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Nur einkaufen – nicht bummeln


Autor: Sven Dörr

Coburg, Mittwoch, 25. März 2020

Der Wochenmarkt in Coburg darf trotz Corona stattfinden. Die Verantwortlichen haben die Bedingungen angepasst – und die Besucher ihr Verhalten. Inmitten der gedämpften Stimmung blitzt bei manchen Besuchern auch Freude durch.
Der Coburger Wochenmarkt findet auch in Zeiten von Corona statt. Die Marktstände sind weiter auseinander als sonst, um den nötigen Sicherheitsabstand zu gewährleisten. Auch die Besucher passen sich an - kontaktfrei kaufen sie ein und ziehen weiter.  Fotos: Sven Dörr


Wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein. Die Holzstände werfen Schatten. Obst-, Gemüse-, Gewürz-, und Blumenhändler präsentieren ihre Ware. Die Stimme von Marktplatzoriginal Otto Renner ist nicht zu überhören. Frühling liegt in der Luft – obwohl die Temperaturen noch etwas frisch sind. Ein perfekter Tag für einen Einkauf auf dem Coburger Wochenmarkt – eigentlich. Wäre da nicht das Coronavirus. Nicht nur der Thermometerstand könnte also höher sein, auch das Stimmungsbarometer hat noch Luft nach oben.

Die Abstände innerhalb der Schlangen lassen kaum Gespräche zu. Wenn doch mal eins geführt wird, endet es meist mit "bleib gesund". "Die Leute sind sehr diszipliniert. Sie kommen, kaufen ein und gehen wieder nach Hause. Das Bummeln fällt halt jetzt weg", fasst Alexander Och die Situation zusammen. Hinter seinem Stand stehend ergänzt er: "Die Stimmung ist trotzdem nicht schlecht. ,Bassd scho‘, würd' ich sagen."

Vorbildliches Verhalten

Vereinzelt sind Menschen mit Masken und Handschuhen unterwegs. Schilder mit der Aufschrift "Bitte 1,5 Meter Abstand halten" sind zu sehen. Die Menschen halten sich daran. Eine vorbeifahrende Polizeistreife sieht keinen Anlass verstärkt zu kontrollieren. Ein Beamter steigt zwar aus dem Wagen – nutzt die Gelegenheit allerdings nur, um sich mit Gewürzen einzudecken.

Auch Carolin Faber ergreift heute die Chance beim Schopf: "Normalerweise muss ich mittwochs arbeiten. Aber durch Corona habe ich jetzt frei und kann einkaufen", erzählt die Friseurin. Sie hält die Ausgangsbeschränkungen für sinnvoll, dennoch fallen sie ihr nicht leicht: "Ich bin in meinem Beruf viel unter Menschen. Das vermisse ich schon. Entsprechend ist der Besuch auf dem Markt für sie ein kleines Ventil: "Hier kann man wenigstens ein bisschen am Leben teilhaben". Während sie für ihren Salat bezahlt, achtet sie auf den nötigen Sicherheitsabstand zum Verkäufer. "Jeder passt auf, das ist gut so", sagt sie. "Es sind aber wirklich wenig Menschen hier."

Dem stimmt Kerstin Seifert zu. Die rüstige Rentnerin muss es wissen: "Ich bin immer auf dem

Wochenmarkt – jeden Mittwoch und jeden Samstag." Also auch in Krisenzeiten. Angst habe sie keine. "Man muss ja mal raus und sich was zu essen besorgen." Besonders über den Blumenverkauf freut sie sich sehr. Deshalb steht sie vor dem Stand von Alexander Och. Der verkauft welche – direkt aus seiner Gärtnerei. Daneben: Kopfsalat, Gurken, Lauch – auch Obstkisten sind zu sehen. Vereinzelt kommt die Kundschaft, kauft und zieht zum nächsten Stand. Die Gänge zwischen den Ständen bieten genug Platz, um sich nicht zu nahe zu kommen.

Mehr Abstand als zuvor

Am vergangenen Samstag war das teilweise anders, räumt Marktmeister Christian Dudda ein. "Wir haben gemerkt, dass wir das so nicht lassen können." Also wurden die Stände weiter voneinander entfernt. In der angrenzenden Spitalgasse sei aktuell genug Platz vorhanden, um das auch für größere Markttage zu gewährleisten, fährt Dudda fort. Er appelliert jedoch auch an die Vernunft der Bürger, sich an bestehende Regeln zu halten. Bisher habe das in fast allen Fällen geklappt: "Ein, zwei Ausnahmen gibt es immer. Wenn jemand zu nahe auf die Pelle rückt, wissen die Leute aber, wie sie damit fertig werden." Jedenfalls die, die noch kommen. An den Markttagen in Zeiten von Corona sei bisher höchstens die Hälfte der üblichen Besucher da gewesen, berichtet Dudda. Der geplante Ostermarkt wurde indes schon abgesagt.