Bei einem erneut hohem Umsatz von 269,8 Millionen Euro und einem Käseabsatz von 51170 Tonnen im Jahr 2019 können die Milchwerke Oberfranken West einmal mehr auf ein erfolgreiches und stabiles Geschäftsjahr zurückblicken. Das Eigenkapital wurde erneut gestärkt, zukunftsorientierte Investitionen wurden getätigt, der Spezialitätenanteil weiter erhöht und ein deutschlandweit vergleichsweise überdurchschnittlicher Milchpreis ausgezahlt.

Und erst Anfang der Woche kam wieder eine neue positive Nachricht. Beim NDR-Markttest von Grillkäse lagen die Milchwerke Oberfranken West mit ihrem Grill-Taler ganz weit vorn. Dieses Resümee konnte Ludwig Weiß, Geschäftsführender Direktor der Milchwerke Oberfranken West, zur Generalversammlung den Lieferanten und Mitgliedern präsentieren.

Immerhin ist der Umsatz des Unternehmens seit Bestehen von 56,8 Millionen Euro im Jahr 1992 auf nunmehr 269,8 Millionen gestiegen. Bester Garant für diese Entwicklung, so Weiß, seien die Investitionen in Maschinen, Anlagen und Gebäude, jährlich um die fünf Millionen Euro - seit 1992 insgesamt 117,3 Millionen Euro. Die Milchwerke seien damit hervorragend aufgestellt und würden ihren Platz auf dem Weltmarkt behaupten können.

Weltmarkt ist unberechenbar

Allerdings sei man wegen dessen unberechenbarer und nervöser Entwicklung mit Hochdruck dran, den Exportanteil weiter zu reduzieren. 2019 lag der Absatz im Export bei 64,1 Millionen Euro, der im Inland bei 205,7. "Drittlandmärkte", so Weiß, "sind ein Zubrot, man kann sich nicht darauf verlassen."

Anmeldung, begrenzte Zahl der Teilnehmer, Mund-Nasen-Schutz, Händedesinfektion und keine Ehrengäste: In dieser von der Corona-Pandemie geprägten Zeit waren sowohl die Generalversammlung selbst ungewöhnlich, nicht nur, was den Zeitpunkt Ende August betraf, sondern auch die Umstände. Denn im März waren die Absatzzuwächse in die Höhe geschossen - bei Milch ebenso wie bei Käse, Butter oder Margarine. So etwas, sagte Ludwig Weiß, habe er noch nicht erlebt, und er sprach von Hysterie an Abkauf und Bevorratung, die vor einigen Monaten geherrscht habe.

Der Hit des Sommers

Man sei kaum nachgekommen, und den großen Handelsketten sei es sogar egal gewesen, in welchen Kartons der Käse geliefert wurde, Hauptsache, die Regale waren voll. Als der Hit des Sommers habe sich der Coburger Grillkäse in seinen Variationen entwickelt. Corona habe das Unternehmen intern auch vor große Herausforderungen gestellt. Weiß nannte hier unter anderem versetzte Schichtzeiten, um Begegnungen zu minimieren, Abstandskennzeichnungen im gesamten Betrieb, Quarantäne für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten, einen zusätzlichen Pausenraum, Mundschutz auch in nichtsensiblen Bereichen, Überprüfungen der Wohnverhältnisse bei Leiharbeitern, Homeoffice. Einige Exportmärkte seien zusammengebrochen und die Inlandsnachfrage hingegen sei explodiert. Die Importzölle der USA hätten ebenso ihren Tribut gefordert wie das Wirrwarr um den Brexit, der weiter Sorgen mache. Weiß resümierte: "Aber insgesamt sieht die Bilanz gut aus. Und wir haben das auch in Form des Milchpreises an die Lieferanten weitergegeben." Dieser liege auch weiterhin über dem deutschen Durchschnittspreis. Der geschäftsführende Direktor erklärte weiter: "Das ist durch einen höheren Veredlungsgrad und kontinuierliche Investitionen möglich gewesen."

"Erika" macht Backcamemberts

Besondere Erfolgsstorys seien der Reibekäse, für den derzeit eine vierte Linie aufgebaut wird, sowie der Back- und Grillkäse, von dem man 500 Tonnen mehr verkauft habe. Für Backcamembert sei die "Erika" angeschafft worden, eine Auflagemaschine, die 14000 Käse pro Stunde auflegt.

Was dem Vorstandsvorsitzenden Harald Reblitz Sorgen bereitet, ist die sinkende Zahl der Lieferanten vom 769 zum 1. Januar 2019 auf 735 zum Jahresende. 34 Milchproduzenten aus dem Lieferantengebiet Bayern, Thüringen und Hessen haben in diesem Zeitraum ihre Produktion eingestellt. Und leider, so Reblitz, setz sich dieser Trend fort. Aktuell habe man nur noch 719 Lieferanten. Dabei gehe die Milchplanung bis Ende 2022. "Hoffentlich kommt hier kein Strukturbruch." Wohin hier die Reise geht, unterlegte Weiß mit einer anderen Zahl: Über die Hälfte der Lieferanten liefern 90 Prozent der Milchmenge.

Auch heuer soll bei den Milchwerken wieder kräftig investiert werden. Für 2020 und 2021 sind Neuinvestitionen von 7,1 Millionen Euro geplant. Dabei handelt es sich um Automatisierungen und Erweiterungen bei den Käseproduktions- und Abpackanlagen. Die bessere Verwertung und der Mengenanstieg bei den Käsespezialitäten, so Weiß, gäben Hoffnung auf einen weiterhin stabilen Milchpreis, auch wenn es auf den Weltmärkten und bei der aktuellen Pandemiesituation noch viele Unbekannte gebe.