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Impfpflicht: Müssen Coburger Arztpraxen jetzt schließen?


Autor: Franziska Porzelt

Coburg, Montag, 14. März 2022

Ab Mittwoch müssen auch Ärzte ihre Mitarbeiter, die noch nicht gegen das Virus geimpft sind, melden. Was das für die Angestellten und Patienten bedeutet.
Ullrich Zuber sieht die Impfpflicht  in Arztpraxen noch nicht als Problem. Er hofft auf eine gute Lösung der Regierung.


Die Impfpflicht für medizinisches Personal tritt diese Woche in Kraft. Auch Haus- und Fachärzte sind davon betroffen. Wie es mit ungeimpften Ärzten und Mitarbeitern weitergeht, bleibt noch unklar. Fest steht bislang nur ein grober Fahrplan, den die Bayerische Staatsregierung den Gesundheitsämtern an die Hand gibt. Und: Es gibt im Landkreis Coburg Ärzte und Mitarbeiter, die noch ungeimpft sind. Stehen Patienten damit womöglich bald bei ihrem Hausarzt in Stadt oder Land vor verschlossenen Türen?

Meldepflicht für Ungeimpfte

Die Sorge um mögliche Praxisschließungen kann der Vorsitzende des Hausarztvereins Coburg, Ullrich Zuber, vorerst ausräumen: "Auf keinen Fall müssen Patienten Angst haben, in den nächsten Tagen vor verschlossenen Praxen zu stehen. Die ärztliche Versorgung wird weiterhin überall gewährleistet sein." Laut Zuber sind viele seiner Coburger Kollegen und deren Mitarbeiter gegen Covid-19 geimpft.

Jedoch ist nicht klar, wie mit ungeimpften Mitarbeitern künftig weiter verfahren wird. Ärzte sind ab Mittwoch verpflichtet, ihre Mitarbeiter, die keinen gültigen Impf-, Genesenennachweis oder ein ärztliches Attest vorweisen können, an das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Bayern geht hier einen Sonderweg: Über das digitale Meldeportal für Immunitätsnachweise - kurz "BayImNa" - ist diese Meldung seit Montag möglich. Was aber mit gemeldeten Mitarbeitern passiert, ist noch nicht entschieden. Bei der Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht setzt Bayern, laut Minister Holetschek, auf eine Umsetzung mit Augenmaß. Nur in letzter Konsequenz soll dann ein Betretungs- und Tätigkeitsverbot ausgesprochen werden. "Ich bin mir sicher, dass wir hier einen sinnvollen Konsens finden werden", sagt Ullrich Zuber .

Wird es eine Hotline geben?

Aber was, wenn es dann irgendwann Tätigkeitsverbote geben wird? Würden die dann zentral erfasst, kann ich dann zum Beispiel beim Gesundheitsamt anrufen, um zu erfahren, ob mein Hausarzt gerade noch arbeitet? Nach Angaben des Amtes ist eine zentrale Hotline bis jetzt nicht notwendig. Anfragen von Patienten seien bislang keine eingegangen, nur vereinzelt hätten Beschäftigte im Gesundheitswesen sich gemeldet und um Rat gebeten.

Aufgrund des gestuften Verfahrens würden eventuelle Betretungsverbote für Ungeimpfte ohnehin wohl erst ab dem Sommer ausgesprochen werden, prognostiziert Landratsamt-Sprecherin Corinna Rösler. Allerdings: "Dieses Verfahren greift nur für Bestandskräfte. Für Neueinstellungen ab dem 16. März ergibt sich ein sofortiges Beschäftigungs- und Tätigkeitsverbot direkt aus dem Gesetz." Heißt: Wer ungeimpft einen neuen Job antritt, ist sofort raus.

Sorgen in dieser Debatte bereiten dem Vorsitzenden des Hausarztvereins zudem drohende Kündigungen von betroffenen Mitarbeitern. Da die Lage am Arbeitsmarkt immer schwieriger wird, sieht er hier größere Probleme: "Gute Mitarbeiter sind nicht leicht zu bekommen. Es wäre für viele Ärzte ein großer Verlust, wertvolle Mitarbeiter durch die Impfpflicht zu verlieren." Zuber hofft darauf, dass auch der Genesenen-Status in der Impfpflichtdiskussion weiterhin anerkannt wird. Da viele seiner ungeimpften Kollegen und deren Mitarbeiter mittlerweile den Genesenstatus haben, könnte das die schwierige Situation am Arbeitsmarkt entschärfen.

Ängste ernst nehmen und überzeugen

In der laufenden Impfdiskussion setzt Ullrich Zuber auf Aufklärung. Durch Diskussionen und klare Worte könnten viele Ängste und Bedenken bei Patienten und Kollegen ausgeräumt werden: "Ich war von Anfang an ein Verfechter der Impfung. Wir haben zwar keine Erfahrungen mit der Pandemie gehabt, aber mit Impfungen." Der Booster auf einen vollständigen Impfschutz ist für ihn die logische Folge im Kampf gegen die Pandemie.

Trotzdem kann er auch Impfgegner verstehen. "Wir leben in einer freien Gesellschaft. Jeder darf seine Meinung haben. Wir führen offene Diskussionen. Alle kann man aber nicht überzeugen, das ist mir klar", sagt Zuber und bleibt beim Blick auf die Pandemie optimistisch: "Die Erkrankung und die Verläufe werden schwächer. Erst im nächsten Herbst sehen wir, wie es weiter geht."

Einen Impfzwang befürwortet der Mediziner wegen der schwächer werdenden Erkrankungen nicht. Er hofft auf die Vernunft der Kollegen und Mitarbeiter, um weiter für ihre Patienten da sein zu können. Aber vor allem, um sich selbst vor einem starken Verlauf zu schützen. "Wir sehen es vor allem bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen. Die Impfung schützt zwar nicht vor der Infektion, aber vor einem starken Verlauf."