Druckartikel: Landkreis Coburg: Metall- und Elektroindustrie sucht Fachkräfte von morgen

Landkreis Coburg: Metall- und Elektroindustrie sucht Fachkräfte von morgen


Autor: Jannik Reutlinger

Rödental, Donnerstag, 18. Oktober 2018

Junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, wird immer schwieriger. Die Firma Wöhner in Rödental geht zusammen mit dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie einen besonderen Weg.
Im Info-Truck der vmbe können die Schüler sich an verschiedenen Arbeitsstationen selbst ausprobieren. Foto: Jannik Reutlinger


Andreas Dostmann hält ein HDMI-Kabel hoch und fragt die Schüler der Realschule Neustadt, was HDMI heißt. "High Definition", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Bei Multimedia Interface für MI muss Dostmann nachhelfen, die Aufmerksamkeit ist ihm aber gewiss.

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Seit 2014 touren drei moderne Trucks des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (bayme) durch ganz Bayern, um Schülern Berufe wie den des Mechatronikers näher zu bringen.

Auf rund 80 Quadratmetern, verteilt auf zwei Etagen, bekommen die Schüler der achten Klasse der Realschule Neustadt einen Einblick in die Arbeitswelt und können an Experimentierstationen die Praxis hautnah erfahren. Unter Anleitung von Andreas Dostmann von der bayme programmieren die Jugendlichen beispielsweise eine CNC-Fräsmaschine und fertigen ein Werkstück selbst. Neben dem Ausprobieren gibt es noch wertvolle Tipps für die nächste Bewerbung und einen Rundgang durch das Unternehmen Wöhner.

Bernd Schick, Schulleiter der Mittelschule Rödental, weiß so ein Angebot für Schüler zu schätzen. Berufsorientierung spielt an seiner Schule eine wichtige Rolle. Demnächst steht den achten Klassen der Mittelschule ein zweiwöchiges Praktikum bevor. "Der Truck ist ein Baustein, um sich zu orientieren", sagt der Schulleiter. Die Schüler seien bereits im Vorfeld sehr interessiert gewesen und hätten sich vorab über die Firma Wöhner informiert, erklärt Schick.

160 Schülerinnen und Schüler in drei Tagen

Rund 160 Schüler der Mittelschulen Rödental und Neustadt sowie der Realschule Neustadt haben den Info-Truck an drei Tagen besucht. Den handlungsorientierten Ansatz begrüßt Jochen Dressel von der Geschäftsführung der Firma Wöhner. "Die Schüler können fräsen, sägen und schleifen" zählt Dressel auf. Neben der Praxis sei es auch wichtig, dass die Jugendlichen genügend Wertschätzung von Seiten der Unternehmen erfahren.

Kinder sollen begeistert werden

"Mit dem Angebot wollen wir den Kindern die Berufe in der Metall- und Elektroindustrie näherbringen" erklärt Patrick Püttner die Absicht des Info-Trucks. Bereits seit 30 Jahren ist die bayme mit einer Kampagne in Bayern unterwegs. Angefangen hat es mit Gelenkbussen. Über 6,5 Millionen Menschen in ganz Deutschland haben die insgesamt zehn Trucks und deren Vorgänger schon besucht. "Nicht jeder wird am Ende auch Mechatroniker", ist Püttner realistisch.

Einen Einblick zu bekommen sei jedoch nie verkehrt. Ein weiteres Anliegen Püttners ist das Vorurteil des klassischen Männerberufs. "Ich würde mir wünschen, dass sich Mädchen die Berufe in der Metall- und Elektroindustrie zumindest anschauen", betont Püttner. Auch Marco Steiner (FW), Bürgermeister von Rödental, stattete dem Info-Truck einen Besuch ab. Er weiß um die Schwierigkeiten bei der Suche nach gutem Personal. "Natürlich möchten wir die jungen Leute hierbehalten", sagt Steiner und macht gleich noch ein bisschen Werbung für seine Stadt: "Es gibt gute Perspektiven in Rödental zu bleiben." Auch die Firma Wöhner ist immer auf der Suche nach neuen Auszubildenden.

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Durch den Info-Truck kommen Unternehmen und potenzielle Auszubildende leicht in Kontakt, weiß Dirk Schuhmacher, Personalleiter bei Wöhner. 19 Auszubildende beschäftigt Wöhner momentan und die Chancen übernommen zu werden seien laut Schuhmacher äußerst gut. Voraussetzungen sind natürlich gute Noten, aber die Azubis sollten auch lernwillig, ordentlich und pünktlich sein. "Bei uns darf auch gelacht werden", sagt Schuhmacher. "Schließlich soll die Arbeit Spaß machen."