Das Thema "Windpark Bürgerwald" war brisant, dennoch war das Interesse der Zuhörer bei der Sondersitzung des Gemeinderates nicht gerade groß. Allerdings meldete sich nach Beendigung der öffentlichen Sitzung und außerhalb des Sitzungsraumes Reinhard Ehrlich von der Bürgerinitiative "Sturmwind" bei den Pressevertretern zu Wort. Denn der Gemeinderat hatte zuvor bei zwei Gegenstimmen (Herwig Schmidt, FW, und Günther Rose, CSU) beschlossen, einen weiteren Schritt in Richtung Windkraftanlagen zu gehen.

Es ging um die Errichtung eines weiteren, eines vierten Windrades, für die die Aufstellung eines Bebauungs- und Grünordnungsplanes sowie eine Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich sind, da die 10-H-Regelung nicht eingehalten wird.
Für beide Entwürfe im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit sprachen sich 13 Räte aus, ebenso für die öffentliche Auslegung auf die Dauer eines Monats. Es können erneute Stellungnahmen und Einwände abgegeben werden, sodass der Gemeinderat sich nochmals damit zu beschäftigen hat.
In der Präambel zur Aufstellung des Bebauungsplanes ist festgelegt, dass die Gemeinde im Rahmen ihrer Planungshoheit ihr Recht nutzt, die ihr gegebenen regionalplanerischen Möglichkeiten der Reduzierung des klimaschädlichen CO2 -Ausstoßes zum Schutze des Klimas einzusetzen. "Es geht schlicht und einfach um den Umweltschutz", sagte Bürgermeister Werner Thomas (SPD).


Angesichts des Klimawandels handeln

Die Planung bedeute zwar einen Eingriff in Natur und Landschaft. Die Gemeinde müsse diesen Eingriff jedoch auch unter dem Aspekt betrachten, welche Folgen drohten, wenn angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels nicht gehandelt werde.

Festgestellt in der Präambel wird ferner, dass aufgrund von Messungen der Infraschall deutlich unter der menschlichen Hör- beziehungsweise Wahrnehmungsschwelle liegt. So sei in einem Abstand von 700 Metern zur Windenergieanlage nach derem Einschalten der gemessene Infraschallpegel nicht nennenswert erhöht worden. Der gemessene Infraschall würde bei einer Entfernung von 700 Metern überwiegend vom Wind und anderen Quellen und nicht vom Betrieb der Windenergieanlagen stammen. Auch sei ein direkter Einfluss auf Immobilienwerte laut Experten nicht nachweisbar.


Stellungnahmen auf 52 Seiten

Unter diesen Prämissen befasste sich der Gemeinderat mit den zahlreich eingegangenen Stellungnahmen der Bürger, dokumentiert auf 30 DIN-A-4-Seiten. Diese sprechen sich zumeist gegen die Windkraftanlagen mit den bekannten Argumenten der unzumutbaren Belastungen. Von Trägern öffentlicher Belange lagen 22 Seiten umfassende Stellungnahmen vor. Nach Prüfung durch den Gemeinderat wurden diese nicht als Hinderungsgrund angesehen.

Reinhard Ehrlich von "Sturmwind" kritisierte den Gemeinderatsbeschluss. Dieser sei "eine grobe Missachtung und der leichtfertige Umgang mit der Gesundheit der Bürger von Neuses an den Eichen." Der Infraschall sei falsch dargestellt, sagte Ehrlich und betonte, er spreche sich nicht prinzipiell gegen die Windräder aus. Er schlug einen Kompromiss vor, der die Interessen aller berücksichtige und die Einwände der Bürger nicht vom Tisch wische, wie er sagte. Sein Vorschlag war eine Beschränkung der Anzahl der Windräder auf drei mit einer maximalen Höhe von 160 Metern.

Zudem bezeichnete Ehrlich den vom Landratsamt Coburg erteilten Vorbescheid zum Bau der drei Windräder als nicht rechtskräftig. Das habe zur Folge, dass noch nicht gebaut werden dürfe.
Der Beschluss des Landratsamtes werde derzeit juristisch überprüft und es liege bereits eine Privatklage beim OGV München vor. "Ich stelle deshalb die Baugenehmigung infrage", sagte Ehrlich.