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Fußballnostalgie im Kongresshaus


Autor: Sven Dörr

Coburg, Freitag, 06. März 2020

Mario Basler präsentiert sein Bühnenprogramm in Coburg. Die Zuschauer begeistern sich für die Sprüche des Ex-Profis. Wahrscheinlich deshalb verzeihen sie ihm sogar, dass er den Unterschied zwischen Bayern und Franken nicht kennt.
Mario Basler läuft durch den restlos gefüllten Saal im Kongresshaus Rosengarten Richtung Bühne.  Sven Dörr


Das Bühnenprogramm "Basler ballert" beginnt mit einem Anpfiff. Eine kurze Passage aus "Eigentlich bin ich ein super Typ." Epische Musik und tosender Applaus, dann steht er auf der Bühne: Mario Basler – ganz leger. Weißes T-Shirt, Jeans – die linke Hand in der Hosentasche – dazu Turnschuhe. Halbglatze und leichter Bauchansatz. Die Jahre gingen nicht ganz spurlos an dem ehemaligen Fußball-Profi vorbei.

"Das erste Mal in Coburg – toll". Sein Einstiegsworte sind so trocken, wie sarkastisch. "Was spielt euer Fußball-Verein? Landesliga Bayern?", fragt er mit gewohnt tiefer Stimme und pfälzer Akzent. "Landesliga Nord-West. Wir sind in Franken", schallt es aus dem Publikum. "Ach, Bayern, Franken – das ist doch alles das Gleiche." Seine Antwort sorgt für ein Raunen im Saal des Kongresshauses.

Was folgt, ist ein trockener und selbstironischer Abriss seiner Karriere: Alkoholeskapaden vor wichtigen Spielen, fehlender Trainingseifer, Ausraster, Seitenhiebe gegen Mitspieler und Funktionäre sowie eine Abrechnung mit dem neuen Typus Fußballer – alles garniert mit einer gehörigen Portion halbernster Arroganz. "Die Fußballer von heute lassen sich ihren Friseur zu Auswärtsspielen einfliegen. Vier Kilo Gel in die Fratze und erst dann geht's aufs Feld."

Begeistertes Publikum

Im Publikum sitzt Mario Engelhart – sein Bayerntrikot aus den späten 1990ern mit der Sponsorenaufschrift von Opel passt zum Anlass. "Ich hab Basler schon in der Elf-Freunde-Bar in Essen gesehen. Er ist einfach authentisch", begründet er sein Kommen. Der Jagdshofer vermisst "echte Marken" im Profifußball. "Thomas Müller sagt manchmal noch was er denkt. Die meisten anderen sind aber nur noch gebrieft und geben vorformulierte Antworten", bemängelt der 38-Jährige. Er ist selbst aktiv beim Kreisligisten VfR Jagdshof – nahe Sonneberg. "Ein Trainer wie der Mario wäre eine geile Sache. Der würde uns pushen, bis wir Bezirksliga spielen", sagt er im Hinblick auf Baslers zurückliegende Trainerstationen und schmunzelt in sich rein. Auch Fußballer Nino Fiedler aus Kronach würde gerne unter einem Original wie Basler spielen: "Das wäre überragend." Aus seiner Sicht überzeugt der aber nicht nur durch fußballerisches Wissen. "Er ist als Typ einfach riesig. Wenn so einer in Coburg ist, dann will man dabei sein."

Der 29-Jährige erinnert sich gut an das Championsleague-Finale gegen Manchester United von 1999. Das ist auch der Dreh-und Angelpunkt von Baslers Bühnenprogramm. Seine Bayern verloren die Partie mit 1:2. Er hatte das 1:0 für die Münchner erzielt – kurz nach seiner Auswechslung (89. Minute) fielen beide Gegentreffer. Folgerichtig sei er ja als Sieger vom Platz gegangen, witzelt er.

Nach der 15-minütigen "Raucherpause" beantwortet Basler Fragen aus dem Publikum. Neben vielen Antworten mit klarem Augenzwinkern – sein aktueller Marktwert betrage 450 Millionen Euro oder alle Tore seien sein Schönstes gewesen – wird er aber auch gelegentlich ernst. So sei Lothar Matthäus sein bester Mitspieler gewesen und Hansi Flick leiste aktuell in München gute Arbeit als Trainer. Nach dem Abpfiff und einer kurzen Zugabe kündigt Basler verschmitzt an, er wolle jetzt noch ein, zwei Bier trinken. Der Vorschlag aus dem Publikum: "Am besten im Adam" – eine Coburger Kneipe.

Viel Zuspruch nach der Show

Mario Engelhart fand die Show "sehr unterhaltsam. Besonders Baslers Geschichten aus dem Nähkästchen waren spannend." Mehr aktuellen Bezug hätte er sich dennoch gewünscht. Baslers Komikerdasein werde zudem niemals dessen Fußballkarriere überschatten. Nino Fiedler schließt sich dem an. Er fand den Auftritt "total authentisch. Das habe ich auch erwartet, der saß ja schon als Spieler mit Zigarette und Bier im Whirlpool ."