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Junge Künstlerin kommt nach Coburg und bietet mehr als nur "hübsche Bilder"


Autor: Marieke Fiala

Coburg, Dienstag, 03. Sept. 2019

Anna Deller-Yee machte einst ihre ersten künstlerischen Schritte in Coburg. Jetzt kehrt sie mit einer eigenen Ausstellung im Kunstverein Coburg zurück und bietet vielseitige Kunst, die zum Nachdenken anregt.
Förderpreisträgerin Anna Deller-Yee bei den Vorbereitungen für ihre Debütantenausstellung, die ab Samstag, 7. September, bis Sonntag, 6. Oktober, im Kunstverein Coburg besucht werden kann. Fotos: Anna Deller-Yee


Den Schritt in eine künstlerische Zukunft zu wagen erfordert Mut und Durchhaltevermögen. Das weiß auch die junge Künstlerin Anna Deller-Yee, die ab Samstag, 7. September, ihre Debütantenausstellung im Kunstverein Coburg präsentiert. In ihren Arbeiten verbindet sie Mode, Malerei, Fotografie, Grafikdesign und vieles mehr. Im Interview spricht sie über ihre vielfältige Arbeit, Ziele und ihre Verbundenheit zu Coburg.

Sie haben Modedesign in London studiert und haben dann ein eigenes Label in Berlin gegründet ("Stahlbeton"). Woher nehmen Sie die Zeit, nebenbei noch Ausstellungen vorzubereiten?

Anna Deller-Yee: Genau, ich habe am London College of Fashion unter der Aufsicht von James Hamilton Butler meinen Bachelor absolviert. "Stahlbeton" war meine Abschlussarbeit, in die ich ein Jahr lang meine ganze Energie investiert habe. Es ist schon ein Label für sich, jedoch sehe ich es erst mal als kleine Capsule Kollektion(einmalig produzierte und limitierte Kollektion) und daher als abgeschlossenes Projekt. Es war für meine Abgabe und ich würde es gerne weiterführen, dann aber unter einem anderen Namen. Für mich wäre der Gedanke, eine eigene Marke zu haben, sehr reizvoll, jedoch müsste es hierzu eine klarere Markenstrategie geben. Ich möchte in meinem Master Themen wie Nachhaltigkeit, Mode als Kunstobjekte und vieles mehr tiefer als zuvor erforschen, was ich dann in ein Ganzes einfließen lassen kann. Es bleibt also spannend!

Wann arbeiten Sie am liebsten?

Ich bin eigentlich ein Nachtmensch, deshalb arbeite ich gerne ab 22 Uhr. Ansonsten habe ich gelegentlich morgendliche Schübe und sitze schon ab halb acht am Schreibtisch, am Laptop oder an der Staffelei. Es kommt auf meine Stimmung und mein Projekt an.

Wie zeitaufwendig war die Vorbereitung der Ausstellung?

Es war sehr zeitintensiv und hat viel Koordination erfordert, da ich viele Baustellen gleichzeitig habe. Bis vor kurzem habe ich ein Praktikum bei Hugo Boss gemacht, dann der Umzug für das Studium und so weiter. Ich habe erst dieses Jahr mit Ölmalerei angefangen und habe meine große Liebe dafür entdeckt. Viele der Arbeiten sind speziell auch für diese Ausstellung entstanden, um ein abgerundetes Bild meiner Leidenschaften und vielfältigen Interessen zu zeigen.

Was erwartet die Besucher?

Ein Einblick in meine Gedankenwelt und mein kreatives Schaffen; ich setze mich gerne mit existenziellen Themen auseinander und lasse Genres verschwimmen. Die Ausstellung soll zum Nachdenken anregen und Raum für Diskurs bieten. Mehr verrate ich erst mal nicht, dazu muss man dann selbst vorbeischauen.

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Was verbindet Sie mit dem Kunstverein Coburg?

Mit dem Kunstverein verbinde ich meinen intensiven, jahrelangen Kunstunterricht bei Isolde Russ. Sie und Torsten Russ haben mich in meiner ganzen kreativen Herangehensweise als Künstlerin und Designerin entscheidend geprägt. Als junges Mädchen hier ihre Werke zu sehen, war für mich einfach fantastisch.

Sie studieren momentan in London. Wie oft sind Sie in Coburg?

In Coburg bin ich in letzter Zeit öfter gewesen, da ich mein altes Zimmer im Haus meiner Eltern in eine Art Atelier verwandelt habe. Ansonsten wird sich diese Zeit in den nächsten zwei Jahren auf meine Trimesterferien beschränken.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie Coburg besuchen?

Auf die Ruhe, das langsame Tempo, in dem das Leben hier voranschreitet, Erholung. Meine Familie und Freunde, Spaziergänge in der Natur, im Hofgarten oder um die Veste, um den Kopf frei zu kriegen - und das Essen meiner Mama.

Geboren in den USA, aufgewachsen in Coburg, studiert in London, zuletzt Berlin. Welche Stadt würde Sie noch reizen und wieso?

New York, Paris, Kopenhagen, und vielleicht Tokyo oder Shanghai. Mich faszinieren neue Kulturen, Menschen und die Eindrücke, die sie in mir hinterlassen. Sie verkörpern weiteren Stoff für neue Projekte und Designs. Für Kopenhagen, Paris, Tokyo und Shanghai müsste ich zwar die Sprache lernen, aber das wäre auch nur eine Weiterbildung, was nie schaden kann. Außerdem liebe ich Herausforderungen.

Könnten Sie sich denn auch vorstellen, irgendwann wieder nach Coburg zu ziehen?

Vielleicht wenn ich älter bin, aber ich bin schon eher ein Fan der Großstadt.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Meinen Master in London erfolgreich zu absolvieren, mich kreativ weiter zu entfalten und einen guten Job als Junior Designerin zu ergattern. Mit meinem Freund zusammen zu ziehen und ein eigenes kleines Atelier zu haben.

Kunst wird oft als "brotlos" abgestempelt. Wie reagieren die Menschen, wenn Sie von Ihrer Arbeit erzähle?

"Wenn du Modedesign studierst, dann zeichnest du ja quasi nur ein paar hübsche Bilder, das ist ja gar nicht so anspruchsvoll" - das ist sehr oft die Reaktion, die ich bekomme. Ich kann es Leuten nicht verübeln, da die Modebranche ein glamouröses Bild à la Karl Lagerfeld nach außen stülpt, wo der Designer nur "ein paar hübsche Bilder" malt und damit das Design steht. Aber das Studium war sehr anspruchsvoll und es ist viel mehr als nur Zeichnen - das ist sogar der kleinste Teil!

Was raten Sie jungen Künstlern?

Nicht aufzugeben, auch wenn es schwer wird. Harte Arbeit zahlt sich immer aus, egal was andere sagen. Und auch wenn man mal hinfällt - alles passiert aus guten Gründen, die einen als Menschen im Leben weiterbringen. Da glaube ich fest dran. Die Fragen stellte Marieke Fiala.

Förderpreisträgerin Anna Deller-Yee präsentiert "Junge Kunst" im Kunstverein

WerdegangAnna Alessandra Kamaile Deller-Yee wurde 1994 in Chicago, Illinois, USA geboren und wuchs in Deutschland auf. Ihr Abitur absolvierte sie am Gymnasium Albertinum in Coburg. Anschließend studierte sie von 2014 bis 2018 "Fashion Design and Development" auf dem London College of Fashion in England. Während ihres letzten Studienjahres gründete sie im Rahmen eines Uni-Projektes das Label "Stahlbeton" in Berlin. Dieses wird sie in Zukunft eventuell unter einem anderen Namen weiterführen. Bilder des zukünftigen Labels sowie Einblicke in ihre Masterarbeiten gibt die Künstlerin auf Instagram unter "stahlbetonofficial".

Ausstellung Von Samstag, 7. September, bis Sonntag, 6. Oktober, findet Deller-Yees Debütanten-Ausstellung im Kunstverein Coburg statt. Unter dem Titel "Junge Kunst" präsentiert die Künstlerin ihre Arbeit. Der Sparkassen-Debütantenpreis wird alle zwei Jahre kombiniert mit dem Förderpreis des Bayerischen Ministeriums für Kunst verliehen. Herausragende junge Künstler aus der Region werden so auf dem Gebiet der bildenden Kunst gefördert und einem größeren Publikum präsentiert.

Museumsnacht Am Samstag, 7. September, kann ab 16 Uhr die Debütantenausstellung im Kunstverein Coburg besucht werden. Tickets für die Museumsnacht gibt es für sieben Euro im Vorverkauf in der Geschäftsstelle des Coburger Tageblatts, Hindenburgerstraße 3a, 96450 Coburg.

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