Der FDP-Kreisverband Coburg Stadt feierte sein 70-jähriges Bestehen, und der langjährige Stadtrat Hans-Heinrich Eidt wurde für seine 40-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.

Zu dem Doppeljubiläum, zu dem die FDP Coburg eingeladen hatte, war auch der FDP-Bezirksvorsitzende Thomas Nagel zu einem inoffiziellen Antrittsbesuch erschienen. Nagel war erst am vergangenen Samstag neu an die Spitze der oberfränkischen Liberalen gewählt worden. Außer Nagel war auch Thomas Hacker, Nagels Vorgänger als FDP-Bezirksvorsitzender und ehemaliger FDP-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, nach Coburg gekommen. Thomas Nagel bewegt sich in Coburg aber nicht auf unbekanntem Terrain. Er ist im Jahr 1967 in Coburg auf die Welt gekommen. Heute lebt er in Kulmbach.

Hans-Heinrich Eidt sei eigentlich kein Freund publicityträchtiger Ehrungen, sagte Ulrich Herbert, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Coburg Stadt, in seiner Laudatio für den Rubinjubilar. Er erinnerte daran, dass Eidt 1998 die Annahme des Goldenen Ehrenringes der Stadt Coburg verweigert hatte. Ohne das Wort tatsächlich in den Mund zu nehmen, beschrieb Herbert Hans-Heinrich Eidt als Querdenker, durchaus zum Vorteil Coburgs.


Eidt wurde sogar beschimpft

Er habe die Tiefgarage unter dem Schlossplatz wegen ihrer ursprünglich gedachten Dimension und aus Gründen des Denkmalschutzes abgelehnt. "Er musste sich vom damaligen Oberbürgermeister und anderen Persönlichkeiten als Totengräber von Coburg beschimpfen lassen." Im Ringen um einen guten Kompromiss favorisiere Eidt nunmehr eine abgespeckte Variante. Eidt habe auch den Bau einer Müllverbrennungsanlage auf dem SÜC-Gelände abgelehnt. Später sei dann eben das Müllheizkraftwerk in Bertelsdorf errichtet worden. Herbert erwähnte weiter das Bürgerbegehren gegen die "Bimmelbahn" im Coburger Hofgarten. "Nach wie vor ist Dr. Eidt als Stadtrat sehr aktiv und insbesondere ist er bei vielen Bauvorhaben engagiert, auch mit Unterstützung der Gemeinschaft Stadtbild Coburg, deren Vorsitzender er ist", fuhr Herbert fort. Seit fast 40 Jahren sei Eidt Mitglied im Kreisvorstand der Coburger Liberalen. "Auf seinen Rat und seine Informationen wollen wir keinesfalls verzichten", sagte Ulrich Herbert, "sein Ideenreichtum hat uns schon zu vielen interessanten Veranstaltungen verholfen."

Eidt merkte mit Schmunzeln an, dass er als Rubinjubilar (40 Jahre) schon mehr als die Hälfte des Bestehens seiner Partei in Coburg (70 Jahre) Mitglied sei. Er machte sich Sorgen um die Liberalität der gegenwärtigen Gesellschaft und den Freiheitsbegriff. "Statt Weltoffenheit wächst der Tumor einer engstirnigen Provinzialität", sagte er. Als politisches Vorbild nannte er den Coburger Journalisten und Politiker Feodor Streit (1820 bis 1904).
In die Zeit vor Eidt führte Ulrich Herbert in seinem Rückblick. Die Gründung einer Partei im Nachkriegs-Coburg sei gar nicht so einfach gewesen. Die Militäradministration hatte seinerzeit verlangt, dass wenigstens 25 von nationalsozialistischen Einflüssen unbescholtene Gründungsmitglieder erforderlich seien.

Die Geburtsstunde der FDP Coburg schlug dann am 29. Februar des Jahres 1946. Im Mai 1946 erzielte die junge FDP bei der Kommunalwahl 21,9 Prozent aller Stimmen. Sie habe acht Stadträte ins Coburger Rathaus entsenden können. Mit Dr. Walter Langer habe von 1948 bis 1970 ein Liberaler als Oberbürgermeister an der Spitze der Stadt gestanden.