Jede Zeit ihren Stil und ihre Art, besondere Anlässe zu begehen. Eine feierliche Inszenierung mit reichlich Hochadel auf dem prächtig geschmückten Marktplatz - so inszenierte Coburg heute vor genau 150 Jahren die Einweihung des Denkmals von Prinz Albert. Ein Jahrhundert später ging es immer noch sehr feierlich zu. Der damalige Oberbürgermeister Walter Langer führte eine städtische Abordnung an, die zum 100. Jahrestag der Denkmalsweihe einen Kranz niederlegte.



Und heute? Für die Feier zum 150. Jahrestag hat sich die Stadt eine ganz moderne Variante der Huldigung einfallen lassen. In den Zeiten des Internets hat Michael Böhm als Koordinator Stadtmarketing eine Aktion gestartet, bei der Exil-Coburger in aller Welt aufgerufen wurden, sich vor Albert-Denkmälern entweder zu fotografieren oder per Video zu zeigen.


Live auf dem Markt

Immerhin gibt es weltweit mehr als 30 Statuen, die dem Prinzgemahl aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha gewidmet sind. Am heutigen Jubiläumstag ist gibt es zudem eine Skype-Konferenz auf dem Marktplatz. Auf zwei Bildschirmen sollen dann möglichst viele Menschen zu sehen sein, die sich neben oder vor einem Albert-Denkmal irgendwo in der Welt befinden. "Eine kleine, spannende Veranstaltung" nennt Böhm diese ungewöhnliche Albert-Huldigung, die um 14.30 Uhr beginnen soll. Die Resonanz auf den Aufruf sei im Vorfeld "nicht überwältigend" gewesen, räumt er ein, betont freilich auch: "Schließlich ist das ein Experiment, wir wollen ausprobieren, ob das überhaupt funktioniert."


Rückblende: Eine Spende von Queen Victoria ermöglichte einst den Bau des Denkmals. Am 14. Dezember 1861 war Prinzgemahl Albert im Alter von nur 42 Jahren verstorben. Erste Anstöße, Albert in Coburg ein Denkmal zu setzten, gab es schon im Jahr darauf. Bereits am 1. August 1862 traf sich ein "provisorisches Comitee zur Errichtung eines Denkmals für den Prinzen Albert", wie in den Akten des Stadtarchivs verzeichnet ist.


Als die Queen von den Plänen der Coburger hörte, machte sie die Statue der Residenzstadt zum Geschenk. Das überlebensgroße Standbild wurde in Nürnberg gegossen. Nur für die Anschaffung des Sockels musste die Stadt damals selbst aufkommen.


Für die feierliche Einweihung war, wie historische Fotos und Darstellungen zeigen, eine große Tribühne für die Ehrengäste vor dem Rathaus errichtet worden. Darauf nahmen "Seine Hoheit der Herzog und Ihre Hoheit die Frau Herzogin neben den Durchlauchtigsten Gästen und deren Hofstaaten und Begleitern Platz", wie es in zeitgenössischen Berichten heißt.


Adeliges Familientreffen

Bereits am 11. August 1865 war die britische Königin Victoria in Schloss Rosenau eingetroffen, um diesem feierlichen Ereignis beizuwohnen. Begleitet wurde sie bei ihrem fünften Besuch in Coburg von ihren jüngeren Kindern.


Am 25. August 1865 reisten dann der Kronprinz von Preußen und Gemahlin Vicky an sowie Prinz und Prinzessin von Wales und der Herzog von Cambridge - die älteren Kinder von Queen Victoria und ihrem knapp vier Jahre zuvor verstorbenen Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Auf diese Weise wurde die Einweihung des Denkmals zu einer Art der Familienzusammenführung des europäischen Hochadels mitten in Coburg. J.B.