Gefeiert wurde bis 1 Uhr nachts. Dann gönnte sich Tobias Ehrlicher erst einmal eine Verschnaufpause - und zwar richtig: Bis 11 Uhr blieb gestern das Handy aus. Denn der künftige Bürgermeister von Bad Rodach hatte schon so eine Vorahnung, was da alles auf ihn zukommen wird: "Bereits am Wahlabend habe ich über 300 Mails und SMS bekommen!"

Am Montag ging der Rummel weiter. Zig Rundfunk- und TV-Stationen wollten mit dem Mann sprechen, der es mit seinen erst 25 Jahren nun also bereits auf einen Bürgermeistersessel geschafft hat. Bleibt dazwischen überhaupt Zeit, das Geschehene beziehungsweise das Bevorstehende zu begreifen? Zu begreifen, wie sich das Leben ab dem 1. November verändern wird? "Ja, realisiert habe ich es schon", sagt Tobias Ehrlicher im Gespräch mit dem Tageblatt - und doch fallen im weiteren Verlauf die Worte "unglaublich", "ist schon irre" und "gigantisch". Nein, das räumt der Senkrechtstarter ein, mit einem solch klaren Sieg habe er nicht gerechnet.

Was war sein Erfolgsrezept? Tobias Ehrlicher überlegt: "Ich muss mich nicht verstellen, wenn ich auf die Menschen zugehe." Deshalb hätten die Bad Rodacher wohl auch gemerkt: "Der Junge, der will wirklich!"

Dankbar für wervolle Tipps unter Kollegen

Dankbar ist Tobias Ehrlicher, dass ihm so viele erfahrene Politiker mit Tipps geholfen haben. Stellvertretend nennt er den Bürgermeister von Grub am Forst, Kurt Berneuther, Neustadts OB Frank Rebhan, Coburgs Zweiten Bürgermeister Norbert Tessmer sowie den Bad Rodacher Axel Dorscht. Sehr gefreut habe es ihn, dass Coburgs OB Norbert Kastner sowohl am Wahlabend als auch schon bei der Nominierungsversammlung im Mai nach Bad Rodach gekommen ist. Und obwohl es sich bei diesen fünf Personen durchweg um SPD-Politiker handelt, glaubt Tobias Ehrlicher nicht, dass seine Parteizugehörigkeit die entscheidende Rolle gespielt hat: "Das war eine Personenwahl." Sagt's, und bedankt sich gleich im nächsten Atemzug bei seinen Mitbewerbern Susanne Reinhardt und Lars Otto für den stets fairen Wettstreit. Im Zusammenhang mit Lars Otto schließt er sich zudem den Worten des gestrigen Kommentars im Coburger Tageblatt an: "Ich hoffe, dass er sich auch weiterhin so sehr in Bad Rodach engagiert." Unter anderem ist Lars Otto treibende Kraft der Werbe-Interessengemeinschaft WIR, des Netzwerks "Bad Rodach begeistert" und beim Kino "Kuhlisse".

Doch zurück zum Wahlsieger, der zwar noch ein paar Tage Urlaub hat, doch am Dienstag schon einmal mit seinem Noch-Arbeitgeber über die noch verbleibende Zeit sprechen wird. "Ich weiß gar nicht, welche Kündigungsfrist ich genau habe", sagt Tobias Ehrlicher und schmunzelt. Noch-Bürgermeister Gerold Strobel habe ihm angeboten, schon im Oktober zu einigen wichtigen Terminen mitzukommen. Tobias Ehrlicher wird dieses Angebot gerne annehmen. Geplant sei etwa ein gemeinsamer Besuch beim Regierungspräsidenten.

Beim Regionentalk der Sparkasse Coburg-Lichtenfels hatte Tobias Ehrlicher erklärt, dass es seine erste Amtshandlung als Bürgermeister wäre, nach Coburg zu fahren, um mit Norbert Kastner über die Zukunft der Therme zu verhandeln - für den Fall, dass es mit der Gründung eines Zweckverbands nicht bis Ende Oktober klappen sollte. Diese Aussage gilt noch immer. Wobei Tobias Ehrlicher heute noch hinzufügt, dass es ihm natürlich am allerwichtigsten sei, nach Amtsantritt so schnell wie möglich alle seine künftigen Mitarbeiter kennenzulernen.

Kandidatur für Kreistag geplant

Und wie sieht's aus mit weiteren Karriereplänen, nach denen Tobias Ehrlicher gestern auch immer wieder gefragt wurde? Schließlich kann jemand, der bereits mit 25 Bürgermeister ist, doch locker mit 33 Landrat und mit 40 vielleicht schon Kanzler oder zumindest Ministerpräsident werden?! Tobias Ehrlicher winkt erwartungsgemäß ganz bescheiden ab. Nur eines habe er sich mittelfristig vorgenommen: "2014 will ich in den Kreistag - denn da muss man als Bürgermeister rein!"

Apropos Reinkommen: Ein weiterer Sieger der Bürgermeisterwahl ist Hermann Liebermann. Er rückt auf der SPD-Liste in den Bad Rodacher Stadtrat nach, weil Tobias Ehrlicher ja seinen Platz gegen den des Bürgermeisters tauscht.

Mehr zur Bürgermeisterwahl lesen Sie am Dienstag im Coburger Tageblatt (Printausgabe)