Dürresommer und Stauseen haben die Überschwemmungen im Itzgrund seltener werden lassen. Dass die Wiesen links und rechts der Itz gerade jetzt doch wieder einmal wie ein großer See wirken, betrachten Landwirte mit Freude und Ärger gleichermaßen.

Vor allem jetzt, außerhalb der Vegetationsphase, hat die Flut für die Bauern einen beachtlichen Nutzen. "Natürlich hoffen wir, dass durch das Hochwasser die Mäuseplage in den Wiesen endlich etwas gemindert wird", sagt Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Coburg.

Die Nager waren in den vergangenen Jahren zur Plage und gewissermaßen schon zum Politikum geworden. Als in den Dürrejahren 2018 und 2019 Hochwasser ausblieb, vermehrten sich die Tiere massenhaft. Ihre Gänge durchzogen den Wiesenboden dicht an dicht und weil sie die Wurzeln der Pflanzen abfraßen, sahen viele Flächen aus wie Steppe.

Mäuse bekämpfen unmöglich

Normalerweise dürfen Landwirte in solchen Situationen gezielt Gift in die Gänge der Tiere einbringen. Doch weil die It zwiesen als FFH-Gebiete Schutz genießen, war das untersagt. BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz und der CSU-Landtagsabgeordnete Martin mittag holten sogar den Vorsitzenden des agrarpolitischen Ausschusses im Landtag, Martin Schöffel, zum Lokaltermin in den Itzgrund. Er sollte helfen, möglichst eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, um die Plage zu bekämpfen. Schließlich machten die Mäuse auch nicht vor den Wurzeln der Pflanzen halt, um deren Willen die Wiesen geschützt worden sind. Doch am Ende war der Schaden nicht mehr zu verhindern.

Nun hoffen die Landwirte, dass die Fluten möglichst vielen Mäusen zum Verhängnis werden, und in diesem Jahr wieder mehr Gras geerntet werden kann - das übrigens auch von den Nährstoffen profitiert, welche die Wassermaßen mitbringen.

Doch bevor das möglich wird, haben die Bauern einen Berg an Arbeit mit ihren Wiesen - und da fängt der Ärger an. "Das Hochwasser bringt immer größere Mengen Müll mit, der auf den Wiesen liegen bleibt", sagt Hans Rebelein. Unrat von der PE-Flasche bis zum Autoreifen hat in Silage oder Heu nichts zu suchen. Daher bleibt den Landwirten nichts anderes übrig, als nach dem Hochwasser vor allem die größeren Müllstücke per Hand einzusammeln.

Reichlich Totholz bleibt zurück

Das gilt auch für Äste, die ebenfalls immer mehr werden, wenn es einmal Hochwasser gibt. "Früher wurden die Bäume an den Flussufern noch eher einmal zurückgenommen. Heute gibt es dagegen gewollt als Auwiesen angelegte Flächen, wo das nicht mehr gemacht wird. Deswegen kommt mit dem Hochwasser immer mehr Totholz auf die Flächen", erklärt Hans Rebelein.

Entschädigung gefordert

Sind die großen Stücke eingesammelt, muss der Landwirt seine Flächen mit der Egge gewissermaßen durchkämmen, um auch kleinere Gegenstände und Äste zu entfernen. Alles in allem nicht wenig Arbeit und Zeitaufwand. Und am Ende muss alles entsorgt werden. Was bei Holz kein großes Problem ist, stellt sich bei Müll schon anders dar. Der muss entsprechend beseitigt werden, und das ist nicht immer kostenlos. "Deswegen fordern wir seit Jahren, dass die betroffenen Landwirte für diesen Aufwand eine Entschädigung bekommen", sagt Hans Rebelein.

Bisher konnte sich der BBV mit diesem Anliegen nicht durchsetzen. In Zeiten, in denen die Gesellschaft immer mehr Forderungen an die Bauern und ihre Arbeit stellt, findet er, könne die Gesellschaft auch für einen Mehraufwand der Landwirte aufkommen, der von ihr verursacht wird.