Die Erntezeit geht ihrem Ende entgegen. Nur der Mais steht noch da im Coburger Land. "Eine gute Woche", sagt Landwirt Stefan Angermüller, während er ein Korn aus einem Maiskolben zwischen den Finger zerdrückt, "braucht er noch". Bei Angermüller ist der Mais unentbehrlicher Energielieferant für seine 130 Milchkühe, 40 Prozent einer durchschnittlichen Futterration besteht aus Silomais. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern, erklärt Gerhard Ehrlich, Coburger Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband - "auch wenn gerne versucht wird, den Mais zu verteufeln".
Dabei ist das Coburger Land wahrlich keine Region, in der der Maisanbau überhand genommen hat.
Adolf Ruff, Fachberater für Pflanzenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg, hat extra die Zahlen mitgebracht: 15 Prozent der Ackerflächen im Coburger Land sind heuer mit Mais bepflanzt, locker die doppelte Fläche würde die Fruchtfolge hergeben.
Bei Stefan Angermüller ist die Quote leicht höher. "Ein Viertel", schätzt der Landwirt, der noch mit den Spätfolgen des Sommers 2015 zu kämpfen hat. Das Gras wuchs jämmerlich schlecht, es gab nicht einmal die Hälfte der üblichen Futtervorräte. Zum Glück konnten sich die Angermüllers mit Mais über die Runden retten. Aber auch hier sind die Vorräte inzwischen fast ratzeputz leer, deshalb hoffen die Angermüllers auf eine gute Maisernte. So geht es vielen Kollegen, weiß Ehrlich: "Ohne Mais wäre es eng geworden."


Jetzt muss es nicht mehr regnen

Einen Teil des schlechten Rufes, den auch Gerhard Ehrlich nicht verleugnet, hat der Mais, weil er in manchen Regionen die tragende Säule der Energieproduktion aus Biomasse ist. In Niederbayern und Mittelfranken gibt es Regionen, da reiht sich - gefühlt, zumindest - Maisfeld an Maisfeld. Anders als in Oberfranken wird der Mais dort hauptsächlich als Energiepflanze gebraucht. In Coburg, weiß Adolf Ruff, überwiegt der Futtermais "eindeutig".
Beim Gang am Maisfeld entlang hellt sich die Stimmung von Stefan Angermüller deutlich auf. Wenn auch das Frühjahr erheblich zu nass war, macht sein Maisacker einen recht guten Eindruck. "Letztlich war es ein sehr vernünftiges Jahr", sagt der Milchviehhalter, den auch die derzeit extrem trockene Witterung nicht mehr die Stimmung vermiest. "Die Energieeinlagerung in den Maiskörnern ist schon durch", erklärt Martin Flohrschütz (Gerhard Ehrlichs Stellvertreter im BBV-Kreisverband), warum der fehlende Niederschlag (im August gerade einmal 30 Millimeter an vielen Stellen in der Region) jetzt auch nicht mehr viel Schaden ausrichten kann. Die Stabilität der Hitze und Trockenheit gegenüber ist ein großer Vorteil der Maispflanze in Zeiten des Klimawandels - sagt Pflanzenbau-Fachberater Ruff. So effizient wie der Mais könne eben kaum eine andere Pflanze Wärme in Ertrag umsetzen.


Saubermachen ist Pflicht

Wenn in diesen Tagen quer durch den Landkreis die Maisernte beginnt, werden auch die Kritiker wieder auf die Verschmutzung der Straßen durch die schweren landwirtschaftlichen Maschinen hinweisen. Stefan Angermüller hatte bislang noch keinen Ärger, dennoch versucht er, da vorbeugend tätig zu sein: "Wir schauen, dass wir möglichst selten durchs Dorf fahren."
Aber weil das nicht immer geht, hat Gerhard Ehrlich seinen Berufskollegen auf dem Weg in die Ernte mitgegeben, "auf anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen". Und dass ein Landwirt nach der Maisernte schaut, die Straße wieder sauber zu kriegen, ist für den BBV-Kreisobmann "ein Teil des Pflichtbewusstseins".
Immerhin: Die Maisernte zieht sich im Landkreis Coburg bei weitem nicht mehr so lange hin wie früher. Flohrschütz, so etwas wie der "Technik-Fachmann" im Coburger Kreisverband, erzählt von 500 000 Euro teuren Maishäckslern, die bis zu zwölf Reihen auf einen Schlag abernten. Aber so große Fahrzeuge, das räumt der Tremersdorfer Landwirt auch ein, brauchen eine gewisse Auslastung. Das wiederum heißt: Sie sind auch abends unterwegs. Gerhard Ehrlich hat bei seinem Betrieb dennoch eine Obergrenze ausgegeben: "Um 22 Uhr ist Schluss." Dank moderner Technik schafft Ehrlich trotzdem locker 100 Hektar Mais in drei Tagen. Undenkbar war das früher, erinnert sich der Kreisobmann: "Da haben wir locker eine Woche gebraucht."


Zahlenspiele aus der Landwirtschaft

32 Tonnen Kohlendioxid kann ein Hektar Mais binden. So viel produziert ein Auto auf etwa 60000 Kilometern Fahrt.
60 Menschen können von der Sauerstoffproduktion eines ein Hektar großen Maisfeldes leben.

3949 Hektar beträgt in diesem Jahr die Produktionsfläche für Mais im Coburger Land.