Eins wusste Pfarrer Hartmut Braune-Bezold ganz genau als er das Scheuerfelder Pfarrhaus zum ersten Mal besichtigte: Hier will ich mit meiner Familie leben. Hier will ich sein. Das war vor 25 Jahren. Jetzt heißt es Abschied nehmen.

Damals war er auf der Suche nach einer neuen Pfarrei und hatte sich in der Region Coburg die Pfarrhäuser in Cortendorf, Wiesenfeld, Unterlauter und eben Scheuerfeld angeschaut. Die eindeutige Wahl fiel dank des opulenten, familienfreundlichen Gebäudes auf Scheuerfeld. Und so zog die Familie mit Frau Petra und den vier Kindern Joshua, Runa, Ingo und Laura, gerade mal ein halbes Jahr alt, von Bodenmais in den Coburger Westen.

Es dauerte nicht lange, da kamen Hund und Katze noch dazu. Sohn Antonio wurde fünf Jahre später im Pfarrhaus geboren. Die kanadische Austauschschülerin Clementine zog ein. Über 100 Kindergeburtstage haben die Bezolds hier gefeiert.

Diese kleine Familiengeschichte steht ganz bewusst hier zur Einleitung über das Ausscheiden und Wirken von Pfarrer Braune-Bezold, der am 5. Februar seinen letzten Gottesdienst halten wird.

Familienleben ist das, was den Seelsorger bewegt. Es ist das gemeinsame Miteinander in einer "festen Burg" - ebenso wie das Gemeindeleben in einem stabilen Dorf.

Prediger öffnet Herzen

"Ich kam nicht mit einem festen Plan hierher, mit einem Sack voller Ideen. Das ist nicht meins", sagt er, der lässig-lockig für so manchen Scheuerfelder gewöhnungsbedürftig war. Doch die Art, wie er predigt, wie tauft, traut oder tröstet, ist es, die ihm schnell die Herzen der Scheuerfelder öffnete. Selbst sagt er: "In die Leitungsrolle hineinwachsen, war in den ersten zehn Jahren meine größte Herausforderung. " Den Leitungsstil zu finden, der zu ihm passt, sei nicht einfach gewesen. Da sei viel Fortbildung und Supervision nötig gewesen. Wenn er seine Vorgehensweise jetzt beschreiben sollte, würde er sie "kollegial, partnerschaftlich und immer den Langsamsten mitnehmend" nennen.

Themen, wie Modernisierung des Kindergartens, Jugendkirchweih, Schulkindbetreuung, Seniorenbesuchsdienst oder - ganz wichtig - Sanierung der Kirche und Gestaltung des Elsa-Jucht-Platzes haben ihn die ganzen Jahre hindurch begleitet. Er hat Bewegung in die Gemeinde gebracht, Neubürger und Alteingesessene zusammengeführt. Die Umgestaltung des Friedhofs hart er in Gang gebracht.

Zu seiner Kirchengemeinde gehören Scheuerfeld und Weidach. Gab es anfangs immer noch einen Diakon, der ihm zur Seite stand und unterstützte, blieb die Arbeit in den letzten Jahren oft an ihm allein hängen. "Manchmal war das einfach zuviel", gibt er offen zu und kommt auf ein Phänomen, das ihn vor große Herausforderungen in seinem Leben gestellt hat. "Ich habe 20 Suizide in meinen 25 Jahren hier erlebt. Das ging an die Substanz." In einem Jahr seien es sogar mal fünf an der Zahl gewesen. Danach brauchte Hartmut Braune-Bezold eine Auszeit im Kloster. "Ich musste wieder Kraft und Energie tanken und alles erst einmal verarbeiten", sagt er. Bis zu sechs Wochen im Jahr zieht er sich seit dem regelmäßig zurück und genießt die Stille.

Musik zur Entspannung

Einen Ausgleich findet der Pfarrer auch in der Musik. Mit seinem Saxophon kennt man ihn. Zusammen mit Robert Dicker spielt er im "Duo sentimentale". Das Repertoire reicht von Jazz und Blues bis hin zu französischen Chansons. "Musik ist Ausgleich und Entspannung. Darauf möchte ich nicht verzichten. Das ist ganz wichtig in meinem Leben", betont der 63-Jährige.

Hospizseelsorger und Bordpfarrer - das sind zwei Seiten von Hartmut Braune-Bezold, die er in den vergangenen Jahren an sich entdeckt hat. Immer sind es die Menschen, die für ihn im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen - bei all dem verwalterischen Aufwand, den das Amt durchaus mit sich bringt.

Freund der direkten Worte

So zählt der Fall des Jerry J. zu einem sehr prägenden Ereignis während seiner Amtszeit in Scheuerfeld. Der junge Mann aus Scheuerfeld hatte auf brutale Art und Weise ein Mädchen ermordet und im Wald vergraben. Braune-Bezold betreute während des Prozesses die Familie von Jerry und besuchte ihn auch später im Gefängnis. In einem Gespräch mit dem Tageblatt sagte er, einen gewissen Anteil an der Tat würden alle tragen, denn auch der Täter sei Teil der Gemeinschaft. Für seinen Satz: "Jerry ist kein Monster, er ist einer von uns!" erntete er in der Gemeinde viel Kritik. Was Pfarrer Braune-Bezold sagt, ist eben manchmal unbequem.

Das sagen Scheuerfelder über ihren Noch-Pfarrer

Hubert Pieschel, Bürgerverein Scheuerfeld: "Hartmut Braune-Bezold war jemand der Scheuerfeld sehr gut getan hat, sowohl als Pfarrer als auch als Mitbürger. Ich hoffe das uns Vieles das er (mit)angestoßen hat noch lange erhalten bleibt."

Annerose Kollmann, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kirchengemeinde Scheuerfeld-Weidach und Mitglied des Kirchenvorstands: "Ich habe Hartmut Braune-Bezold als weitherzigen, sensiblen, kreative, manchmal unkonventionellen Pfarrer erlebt.

Er konnte in Gremien unterschiedliche Menschen und Meinungen einfühlsam zusammenbringen und hat einige Projekte angestoßen, die heute eigenständig laufen.