Ab dem 15. März gilt für medizinische Einrichtungen eine Covid-19-Impfpflicht. Weil sich ein Neustadter Mediziner weigert, hat sein Team gekündigt. Warum das für den Chef kein Problem ist und was Telegram damit zu tun hat.
Das Foto auf der Homepage zeigt den Augenarzt mit seinem Team. Alle lächeln freudig in die Kamera. Mit dieser trauten Einigkeit ist es ab dem kommenden Monat vorbei. Fast das komplette Team, darunter Mitarbeiterinnen, die seit Jahrzehnten in den beiden Praxen in Neustadt und Sonneberg angestellt sind, haben zum 31. März gekündigt. Weil sich ihr Chef nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen will.
"Es stimmt, wir haben gekündigt, weil wir in dieser Praxis keine Perspektive mehr sehen", bestätigt eine Mitarbeiterin unserer Zeitung, als wir in der Praxis von Ulrich Nimz anrufen. Die Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet weiter, dass das Verhältnis zwischen dem Augenarzt und seinen Angestellten in den vergangenen Monaten zunehmend gelitten habe.
Kein Verständnis vom Chef
Den endgültigen Grund für die gemeinschaftliche Kündigung habe schließlich die Impfpflicht für Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen gegeben, die am 15. März in Kraft treten soll. Denn ihr Chef weigert sich weiterhin, sich gegen das Corona-Virus immunisieren zu lassen. "Wir haben Angst, dass wir ab dem 16. März ohne Arzt da stehen und keine Patienten mehr behandeln können." Ohne einen behandelnden Arzt drohe schließlich allen Mitarbeiterinnen die Kurzarbeit. "Klar: Ob man sich impfen lässt oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Aber wir haben alle unsere finanziellen Verpflichtungen, haben teilweise Kredite für unser Haus abzubezahlen. Wenn der Chef dafür kein Verständnis hat und nur darauf aus ist, seinen Stiefel durchzuziehen, dann wird es schwierig." Für die Kündigungen habe nicht jeder Patient Verständnis. "Uns wurde häufiger vorgeworfen, wir würden unseren Chef im Stich lassen. Aber wir müssen auch an unsere Familien denken."
Was sagt Ulrich Nimz, der aus seiner Meinung zur Corona-Impfung keinen Hehl macht und laut dem Freien Wort auch schon Corona-Proteste in Sonneberg organisiert hat, zu den Vorwürfen seiner scheidenden Mitarbeiterinnen? Auf Presseanfragen reagiert er nicht, teilt schließlich per Mail mit, dass er sich nicht äußern möchte.
Auf Youtube ist der Augenarzt umso gesprächiger. In einem 40 Minuten langen Interview auf dem Kanal "UnterVerschlussTV" steht er dem Moderator "Mecit", der sich selbst als Medizinjournalist bezeichnet und laut Kanalbeschreibung das "Studium für Heilpraktiker besucht" hat, Rede und Antwort. Dort finden sich Videos wie "Anonymous erklärt Krieg gegen Russland" oder "Die Impfpflicht ist verfassungswidrig. Jetzt kommt die Klage!" Ulrich Nimz, der laut eigener Aussage seit 31 Jahren seine Praxis betreibt, erzählt, die Kündigungsschreiben der einzelnen Mitarbeiterinnen seien für ihn "völlig überraschend" eingegangen, jeden Tag eine. Alle fünf Mitarbeiterinnen, die gekündigt haben, seien gegen das Corona-Virus geimpft. Nur eine, die sich aktuell noch im Genesenstatus befindet und sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen könne, würde bislang bleiben. "Mein Glück, dass mir eine meiner bisherigen Mitarbeiterinnen die Treue halten muss, aus Zwang."
Auch die junge Augenärztin wandert ab
Ulrich Nimz sieht sich in der Geschichte als Opfer und sagt weiter, dass seine Kollegin, eine junge Augenärztin, die er in seiner Praxis ausgebildet hat, acht Wochen vor den Anderen gekündigt hat - mit der Begründung, dass sie Angst habe, dass er nach dem 15. März seine Praxis nicht mehr betreten könne. Dabei, klagt Ulrich Nimz, hätte die junge Kollegin doch auch in diesem Fall den Praxisbetrieb am Laufen halten können. Die sei ja schließlich geimpft. "Aber die junge Kollegin zieht es vor, 500 Meter weiter eine eigene Praxis aufzumachen." Fast alle scheidenden Mitarbeiterinnen würden nun zu ihr überlaufen. Dass besagte Augenärztin eine eigene Praxis in Sonneberg eröffnen will, bestätigt eine der Kolleginnen auf Nachfrage.
Aber warum lehnt der Mediziner die Corona-Impfung so vehement ab? Auch dafür liefert Nimz eine Erklärung: Er habe zwischenzeitlich bei fünf seiner Patienten, die gegen Covid-19 geimpft waren, Augenthrombose festgestellt - und führt das auf eine Nebenwirkung der Corona-Impfung zurück. Seine Kollegin, die "Impf-Fan" sei, habe hingegen solche Symptome nicht beobachtet. Jetzt will es der Interviewer genau wissen, fragt bedeutungsschwanger: "Sind die Menschen blind, während sie sehen?" Die Antwort des Augenarztes: "Man hat das Gefühl, dass sie verdrängen möchten, was sie sich da angetan haben."
Kurzarbeit wäre auch eine Lösung
Die Entscheidung seiner langjährigen Angestellten kann Ulrich Nimz nicht nachvollziehen. Kurzarbeit sei schließlich auch eine Lösung gewesen. Und weiter: "Warum vertrauen sie nicht? Ich kann das nicht glauben, dass das die Gesundheitsämter das mitmachen, was der Gesetzgeber vorgibt, sondern es da eine Übergangsfrist geben wird. Bis das alles so weit ist, wird es Herbst."
Doch auch, wenn langjährige Mitarbeiterinnen bald die Praxis verlassen: Nachdem mehrfach in der Telegram-Gruppe "Freiheitsboten Coburg" über das "Schicksal" von Ulrich Nimz berichtet wurde, hätten in zahlreiche Bewerbungen erreicht. "Wir sind traurig, dass wir einigen absagen müssen."
Meinungen gehen auseinander
So polarisierend die Corona-Impf-Debatte ist, so unterschiedlich fallen auch die Meinungen über den Arzt aus. "Ich wünschte, es würde mehr Ärzte wie Sie geben. Bitte halten Sie durch", schreibt ein Patient vor einer Woche eine Google-Bewertung über die Praxis, ein anderer: "Bleiben Sie stark." Unter dem Youtube-Video kommentiert ein Nutzer: "Aufrecht bleiben." Doch es gibt auch Kommentare, die lauten "Mein Respekt gebührt den ehemaligen Angestellten" und Hochachtung vor den Mitarbeitern."