Seit 50 Jahren werden in Neustadt Fundtiere betreut und vermittelt
Autor: Manja von Nida
Neustadt bei Coburg, Freitag, 08. Juli 2016
Der Tier- und Naturschutzverein besteht seit 50 Jahren. Im Mittelpunkt stand und steht die Vermittlung von Fundtieren. Am Sonntag wird Jubiläum gefeiert.
Liebe auf den ersten Blick soll es zwischen Zwei- und Vierbeinern auch geben. Vielleicht verliebt sich ja jemand in die Samtpfote Lucy oder die Katzengeschwister Sissi und Franzl, wenn am Sonntag, 10. Juli, der Tier- und Naturschutzverein (TSV) Neustadt ab 14 Uhr zum Sommerfest in den Hof seiner Kleintier-Auffangstation in die Ludwig-Jahn-Straße 3 einlädt. Heuer blickt der Verein auf sein 50-jähriges Bestehen. Es soll ein gemütliches Sommerfest wie in jedem Jahr werden, mit Tombola und Selbstgebackenem. Und natürlich möchte der Tierschutzverein den Besuchern auch Einblicke in seine Arbeit gewähren.
Am 1.1.1966 erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister, mit 66 Mitgliedern. Es gab elf Gründungsmitglieder, Ilse Dietzel ist mittlerweile die Einzige, die noch aktiv ist.
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Bis vor zwei Jahren stand Tierfreundin Dietzel noch im Tombola-Wagen.
Stadtrat Hermann Förster war der erste Vorsitzende
Der damalige Stadtrat Hermann Förster übernahm den ersten Vorsitz. Die Stadt überließ dem Verein ein Gelände in der Mühlenstraße. Dort wurden ein Vereinsheim, eine kleine Hundezwingeranlage und eine Auffangstation errichtet. Besorgte Menschen brachten verletzte Tiere, die ärztlich versorgt und gesund gepflegt wurden. Ausreißer wurden aufgenommen und wieder nach Hause gebracht. Selbst die "Sorgenkinder" erhielten bei tierlieben Menschen ein Pflegeplätzchen bis zur Vermittlung.Auch Exoten standen auf der Gästeliste. "Wir hatten schon recht lustige Sachen", erzählt Vorsitzende Siglinde Waschkeit. Eine Schlange reiste in ein Blumengeschäft im "Fun-Karton" aus Costa Rica ein. Die Aufregung dort bis zur Entwarnung war ganz schön groß. Es war eine harmlose Blindschleiche. Eine junge Spornschildkröte mit 25 Kilo Gewicht war ebenfalls zu Gast. Sie fiel mit dem großen Panzer auf ihrem Streifzug in Fechheim auf. Ihre Besitzer waren heilfroh, sie beim Verein wieder abholen zu können. Ein betagtes Jemen-Chamäleon machte sich selbstständig. "Alle Fälle hatten ein Happyend, bis auf ein außergewöhnliches Fundtier, einen Tigerpython. Der lebte nicht mehr. Er wurde 2010 bereits tot hier im Wald gefunden", erinnert sich Waschkeit.
Die Mitgliederzahl hat sich eingependelt
Die Mitgliederzahl wuchs nach zehn Jahren auf 230. Nach 28 Jahren, 1994, legte Vorsitzender Förster sein Ehrenamt in jüngere Hände. Die Tierärztin und Tierschützerin Dr. Sabine Hausser führte den Verein dann bis 2009 rund um die Uhr. Die Arbeit wurde nicht weniger.
Beim 30-jährigen Bestehen 1996 erlebte der Verein mit rund 500 Mitgliedern einen wahren Boom. In den vergangenen Jahren hat sich die Mitgliederzahl auf 350 eingependelt.Nach 25 Jahren Vorstandstätigkeit fand Vorsitzende Hausser in Waschkeit 2009 eine Nachfolgerin. Waschkeit erwarb die erforderlichen Zertifikate zur Leitung der Auffangstation. Hauptsächlich Katzen finden hier die erste Bleibe. Für Hunde sei die Anlage nicht ausgerichtet, sagt Waschkeit. Doch würden alle Hebel in Bewegung gesetzt, in erster Linie den Besitzer ausfindig zu machen. Das gelinge fast immer. "Wir arbeiten in guter Kooperation mit der Polizei, der Feuerwehr und den Tierheimen Sonneberg und Coburg", sagt die Leiterin. Die Zahl aufgenommener Fundtiere pro Jahr habe sich von circa 100 im Jahr 2001 auf gut 160 Tiere gesteigert.
Den Umgang mit Tieren ist Waschkeit von Kindheit an gewöhnt
Umgang mit Tieren hatte Siglinde Waschkeit von Kindesbeinen an. "Ich hatte alles: Vögel, Fische, Hund, Katze, Kaninchen, immer in gewissen Abständen. Und mit mir wurden die Tiere dann auch immer größer", sagt sie lachend. Ihren Ehemann Günter habe sie dazu überreden können, den Vereinskassierer zu machen. Außerdem gestalte er die Homepage und das Vereinsprogramm. "Aber ohne meine Mitarbeiter wäre das alles gar nicht möglich", sagt Waschkeit anerkennend, denn neben dem Tierschutz zähle ebenso der Naturschutz. Und natürlich sind - wie in jedem Verein - Mithelfer gesucht. "Wir suchen dringend einen Kassierer-Nachfolger. Und wir haben nicht mehr so viele Ehrenamtliche. Wir sind fast nur noch Frauen", sagt Waschkeit.
Der Erlös aus Festen, Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Tombolas sicherten die Vereinsfinanzen.In der Mühlenstraße werden nur noch Kaninchen und Meerschweinchen beherbergt. In der Ludwig-Jahn-Straße 3 steht die Auffangstation. Dort ist auch der Tierschutzverein beheimatet. Derzeit leben dort sieben Katzen. Fund-Kater Anton ist eines dieser Tiere. Das muntere Kerlchen hat hier Quartier bezogen und ist sozusagen in Reha. Woher er stammt, bleibt sein Geheimnis.
Sieben Katzen in der Auffangstation suchen ein neues Zuhause:
"Anton: seit Anfang April, wird noch behandelt, muss noch in Obhut bleiben.Pflegestelle für Sam, einen Diabetiker-Senior, gesucht oder Sam mitnehmen und einfach für immer behalten!!! Sam ist seit zwei Monaten in der Auffangstation.
Sam war ein Dorfkater, Freigänger, ließ sich anfassen und streicheln. Wurde in einem sehr schlechten Zustand gefunden und daher zum Einschläfern hergebracht. Bevor Tierärztin Hausser Tiere einschläfert, wird gründlich untersucht. Der Übeltäter seines schlechten Zustands war Diabetes. Sam wurde behandelt. Er bekommt jetzt zweimal täglich Insulin gespritzt und Diabetiker-Futter. Sam hat sich gemausert und wurde kastriert und ist jetzt ein nettes Kerlchen.
Drei Katzenmädchen (Lucy, Mausi, Judy) (ca. 2-5 Jahre jung): wegen eines Todesfalls zu vermitteln; alle schauen sich sehr ähnlich: grau-braun getigert mit weiß;
Ein Kätzchen ist sehr schüchtern, wurde kastriert, war reine Wohnungskatze.
Das andere Kätzchen ist etwas zurückhaltend, jedoch nicht so scheu wie das erste, war Freigänger;
Das dritte Kätzchen Lucy ist sehr aufgeschlossen, einfach nett und schmust ohne Ende, war Freigänger.
Junges Geschwisterpaar (¾ Jahr): Sissy, wunderschön dreifarbig, und Franzl, rot-weiß-getigert (kamen mit starkem Schnupfen (chronisch), brauchen etwas Augentropfen. Beide sind kastriert und sehr verschmust. Sissy ist vorsichtiger, Franzl ist ein kleiner "Hau-drauf", aber immer mit eingezogenen Krallen! Beide wurden kurz nach Weihnachten auf der Landstraße zwischen Fechheim und Fürth am Berg nachts um halb elf gefunden. Sie wären ideal für Berufstätige, sollten zusammenbleiben. Sie spielen, schmusen und hauen sich miteinander, wie es halt unter Geschwistern üblich ist.
Auch ein Zwergkaninchen, "Hexe", gibt es; das Tier ist derzeit wegen Umbaus in einer Pflegestelle.