft. Weitere Infos zur Zertifizierung auf www.krebsgesellschaft.de

In klassischen Organkrebszentren sind Mediziner auf ein bestimmtes Organ spezialisiert. Ein Onkologisches Zentrum hingegen vereint unter seinem Dach mehrere Fachzentren; so gibt es am Klinikum Coburg auch noch (ebenfalls zertifizierte) Zentren für Brust, Darm, Gynäko-Onkologie, Viszeralonkologie sowie für bösartige Bluterkrankungen. Diese arbeiten untereinander sowie auch mit anderen Abteilungen im Klinikum eng zusammen ("interdisziplinär"). Zentrumsleiter Christof Lamberti nennt als Ziele für die Zukunft unter anderem eine Etablierung der (noch nicht zertifizierten) Zentren für Lunge und Prostata . Weitere Infos unter www.regiomed-kliniken.deos