Es ist eine ziemlich große Koalition, die da fordert, nicht mehr als sechs Millionen Euro für den Bau einer Interimsspielstätte bereitzustellen: CSU/JC, WPC, SBC und FDP-Mann Hans-Heinrich Eidt haben zusammen die Hälfte der Stadtratssitze. Doch unabhängig vom Stadtrat formierte sich am Mittwoch eine ganz große Koalition derer, die fordern, auf alle Fälle eine ordentliche Interimsspielstätte zu bauen statt ein Zelt anzumieten oder das Theater auf Wanderschaft zu wechselnden Spielorten zu schicken.
bereitzustellen: CSU/JC, WPC, SBC und FDP-Mann Hans-Heinrich Eidt haben zusammen die Hälfte der Stadtratssitze. Doch unabhängig vom Stadtrat formierte sich am Mittwoch eine ganz große Koalition derer, die fordern, auf alle Fälle eine ordentliche Interimsspielstätte zu bauen statt ein Zelt anzumieten oder das Theater auf Wanderschaft zu wechselnden Spielorten zu schicken.
Schon am Dienstagabend reagierte Ex-Intendant Bodo Busse auf die Veröffentlichungen im Internet mit scharfem Protest (siehe unten), am Mittwochvormittag gab das Theater-Direktorium eine Stellungnahme ab (Seite 10), und am Nachmittag meldete sich Jan Saeger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Brose Fahrzeugteile, zu Wort: "Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs im angemessenen Räumlichkeiten halten wir auch während der Übergangszeit für unverzichtbar." Es gehe um die Attraktivität des Standorts Coburg, schrieb Saeger an die Mitglieder des Stadtrats und appellierte dringend, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen. Ohne eine geeignete Übergangsspielstätte würde sich Coburg "im Wettbewerb mit anderen Städten einer seiner wenigen Stärken berauben".
Im Dezember 2016 hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Interimsspielstätte maximal sechs Millionen Euro kosten dürfe. Doch offenbar wird mehr Geld gebraucht. Wie viel, darf die Stadt wegen des laufenden Bieterverfahrens nicht sagen. Von "acht bis zehn Millionen" ist in dem Eilantrag die Rede, in dem verlangt wird, den Betrag auf keinen Fall zu erhöhen. Laut Hans-Heinrich Eidt (FDP) haben sich die ersten Angebote gar auf bis zu 15 Millionen Euro belaufen (Seite 10).


Günstigere Preise aushandeln

Auch in der Stadtratssitzung heute Nachmittag wird öffentlich kein Betrag genannt werden, den die Interimsspielstätte kosten darf. Die Verwaltung möchte vom Stadtrat die Erlaubnis, dass sie weiter mit zwei Bietern verhandeln kann, mit einem höheren Budget als sechs Millionen. Auf dem Verhandlungsweg sieht die Verwaltung noch "erhebliche Einsparpotenziale", wie Peter Cosack bestätigt, der Leiter des Hochbauamts.
Allerdings finanziert die Stadt die Generalsanierung des Landestheaters und die dafür erforderliche Interimsspielstätte nicht allein. Der Freistaat Bayern hat sich verpflichtet, 75 Prozent der Kosten zu übernehmen. Laut der Brose-Mitteilung gilt das auch für die Interimsspielstätte, "unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Kosten".
Dieser Aspekt gehe in der aktuellen Debatte völlig unter, kritisiert auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). "Es wird von sieben oder acht oder zehn Millionen gesprochen, aber nicht von 25 Prozent. Es wird den Leuten so verkauft, als müsste die Stadt Coburg sechs Millionen Euro plus X zahlen." Aber immerhin hatte es einmal geheißen, der Freistaat Bayern wolle für eine Interimsspielstätte maximal fünf Millionen Euro ausgeben. Das, sagt Tessmer, sei vor drei Jahren eine "Platzhalternummer" gewesen. "Wir haben eine Finanzierungsvereinbarung und entsprechende Schreiben vom Wissenschaftsministerium."
Was das angeht, will der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) aber ganz sicher gehen: Er warte noch auf einen Rückruf von Bayerns Finanzminister Markus Söder, sagte er am Mittwochabend.


Städtischen Zuschuss senken

"An dem Theater darf nicht gerüttelt werden, aber es muss alles vertretbar und sicher sein", sagt Michelbach. Für Tessmer geht es nicht ohne feste Interimsspielstätte. "Wir haben für das Landestheater nur eine befristete Betriebserlaubnis. Wir müssen während der Sanierungszeit eine adäquate Interimsspielstätte bieten, sonst läuft uns das Publikum davon. Denn sonst haben wir ein für einen zweistelligen Millionenbetrag saniertes Theater, und kein Mensch geht hin."
Tessmer führte am Mittwoch übrigens ein lang schon anberaumtes Gespräch im Finanzministerium in München. Dabei ging es um ein zweites Anlegen des Eilantrags: Die Stadt will ihren Zuschuss zu den Betriebskoten des Theaters senken können. Inzwischen zahlt die Stadt nämlich mehr als das Land Bayern, obwohl der Staatsvertrag aus dem Jahr 1920 eine andere Absicht verfolgte: Bayern sollte eine jährliche Pauschale vom 20 000 Goldmark zahlen und vom restlichen Defizit noch 40 Prozent. "Konstruktiv" sei der Termin verlaufen, sagt Tessmer; weitere Gespräche würden folgen. "Wir haben das Thema im Finanzministerium platziert und müssen weiter mit dem Wissenschaftsministerium sprechen."