Coburg ist ja insgesamt ein wunderschönes Baudenkmal, viel Mittelalter auf engstem Raum.
Sie interessieren sich ja sehr für Geschichte. Was fasziniert Sie dabei am meisten?
Ich interessiere mich vor allem für das Gegenwärtige in der Geschichte und umgekehrt. Schon vor 500 Jahren stellten die Läden Werbetafeln vor die Tür, jede Generation interessierte sich wenig für Geschichte, aber immer brennend für die Zukunft. Und auch wir dürfen nur eine gewisse Zeit im Fluss der Ereignisse mitschwimmen, bis die Dinge ohne uns weitergehen. Da ist es natürlich wichtig, unseren Lebensraum besser weiterzugeben als wir ihn vorgefunden haben. Da gibt es noch viel zu tun.
Und was ist das Besondere an der Coburger Geschichte?
Der Eifer mit dem die Stadt beim Nationalsozialismus mitmachte ist bizarr. Doch es kommt immer darauf an, was man lernt. Dass Coburg als erste deutsche Stadt Hitler schon 1932 die Ehrenbürgerrechte verlieh, wiegt im Nachhinein nicht so schwer wie der Umstand, dass der Diktator heute immer noch Ehrenbürger von Ichenhausen ist.
Nun zu Ihrem Auftritt bei der Museumsnacht: Welches Ereignis hat Sie dazu bewogen, die "Patzer des Adels" in einem Kabarett zu behandeln?
Ich fand es immer so ungerecht, mit welchem Pathos immer am 20. Juli dem Widerstand des Adels gegen Hitler gedacht wurde, obwohl es weitere 41 völlig unbekannte Attentate auf ihn gab. Vor allem an Georg Elsers Widerstand wurde lange nicht gedacht. Dabei kämpfte er schon 1939 gegen den Diktator, als der deutsche Adel noch hoffte, im Osten neue Ländereien einzusacken und als Landherren gebraucht zu werden. Im Programm beschäftige ich mich aber auch viel mit den Windsors, die ja nach dem Brexit zurück nach Deutschland kommen, und vielen anderen adligen Unikaten.
Wer sollte sich das Kabarett anschauen - und wer nicht?
Wer keinen Spaß versteht und mit deutschem Betroffenheitsernst durchs Leben geht, wird manche Pointe zu böse finden. Alle, die dem Leben zugewandt sind und sich mit allem Wachsenden und Gedeihendem eins fühlen und die stets das Wahre, Gute und Schöne suchen, sind bei mir richtig. Es wird lustig, böse und versöhnlich. Eigentlich mache ich Kabarett für notorische Optimisten und jene, die wieder mehr Mut gebrauchen könnten.
Die Fragen stellte Marieke Fiala.
Die Patzer des Adels: Sebastian Schnoy bei der Coburger Museumsnacht
Sebastian Schnoy, geboren am 14. August 1969 in Hamburg, ist ein vielfach ausgezeichneter
Kabarettist und Speaker. Er steht für niveauvolle Unterhaltung mit Hintergrund. Seine Programme, in denen er Politisches in Verbindung mit Geschichte humorvoll beleuchtet, hat er zudem erfolgreich in seinen Büchern aufbereitet. Drei seiner Werke waren Spiegel-Bestseller. Er engagiert sich für die friedliche Einigung Europas. Mit seinen Kabarettprogrammen und Vorträgen ist er auf Tournee in Deutschland und in der Schweiz. Unternehmen, Vereine, Verbände und Institutionen laden ihn regelmäßig als Speaker ein. Er war Gast in der NDR Talk Show, bei Kabarett aus Franken und bei dem SR Gesellschaftsabend. Guido Knopp bescheinigte ihm einen liebenswürdigen Blick auf die Völker Europas. Die FAZ nannte sein Programm "politisch erfrischend unkorrekt".
Kabarett Integration ist alles. Doch noch immer leben in Europa Großfamilien, abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Sie heiraten unter sich, verbunden durch jahrhundertealte Riten und essen wilde Tiere, die sie in unseren Wäldern selbst erlegen. Ihre Netzwerke stammen aus einer Zeit, in der man Netzwerke noch Seilschaften nannte. Ihr Auftritt: tadellos, aber immer nur bis kurz vor Schluss. Schnoy macht sich auf zu den ersten "Von" und "Zus" und sucht den Anfang ihres Erfolges.
Quelle: KÜVE Deutsche Künstlervermittlung
Museumsnacht Am Samstag, 7. September, tritt der Kabarettist mit seinem Programm ",Von Stauffenberg zu Guttenberg' -
Der Adel patzt immer kurz vor Schluss" um 19, 20, 21, 22 und 23 Uhr im Gymnasium Casimirianum auf. Tickets für die Museumsnacht am Samstag, 7. September, gibt es im Vorverkauf bei der Geschäftsstelle des Coburger Tageblatts, Hindenburgstraße 3a, 96450 Coburg.red