Nach exzessivem Videospielen und Alkoholkonsum verletzte ein 20-Jähriger aus dem Itzgrund in einer Mainacht seinen Freund schwer. Der Mann war in eine virtuelle Welt abgedriftet und bildete sich ein, in einem realen Krieg zu kämpfen. Nach einem Urteil des Landgerichts ist nun Schluss mit Alkohol, Psychothrillern und Ballerspielen.
Eine solche Tat wurde noch kaum vor dem Landgericht Coburg verhandelt: Der 20-jährige Mann aus dem Itzgrund verletzte seinen schlafenden Freund im Gesicht und am Auge. Unter anderem erlitt das Opfer durch die Faustschläge ins Gesicht einen Bruch des Augenhöhlenbogens und einen Muskelriss.

Prügeleien an sich kommen öfters vor: Vorher hatten die jungen Männer allerdings nicht nur Bier und Schnaps getrunken und Erwachsenenvideos gesehen, sondern auch Kriegsspiele am PC gespielt.
Und dieser exzessive Konsum von Ballerspielen ließ den jungen Mann, den ein Psychiater als abhängige und eher ängstliche und gehemmte Persönlichkeit bezeichnete, in eine virtuelle Kriegswelt abdriften, in der er seinen Freund für einen Feind hielt, den es zu beseitigen galt.

Am Mittwoch musste sich der junge Kaufmann deshalb wegen versuchten Mordes vor der Ersten Großen Jugendkammer verantworten. Fast eine Stunde lang erörterte der Facharzt für Psychiatrie die in der Tatnacht im Mai dieses Jahres aufgetretenen Wahrnehmungsstörungen des jungen Mannes, die ihn glauben ließen, mitten in einem Kriegsgeschehen zu stehen.


"Totaler Realitätsverlust"

Der Gutachter sprach von totalem Realitätsverlust und einer Bewusstseinsveränderung bei dem Angeklagten und von einem "pathologischen Rauschzustand". Er errechnete einen Blutalkoholwert von 2,33 Promille. Von einer dauerhaften Störung der Geistestätigkeit ging der Experte allerdings nicht aus. Der junge Mann sei zur Tatzeit schuldunfähig, sein Einsichts- und Steuerungsvermögen sei aufgehoben gewesen, erklärte er.
Der junge Mann saß seitdem in der Justizvollzugsanstalt in Kronach in Untersuchungshaft. Nun fällte die Schwurgerichtskammer ihr Urteil: Der junge Kaufmann wurde wegen fahrlässigem Vollrausch zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und zur Ableistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.


Etliche Auflagen

Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt - allerdings mit hohen Auflagen. So erhielt der junge Mann ein Verbot, Computerspiele jeglicher Art zu spielen und Örtlichkeiten aufzusuchen, in denen gespielt wird, wie beispielsweise Spielhallen oder Computermessen, außerdem ein Verbot, Filme jeglicher Art zu schauen, die erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben sind. Auch der Besitz von Filmen und Computerspielen ähnlicher Art wurde ihm untersagt.

Zudem muss er sich dem Konsum von illegalen Drogen, rauscherzeugenden Substanzen und Alkohol enthalten. Dafür hat sich der Mann regelmäßig, mindestens aber zweimal im Jahr, medizinischen Kontrollen zu unterziehen, die da wären: Messen des Atemalkoholwertes, Untersuchung von Haar- und Urinproben und - mit seiner Zustimmung - auch Auswertung von Blutentnahmen.