Insgesamt 13 Schüsse hatte Axel Manthei, Waffen-Sachverständiger des Landeskriminalamtes, am vergangenen Mittwoch aus der Original-Tatwaffe im Keller des Alten Schützenhauses auf einen Sandkugelfang abgefeuert, wie er der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg am Dienstagmorgen berichtete. Nach den Schussversuchen hätten sich an der Decke rund 260 "eindeutige Schmauchpartikel" befunden, weiter hinten im Raum seien es immer noch gut 100 Schmauchspuren gewesen. Bei der ersten Untersuchung des Kellers hatte Manthei jedoch keinerlei Spuren entdeckt, die darauf schließen lassen, dass in dem Keller mit Schrot geschossen worden war.

Um zu klären, ob die Spuren möglicherweise mit der Zeit verschwinden, hatte der Gutachter eigens unter seinen Kollegen weltweit eine Umfrage per E-Mail gestartet, denn eine wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema gebe es nicht. "Alle Kollegen, die ich befragt habe, würden aber auch nach der langen Zeit Schmauchspuren erwarten", sagte Manthei. Und auch er persönlich sei der Meinung, dass dort nach zweieinhalb Jahren noch etwas zu finden sein müsste.

Mit diesem Ergebnis gerät Ulrich S.' Geschichte, er habe regelmäßig mit der Schrotflinte im Keller Ratten gejagt, weiter ins Wanken. Der Angeklagte hatte am 6. Oktober 2012 seine Ehefrau Marie S. erschossen. Er behauptet, er sei mit der Flinte auf dem Weg in den Keller gewesen, um dort Ratten zu schießen. Dabei sei er über seinen Hund gestolpert und der tödliche Schuss auf seine Frau habe sich gelöst.

Ex-Eigentümer will Spanplatten verlegt haben

Weil Ulrich S. im Laufe des Verfahrens behauptet hatte, der Kellerboden sei zeitweise mit Spanplatten bedeckt gewesen - dies hat der ehemalige Eigentümer des Alten Schützenhauses im Übrigen am Dienstag bestätigt - hat Manthei auch damit entsprechende Versuche unternommen. Aus neun und aus fünf Metern Entfernung schoss er auf eine 90 Millimeter starke Bodenverlegeplatte. Bei neun Metern Abstand war die Platte an der Oberfläche aufgerissen, bei fünf Metern durchschlugen die Kugeln das gepresste Holz.

Auch die Lautstärke der Schüsse hat Manthei überprüft, denn Ulrich S. will bei der Rattenjagd keinen Hörschutz getragen haben. Als Manthei also im Keller - selbstverständlich mit Kopfhörern - die Schüsse abgegeben hat, hätte die draußen versammelte Presse angesichts der Lautstärke "einen Satz nach hinten" gemacht. Manthei: "Ich würde nicht ohne Kopfhörer da unten schießen. Das ist heftig! Da pfeifen einem die Ohren."

Am Mittwoch um 15 Uhr wird zunächst noch einmal Rechtsmediziner Stephan Seidl aussagen, anschließend werden aller Voraussicht nach die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers sprechen. Ob das Urteil dann auch schon fallen wird, ist noch offen. Wahrscheinlicher ist aber, dass es erst am Donnerstag um 8.15 Uhr gesprochen wird.