Selbst noch in mehreren hundert Metern Entfernung ist die Hitze zu spüren, als in der Nacht zum 12. Februar 1999 das Coburger Hofbrauhaus an der Frankenbrücke in Flammen aufgeht. Gegen 3 Uhr bricht das Feuer im Dach aus. Minuten später brennt der gesamte Dachstuhl. Eine Polizeistreife, die zufällig vorbeifährt, bemerkt es und löst Großalarm aus. Trotz der schnellen Reaktion brennt das 1859 errichtete Hauptgebäude fast vollständig aus.


Hydranten zugefroren

Der Alarm der Streifenbeamten geht um 3.06 Uhr ein, sechs Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr schon am Hofbrauhaus. Um 3.39 Uhr wird nachalarmiert: Nun rücken weitere Wehren aus den Coburger Stadtteilen an. Insgesamt 150 Feuerwehrleute aus Coburg und Umgebung bemühen sich in dieser Nacht, die Flammen, die meterhoch aus dem Gebäude schlagen, unter Kontrolle zu bekommen.
Alles ist auf den Beinen: Feuerwehr und Rettungsdienste, die erste Hilfe leisten, aber auch Brötchen und Tee verteilen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes leiten gemeinsam mit der Polizei den Verkehr um. Die Kollegen vom CEB streuen die Zufahrtswege in der eiskalten Frostnacht. Die Städtischen Werke schicken Personal in ihr Wasserwerk, um die Löschwasserkapazitäten zu erhöhen und auch der damalige Oberbürgermeister Norbert Kastner ist schnell vor Ort.
Dass in jener Nacht Temperaturen von minus 17 Grad herrschen, macht es den Einsatzkräften nicht leichter. Teilweise sind die Hydranten zugefroren. Die Feuerwehrmänner versuchen verzweifelt, sie zu öffnen - mit Hämmern, Brecheisen und Schraubenschlüsseln - nicht wenige gehen dabei zu Bruch. Schließlich legt die Feuerwehr über die inzwischen gesperrte Stadtautobahn und die Bahngleise hinweg mehrere Schläuche in die nahe Itz, um von dort Löschwasser hochzupumpen. Von der Frankenbrücke aus erfolgt der erste Lösch-Angriff auf das Inferno. Gegen 5 Uhr früh ist das Feuer schließlich unter Kontrolle, auch wenn noch Stunden später immer wieder Flammen aus glimmenden Balkenresten hochschlagen.


Sanierung war in vollem Gange

Besonders tragisch: Das Hofbrauhaus war, nachdem es seit 1982 leer gestanden hatte, endlich aus seinem Dornröschenschlaf erweckt worden. Nach umfangreicher Sanierung sollte unter anderem die Fachhochschule mit zwei Studiengängen einziehen. Die Bauarbeiten waren im Februar 1999 in vollem Gange. Schon zwei Tage vor dem Brand war es nach Flexarbeiten zu einem kleineren Feuer im Gebälk des Dachstuhls gekommen. Die Beschäftigten eines Abrissunternehmens hatten es aber selbst löschen können.
Schnell kommt der Verdacht auf, das Feuer könnte in Folge der Arbeiten entstanden sein, denn bei der Demontage von alten Metallteilen werden auch Flex und Schneidbrenner verwendet. 2001 und 2003 muss sich der Betreiber des Abrissunternehmens vor Gericht verantworten. In erster Instanz wird er freigesprochen, in der Berufungsverhandlung schließlich zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt.
Der Schaden am Hofbrauhaus betrug rund zwei Millionen Euro. Schon im Herbst nach dem Brand zog die Fachhochschule mit den ersten Studenten ein.