Gereizt hat sie vor allem der Glockenturm - deshalb haben die Klebegs sich entschieden, die ehemalige Schule in Beiersdorf an der Rodacher Straße zu kaufen. "Uns hat auch das besondere Flair des Hauses gefallen", sagt Stefan Klebeg. Dass der Turm nun dem Energiekonzept für das Haus entgegensteht und ein Problem für den Feuerschutz darstellt, damit haben die Käufer nicht gerechnet. "Unser Architekt hat alles untersucht und dann empfohlen, den Turm abzubauen."
Weil der Glockenturm aus Holz und Schiefer besteht und auch schon etwas marode ist, sei der Feuerschutz nicht gewährleistet. Dazu kommt, dass die Klebegs ihr Haus mit einer Kombination aus Gas, Sonnenenergie und Kamin heizen wollen. "Für den Kamin brauchen wir aber einen Schornstein mit Edelstahleinsatz, der den Turm um 1,50 Meter überragen würde.
Und das sieht hässlich aus."
Ein anderer kritischer Punkt sind sogenannte Kältebrücken, die sich entlang der Turmmauern bilden, denn die reichen bis in den ersten Stock hinunter. "Das würde für uns nicht nur erhöhte Heizkosten bedeuten, sondern es bildet sich an solchen Stellen auch leicht Schimmel." Deshalb entschlossen sich die neuen Schulhausbesitzer schweren Herzens, den Turm abzubauen. Aber er soll erhalten bleiben, und zwar sichtbar für alle. "Wir werden ihn in unsere Terrasse integrieren - zur Straßenseite hin", erläutert Stefan Klebeg. Prophylaktisch will er auch einen Elektroanschluss legen lassen, damit die Uhr wieder in Gang gesetzt werden und die Glocke, wenn gewünscht, auch wieder geläutet werden kann.
Denn das ist einigen Beiersdorfern wichtig. Früher läutete die Glocke bei Beerdigungen - es habe eine Fernsteuerung vom Friedhof aus gegeben.
Schon bevor die Klebegs das Schulgebäude gekauft haben, hatte sich der Bürgerverein speziell für die Glocke interessiert. "Der Verein hat sich aber bei uns nicht gemeldet", sagt Stefan Klebeg. Cord Seegers, der Vorsitzende des Bürgervereins, ist verwundert.
"Das Gebäude hat der Wohnbau gehört. Als wir erfahren haben, dass es Kaufinteressenten gibt, haben wir sofort an die Glocke gedacht", erinnert er sich. In mehreren Sitzungen des Vereins sei darüber gesprochen worden. "Unsere Idee war es, ein Holzgerüst für die Glocke beim Friedhof aufzubauen. Wir hätten uns auch an den Kosten dafür beteiligt."
Als das Schulgebäude dann aber verkauft war, habe die Wohnbau mitgeteilt, dass die Glocke in den Besitz des neuen Eigentümers übergegangen ist und dass dieser sich um deren Erhaltung kümmern werde. "Damit war die Sache für uns vom Tisch", sagt Cord Seegers. Nichtsdestotrotz habe er sich die Pläne der Klebegs angeschaut und findet es sehr gut, was die Familie mit dem Glockenturm vorhat.

Anfrage an Gemeinschaft Stadtbild

Inzwischen haben die neuen Hausbesitzer noch andere Probleme zu klären. "Der Fußboden bestand eigentlich nur noch aus Erdreich. Wir haben ihn gedämmt und dann betoniert", erzählt Stefan Klebeg. Das Fachwerk, das zum großen Teil mit Lehm gefüllt ist, bleibe erhalten, werde aber mit einer Feuchtigkeitssperre und mit Wärmedämmung versehen. Und weil die Erhaltung eines solche alten, aber markanten Gebäudes nicht billig ist, haben sich die Klebegs an Hans-Heinrich Eidt, Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild, gewandt. Die Gemeinschaft hatte dank einer Spende von Michael Stoschek und Christine Volkmann in den zurückliegenden Monaten immer wieder die Sanierung von Häusern finanziell unterstützen können.
Noch hat die Familie keine Nachricht von Hans-Heinrich Eidt bekommen, weil er für längere Zeit krank war, wie er erklärte. Dem Tageblatt sagte er am Telefon: "Wir haben uns das Ganze vor Ort angesehen und darüber diskutiert."
Zunächst sei die Entscheidung gefallen, das Projekt Schule Beiersdorf nicht zu unterstützen, weil das Türmchen abgebaut wird. Aber: "Wenn es so ist, dass die Familie sich Mühe macht mit der Erhaltung der alten Bausubstanz, kann man vielleicht noch einmal darüber reden", verspricht Hans-Heinrich Eidt.